Olympia 2026: Warum die deutschen Biathleten Maske tragen | ABC-Z

Wenn Franziska Preuß ihrem jüngeren Ich einen Rat geben könnte, dann wäre es dieser: „Nimm immer eine Maske mit.“ Das sagte die Biathletin vor den Olympischen Spielen der F.A.Z. In dem Gespräch ging es um einen Social-Media-Trend, Menschen teilten ihre Erinnerungen an das Jahr 2016 in Foto- und Video-Beiträgen.
Vor zehn Jahren war Preuß 21 Jahre alt und hatte ihre ersten Olympischen Spiele schon hinter sich. Es sollten noch neun Jahre vergehen, bis sie zum ersten Mal den Gesamtweltcup gewinnen und Verfolgungsweltmeisterin werden sollte. Immer wieder war sie krank, kämpfte mit Infektionen, musste Weltcups auslassen und Saisons abbrechen. Öfter eine Maske getragen zu haben, „hätte mir einiges an Kummer und Sorgen erspart“, sagt sie heute.
Spott für das Biathlon-Team
Erst die Corona-Pandemie machte den Mund-und-Nasen-Schutz auch in Europa salonfähig. Seitdem gehören FFP2-Masken zur Standard-Ausrüstung von Wintersportlern – weil sie nicht nur vor Corona schützen, sondern auch vor anderen Infektionen. Viel Spott erntete dafür in den vergangenen Tagen das deutsche Biathlon-Team.
Aufgrund der Doping-Manipulationen, einem in manchen Ländern nicht oder nur unzureichend existierenden Kontrollsystem und teilweise bislang nicht nachweisbaren verbotenen Substanzen übernimmt die Redaktion keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Eingefrorene Proben dürfen zehn Jahre lang nachkontrolliert werden. Mit dem endgültigen Ergebnis ist erst nach Ablauf der Verjährungsfrist 2036 zu rechnen.
Der Deutsche Skiverband (DSV) veröffentlichte Videos aus dem Mannschaftshotel. Zu sehen waren die Athletinnen und Athleten bei der Feier ihrer Mixed-Staffel-Bronzemedaille oder vor dem Fernseher während der Eröffnungsfeier.
Die meisten trugen eine Maske im Gesicht, wie es das Hygienekonzept des Verbandes empfiehlt. Mancher Follower fühlte sich an die Corona-Jahre erinnert und sprach dem Team ab, mit verdecktem Mund und Nase ebenso viel Freude empfinden zu können wie ohne das Stück Kunststoff.
Die Betroffenen reagierten gelassen darauf, sie sind es gewohnt, die Masken zu tragen, und sind von der Sinnhaftigkeit überzeugt: „Man muss mal Ausdauersport gemacht haben und dann krank gewesen sein“, sagte etwa David Zobel, der in Antholz sein Olympia-Debüt gibt: „Wenn ich irgendwas habe, einen Schnupfen oder Husten, dann kann ich mir die Olympischen Spiele schön in die Haare schmieren.“
„Für uns Sportler ist Gesundheit das Wichtigste“
Das deutsche Team ist damit nicht allein, bei der Pressekonferenz nach der Staffel-Siegerehrung traten auch die Franzosen und Italiener mit Mund-Nasen-Schutz auf. In einem schlecht belüfteten Raum mit 250 Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt war ihnen das nicht zu verdenken.
Das Beispiel der finnischen Eishockey-Frauen zeigt, wie schnell Olympische Spiele in Gefahr geraten: Weil sich ein Großteil des Teams mit dem Norovirus infiziert hatte, musste ihr Auftaktspiel in Mailand verschoben werden. Das hatte zu erhöhter Achtsamkeit, auch im deutschen Team, geführt.
Biathletin Selina Grotian ist zum ersten Mal bei Olympischen Spielen dabei und sagt: „Ganz ehrlich, für uns Sportler ist Gesundheit das Wichtigste überhaupt und jeder, der sich da nicht schützt, der wäre einfach nur dumm.“
Die Wintersport-Saison läuft parallel zur Grippe-Hochsaison zwischen November und März. Im Jahr nach der Pandemie vermischten sich die Corona- mit Influenza-Infektionen. Bernd Wolfarth sagte damals schon, dass seine Erfahrung aus 30 Jahren Tätigkeit als Verbandsarzt des DSV zeige, dass banale Vorgaben der Grundhygiene immer wieder Erfolg hätten: „Ich kann nur gebetsmühlenartig wiederholen, was uns die Corona-Jahre gelehrt haben: Abstand halten, Maske tragen, Händedesinfektion.“
Sportlerinnen und Sportler würden sich heute mehr mit Gesundheitsthemen beschäftigen als früher, weil die Wettkampfdichte und damit die Belastung größer geworden sei, sagte er. Und: „Als Leistungssportler sind sie darauf angewiesen, dass ihr Körper perfekt funktioniert.“
Für den Erfolg halten sie Abstand zur eigenen Familie
Franziska Preuß trägt nicht nur in geschlossenen Räumen eine Maske, oft ist sie damit auch in der sogenannten Mixed Zone zu sehen, wo Interviews unter freiem Himmel geführt werden. Die selbstauferlegten Schutzmaßnahmen trugen dazu bei, dass sie in der vergangenen Saison gesund geblieben ist und die Wettkämpfe ohne Unterbrechung durchziehen konnte. Für den Erfolg hält sie immer wieder Abstand, selbst zur eigenen Familie.
Ein Opfer, das auch Janina Hettich-Walz bringt. Die 29-Jährige brachte vor einem Jahr ihre Tochter Karlotta zur Welt und stieg im folgenden Frühjahr wieder in das Biathlon-Training ein. „Es war mein Ziel, zurückzukommen und mich für Olympia zu qualifizieren“, sagt sie heute, „da war klar, dass ich auch mal eine Woche von meiner Tochter getrennt sein werde.“
Die Athletin wohnt mit der deutschen Mannschaft im Teamhotel in Antholz. An diesem Donnerstag reist ihr Mann mit der gemeinsamen Tochter an, die beiden sind woanders untergebracht. „Ich werde sie dann auch treffen, aber man muss schon sehr aufpassen.“ Darauf habe sie sich eingestellt, sie sieht es pragmatisch: „Das nehme ich wie es kommt. Olympia ist nur einmal.“





















