Olympia 2026: Rodel-Tobis Wendl/Arlt sind Deutschlands Winter-Könige | ABC-Z

Mit 13 Jahren saßen sie erstmals gemeinsam auf dem Schlitten, 25 Jahre später sind sie die erfolgreichsten deutschen Olympioniken aller Zeiten. Das Erfolgsgeheimnis von Tobias Arlt und Tobias Wendl: eine frühe Trainer-Entscheidung und keine Angst vor Körperkontakt.
Wenn Tobias Wendl über das Rodeln spricht, klingt das mitunter sehr philosophisch. Was von außen wie eine sehr schnelle Umsetzung des altbekannten Schlittenfahrens aussieht – also draufsetzen, Augen zu, Berg runter – ist für den 38-Jährigen viel, viel mehr als das. “Wenn du seit 32 Jahren mit den Fingern Eiskontakt hast, dann entwickelst du ein Gefühl, es entsteht eine Symbiose”, sagte er im Rahmen der Dokumentation “Zwei für Gold” am ARD-Mikrofon. “Wenn du ins Eis eindringst, kannst du etwas verändern.”
Rodel-Tobis auf Platz fünf der ewigen Bestenliste
Große Worte, denen bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo, wieder einmal Taten folgten. Denn Wendl gewann gemeinsam mit seinem Namensvetter und Rodel-Partner Tobias Arlt am Mittwoch (11.02.2026) zunächst die Bronze-Medaille im Doppelsitzer, am Donnerstag folgte dann der Olympiasieg mit der Staffel. Wendl und Arlt zogen damit in der ewigen Bestenliste an Natalie Geisenberger vorbei, mit nun sieben Olympiasiegen und einer Bronze-Medaille sind sie offiziell die erfolgreichsten deutschen Winter-Olympioniken aller Zeiten.
Im internationalen Vergleich haben nur noch die norwegischen Legenden Ole Einar Björndalen (Biathlon), Björn Dählie, Marit Björgen und Johannes Hösflot Kläbo (alle Langlauf) mehr Medaillen gesammelt als die “Rodel-Tobis”.
Dabei mussten sie vor ihrer Rekord-Fahrt noch eine Schrecksekunde überstehen. Die Türklinke zum Starthaus war plötzlich abgefallen und die beiden Doppelsitzer damit ausgesperrt. “Da dachten wir 20 Sekunden lang, wie kommen wir jetzt pünktlich zum Start”, so Wendl. Durch einen Trainer wurde das Malheur aber rechtzeitig gelöst.
Jugendtrainer hatte zündende Idee
Dass Wendl und Arlt 25 Jahre nach ihrer Premiere auf dem Rennrodel nun ganz oben angekommen sind, ist das Ergebnis harter und akribischer Arbeit. Dass die beiden überhaupt gemeinsam auf einem Schlitten sitzen und als Team den Eiskanal hinunterflitzen, haben sie aber einzig der Hartnäckigkeit ihres damaligen Jugendtrainers zu verdanken. Der in Aachen geborene Wendl und der gebürtige Berchtesgadener Arlt rodelten in ihrer Jugend ebenso erfolgreich wie autark nebeneinanderher. Dann hatte der Coach eine Idee.
“Er hat gesehen, dass wir zwei stramme Burschen sind, und wollte das mal ausprobieren. Wir sind dann über unseren Schatten gesprungen und haben ihm versprochen, das einmal zu machen”, so Wendl. “Danach wollten wir dann wieder zum Einzel.” Man ahnt es: Das alles geschah im Jahr 2001, allein saßen die beiden danach nicht mehr auf dem Schlitten. Ganz im Gegenteil: Die Freundschaft der beiden “Rodel-Tobis”, wie sie fortan genannt wurden, wurde immer enger. Die Erfolge waren fortan fast nicht mehr zu zählen.
Es stimmt nicht nur sportlich
Neben den bereits erwähnten sieben Olympia-Medaillen gewannen sie fünfmal den Gesamtweltcup, wurden neunmal Weltmeister und sechsmal Europameister: Insgesamt hängen in den heimischen Vitrinen der beiden, die inzwischen die Größe eines stattlichen Einbauschranks haben müssen, 64 Medaillen in unterschiedlichen Farben. “Es ist einfach schöner, zusammen zu gewinnen”, fasst Arlt auch die menschlichen Vorteile des Wechsels vom Ein- zum Zweisitzer zusammen. Es hätte wohl besser nicht laufen können.
Dass neben den sportlichen Komponenten auch die charakterlichen stimmen müssen, versteht sich bei der körperlichen Nähe fast von selbst. “Wir haben den kleinsten Arbeitsplatz der Welt”, so Arlt, der rein objektiv dabei auch noch die schlechtere Position erwischt hat. “Es ist bei uns so, dass der Schwerere und Größere oben liegt”, erklärte der kleinere Tobias in einem SZ-Interview. Der größere Tobias, also Wendl, bringt rund 15 Kilogramm mehr auf die Waage und hat neben der besseren Sicht auch noch den deutlich gemütlicheren Untergrund. “Ich liege schön weich.”
Weitere Bestmarken winken
Wie lange diese auf vielen Ebenen geschriebene Erfolgsgeschichte noch weitergeht, ist allerdings nicht klar. Aus den Draufgängern, die sich als Kids gemeinsam auf einen Schlitten schmissen, sind inzwischen Altstars geworden. “Wenn wir uns die Startlisten so anschauen, ist das schon komisch. Unsere Gegner könnten teilweise schon unsere Söhne sein”, so Wendl. “Wir sind hier echt die Opis.” Früher die Rodel-Tobis, jetzt die Rodel-Opis, der Lauf des Sportler-Lebens.
Und dieses Sport-Leben scheint tatsächlich bald zu Ende zu gehen. Kurz nach dem Gewinn ihrer siebten olympischen Gold-Medaille kündigte Wendl an, dass die Sammlung nicht mehr größer wird. “Das war unser letzter olympischer Lauf.” Eine achte oder neunte Medaille werde es definitiv nicht mehr geben.





















