Commerzbank wehrt sich gegen Unicredit-Übernehmen – und kein Ende in Sicht? – Wirtschaft | ABC-Z

Es ist bereits ihre zweite Bilanzpressekonferenz als Commerzbank-Chefin, bei der Bettina Orlopp erklären muss, wie sie die Übernahmepläne der italienischen Unicredit einschätzt – inzwischen ist sie geübt darin, das Thema wegzulächeln. Als es ihr durchrutscht, eine von vielen Fragen zu der „italienischen Sache“ zu beantworten, lacht sie kurz und sagt: „Ach, das Thema ist doch gar nicht präsent gerade.“ Natürlich ist das ironisch gemeint – ein Gag, den im Publikum wohl auch jeder versteht.
Allein der Aktienkurs der Commerzbank spiegelt an diesem Vormittag allerdings die Nervosität bei der zweitgrößten börsennotierten Privatbank Deutschlands wider. Am Morgen fällt der Kurs zeitweise um bis zu sechs Prozent, was sofort die Frage aufwirft, ob Unicredit-Chef Andrea Orcel nun bald „zuschlägt“ und ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank einreichen könnte, um sich die Mehrheit der Anteile zu sichern. „Das ist unwürdig“, heißt es aus der Belegschaft. Orlopp zeigt sich gelassener: Man dürfe nicht zu sehr auf die Tagesperformance der Aktien achten. „Das ist auch gut für die Nerven, wenn ich das so sagen darf.“
Kommt nun aber Bewegung in die festgefahrenen Übernahmepläne der Unicredit? Seit die italienische Bank im Spätsommer 2024 überraschend Anteile an der Commerzbank gekauft hatte, um eine europäische Großbank zu schmieden, stellt sich die Sache wie eine Dauerbelagerung dar. Und ein Schlagabtausch reiht sich an den anderen: Unicredit-Chef Andrea Orcel stockt seinen Anteil auf, bekräftigt seine Absichten und stichelt gegen die Commerzbank – die wiederum kontert, eine Übernahme gefährde die Kreditversorgung des deutschen Mittelstandes. Auch die Bundesregierung, die noch 12 Prozent an der Commerzbank hält, stellt sich quer. Es ist ein feindlicher Übernahmeversuch, wie es ihn selten gibt in der Bankenbranche. Dennoch kontrolliert Unicredit inzwischen knapp dreißig Prozent des Frankfurter Instituts. Der Vollzug der deutsch-italienischen Banken-Ehe ist für viele Beobachter nur noch eine Frage der Zeit – vorausgesetzt, der Aktienkurs der Commerzbank fällt und erlaubt Orcel den günstigen Nachkauf. Derzeit ist es ihm zu teuer, hat er immer wieder gesagt.
Dabei hat sich die Commerzbank eigentlich schon am Dienstag bemüht, gute Stimmung zu verbreiten. Das Ergebnis 2025 (ein Nettogewinn von 2,6 Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite von 8,7 Prozent) sei besser ausgefallen als von Analysten erwartet: Zugleich kündigte die Bank erneut den Rückkauf eigener Aktien an, eine Art Ausschüttung an die Aktionäre. Das geht zwar zulasten der Rücklagen und schmälert die Spielräume. Im Idealfall stützt es jedoch den Aktienkurs. Das Kalkül geht diese Woche nicht auf: Der Geschäftsausblick entsprach nicht ganz den Erwartungen. Zwar seien die Ergebnisse im vierten Quartal stark gewesen, schreiben die Analysten der US-Großbank J. P. Morgan, es gebe allerdings wenig Spielraum für Verbesserung.
Bislang ist Bettina Orlopp der Abwehrkampf überraschend gut gelungen, vielleicht auch, weil ein Angreifer von außen ungeahnte Kräfte freisetzen kann. Sie verkündete ein Sparprogramm, einen Stellenabbau, neue Wachstumsziele und profitierte von dem für Banken günstigen Marktumfeld: Der Aktienkurs hat sich seit ihrem Amtsantritt fast verdreifacht.
Wie lange können die Italiener die Belagerung durchhalten?
In den vergangenen Monaten allerdings hat die „Börsenrally“ der Commerzbank deutlich an Schwung verloren. Zugleich ließ Unicredit-Chef Orcel – ein Ex-Investmentbanker – diese Woche seine Muskeln spielen. Erst am Montag hatte er ebenfalls seine Jahreszahlen erläutert und angekündigt, eigene Aktien zurückkaufen zu wollen. Zudem betonte er immer wieder, dass die Unicredit nun die profitabelste Bank Europas sei. Auf die Frage nach einer möglichen Übernahme der Commerzbank sagte er dem Fernsehsender CNBC: „Wenn der richtige Zeitpunkt kommt und die Konditionen stimmen, wird es auf die richtige Weise passieren.“ Andernfalls habe er „genügend andere Themen, die wir vorantreiben können“. Zugleich wartete er ebenfalls mit neuen Zielen auf, die inzwischen unter der Überschrift „Unicredit – unbegrenzt“ laufen, eine wenig bescheidene Positionierung, die auf Englisch („unlimited“) indes etwas lässiger klingt als auf Deutsch.
Gleichwohl stellt sich die Frage, wie lange Unicredit diese Belagerung durchhalten kann. Zwar hatte Orcel zuletzt immer wieder gesagt, er könne sich auch bis Ende 2027 Zeit lassen mit der Übernahme, zudem habe sich der Aktienkurs der Commerzbank zuletzt ja gut entwickelt. Doch die Aktion bindet eben auch viel Eigenkapital in seiner Bilanz, und die Absicherung gegen Kursschwankungen verursacht Kosten. Beides könnte positive Effekte auffressen, nachdem Unicredit die Commerzbank-Anteile in der eigenen Bilanz vereinnahmt (Fachbegriff: „konsolidiert“) hat. All das sind komplizierte Zahlenaspekte, die aber auf die eine Frage hinauslaufen: Wie lange kann Orcel die Milliardenbeteiligung halten, ohne Kritik der eigenen Aktionäre und des eigenen Aufsichtsrates zu riskieren? Ebenfalls diese Woche ließ Orcel durchblicken: Er habe einen ganz langen Atem und könne sich auch vorstellen, eine weitere Amtszeit an der Spitze der Unicredit zu bleiben. Sein Vertrag läuft 2027 aus.
Wichtig ist nun eine weitere Frist: Wahrscheinlich ab dem 22. Februar dürfte Orcel seine eigenen Aktien als Zahlungsmittel für eine Übernahme einsetzen können – was für ihn deutlich günstiger wäre. Denn auch die Aktie der Unicredit ist zuletzt stark gestiegen, womit sie als Übernahmewährung mehr wert ist. Überschreitet Unicredit die Schwelle von 30 Prozent an der Commerzbank, müsste die Bank den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten.
Bereitet dies Bettina Orlopp Sorgen? „Wir können sowieso nie beeinflussen, wann und wie ein Angebot kommt, und nehmen nur die öffentlichen Äußerungen zur Kenntnis“, sagt sie. Aus Sicht der Unicredit-Aktionäre sei es derzeit aber eben nicht sinnvoll. Auch das kann sich freilich schnell ändern.





















