Starnberg: Blitzersäulen sollen Verkehrssicherheit erhöhen – Starnberg | ABC-Z

Abkassiert ist schnell, Verkehrsüberwachung ist ein lukratives Geschäft. Polizei, Zweckverbände und Kommunen verdienen jedenfalls nicht schlecht an Verkehrssündern: Geblitzt wird in Wohngebieten, Tempo-30-Zonen, an Ortseingängen und -durchfahrten, vor Kindergärten und Schulen. Das Argument für den Einsatz von Radaranlagen, Blitzerampeln, Lasergeräten, mobilen oder teilstationären Messstellen ist stets das gleiche: mehr Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer. Auch Starnberg möchte da künftig mitmachen: Schon bald sollen Blitzersäulen im Bereich der Grundschule Percha und an der Ortsdurchfahrt Landstetten installiert werden, um Autofahrer zu disziplinieren. Sofern sich das Ganze auch rechnet, könnten 2027 noch zwei weitere Anlagen an neuralgischen Stellen im Stadtgebiet installiert werden.
Die Starnberger hätten nicht nur gern weniger Verkehr, sondern sie hätten es gern auch langsamer – aus nachvollziehbarem Grund: An verschiedenen Stellen im Stadtgebiet sind manche Autofahrer eindeutig zu schnell unterwegs. Gegen die Raserei sollen stationäre Anlagen helfen, die an ausgewählten Tagen die Geschwindigkeit messen und Temposünder in beiden Fahrtrichtungen „blitzen“.
Der Wunsch nach fest installierten Blitzern ist nicht neu in der Kreisstadt. Vor zehn Jahren noch setzte man in der Kreisstadt auf sogenannte „Smiley“-Messstellen, die sich jedoch als wenig hilfreich erwiesen: Sie quittieren korrektes Tempo mit einem Lächeln oder zu schnelles Fahren mit heruntergezogenen Mundwinkeln. „Mahnung statt Strafe“ lautete das Motto. Doch der durchschlagende Erfolg blieb aus: Zwar stellte die Stadtverwaltung 2019 „eine positive Auswirkung auf das Fahrverhalten“, fest. Aber es gab auch gegenteilige Effekte: Einige Fahrer betrachteten die Tempovorgaben nur als unverbindliche Empfehlung, andere machten sich gar einen Spaß daraus, fahrerisch die Grenzen des Machbaren auszuloten. Eine Strafe war schließlich nicht zu erwarten.
Weil sich an der Grundproblematik insbesondere im Bereich von Schulen nichts änderte, beschloss der Stadtrat schon 2021, Standorte für insgesamt vier Messanlagen mit den Fachstellen abzustimmen. Doch das Projekt wurde mehrfach geschoben, offizielle Begründung: Personalengpässe im Ordnungsamt. Fünf Jahre später soll Versäumtes nun nachgeholt werden, doch noch ist es nicht so weit. Für die Blitzersäule in Percha an der Berger Straße fehlt ein Stromanschluss. Das Vorhaben scheiterte bislang am Bayernwerk, erst im März, vielleicht auch später, könnte der Blitzer einsatzbereit sein. Und in Landstetten erwartet die Stadt noch die Zustimmung von Polizei und Zweckverband Oberland, dann soll das Bayernwerk auch dort für Strom sorgen.
Beide Säulen sollen jedoch nicht rund um die Uhr, sondern nur tageweise oder zu bestimmten Zeiten „scharf gestellt“ sein. Die jährliche Gesamtinvestition in Höhe von knapp 100 000 Euro, so die Annahme der Stadtverwaltung, könnte sich durch Einnahmen in gleicher Höhe amortisieren; womöglich ließe sich gar ein Überschuss erzielen, schätzt der Zweckverband. Beispiele hierfür gibt es genug: Eine Radarfalle in Kirchseeon (Landkreis Ebersberg) spülte 2024 eine Million Euro in die Kasse der klammen Gemeinde. Städte wie Chemnitz, Erfurt oder Rostock kassieren Millionen Euro durch Verkehrsverstöße. Im schwäbischen Essingen kamen in der Bahnhofstraße in sieben Monaten 700 000 Euro zusammen, in Füssen erblitzte eine Säule binnen drei Monaten eine halbe Million.
Grundvoraussetzung fürs Aufstellen einer stationären Messstelle ist eine Beanstandungsquote von zehn Prozent. Die Stadt Starnberg nahm in den vergangenen Wochen an verschiedenen Standorten „verdeckte Messungen“ vor, der Zweckverband Oberland ergänzte die Daten, die allesamt noch nachgeprüft werden sollen. Die fünf Spitzenreiter: in Söcking die Prinz-Karl-Straße (22,91 Prozent), in Wangen die Olympiastraße (20,74 Prozent), die Gautinger Straße auf Höhe Starnberger Wiese (9,51 Prozent) sowie die Leutstettener Straße und die Ortsdurchfahrt Perchting (jeweils 8,8 Prozent). In Abstimmung mit Polizei und Zweckverband sollen 2027 zwei weitere Standorte der Vorauswahl festgelegt werden, einer der Favoriten ist Wangen.

Ob die ganze Blitzerei die Starnberger Stadtkasse entlasten wird, bleibt freilich abzuwarten. Die Entscheidung im nächsten Jahr über weitere stationäre Anlagen ist abhängig vom Erfolg der bereits installierten Anlagen. Den Stadträten ist durchaus klar, dass sich eine dauerhafte Anlage unter Einheimischen schnell herumsprechen dürfte. „Werde ich da einmal geblitzt“, konstatierte Rudi Zirngibl (CSU), „dann passiert mir das nicht wieder.“ Außerdem sind zunehmend sogenannte Radarwarner und Blitzer-Apps im Einsatz, deren Gebrauch während der Fahrt aber verboten ist. Alternative zu den schicken Blitzersäulen bleiben die unauffälligen, grauen Blitzeranhänger des Zweckverbands Oberland, die auf Bestellung an wechselnden Standorten aufgestellt werden können.





















