Studie warnt vor Abschottung in Unternehmen | ABC-Z

Die deutsche Wirtschaft sieht sich nicht nur mit strukturellen Umbrüchen konfrontiert, sondern auch mit einer ausgeprägten Vertrauenskrise in der Bevölkerung. Laut dem aktuellen „Edelman Trust Barometer 2026“ entwickelt sich der zunehmende Zukunftspessimismus zu einem ernsthaften Hemmnis für Produktivität und Transformation.
Während das Vertrauen in die Institution „Wirtschaft“ insgesamt stagniert, nimmt der eigene Arbeitgeber eine Sonderrolle ein. Mit 74 Prozent genießt er unter Beschäftigten als einzige Institution in Deutschland eine deutliche Vertrauensmehrheit. Deutlich niedriger fallen die Werte für die Wirtschaft im Allgemeinen (48 Prozent), die Medien (46 Prozent), die Bundesregierung (42 Prozent) sowie Nichtregierungsorganisationen (41 Prozent) aus. Unternehmen seien damit zentrale Orte, an denen Vertrauen im Alltag durch Führung, Unternehmenskultur und Zusammenarbeit konkret erfahrbar werde.
Besonders auffällig ist der dramatische Rückgang des Zukunftsoptimismus. Lediglich 8 Prozent der Befragten in Deutschland gehen davon aus, dass es der nächsten Generation wirtschaftlich besser gehen wird als der heutigen – sechs Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Damit zählt Deutschland international zu den Schlusslichtern.
Dieser Pessimismus speist sich aus konkreten Sorgen: 54 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befürchten, im Zuge einer möglichen Rezession ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Auch geopolitische Spannungen wirken sich aus. Die Sorge, dass Handelskonflikte oder Zölle dem eigenen Unternehmen schaden könnten, ist seit 2019 um elf Prozentpunkte gestiegen und liegt nun bei 45 Prozent.
Als zusätzliches Risiko identifiziert die Studie das Phänomen der „Insularity“ – eine zunehmende gesellschaftliche Abschottung. 81 Prozent der Deutschen geben an, Menschen mit anderen Wertvorstellungen oder Informationsquellen kaum noch zu vertrauen. Diese Entwicklung bleibe nicht ohne Folgen für Unternehmen.
Die Daten zeigen deutliche Spannungen in der Arbeitswelt: 45 Prozent der Beschäftigten würden sich weniger engagieren, wenn ihre Führungskraft politisch anders denkt. 32 Prozent würden sogar einen Abteilungswechsel in Betracht ziehen, um nicht an einen Vorgesetzten mit abweichenden Wertvorstellungen zu berichten.
Nils Giese, CEO von Edelman Deutschland, warnt vor den Konsequenzen: Wenn Vertrauen fast ausschließlich im eigenen Umfeld gewährt werde, sei gesellschaftliche Abschottung keine theoretische Debatte mehr, sondern gelebte Realität. Unüberwindbare Differenzen könnten Innovation und Teamarbeit massiv beeinträchtigen.
Für das „Edelman Trust Barometer 2026“ wurden weltweit 34.000 Menschen in 28 Ländern befragt, darunter 1.200 in Deutschland.





















