Besuch bei den Olympischen Spielen: Kai Wegner reist nach Italien | ABC-Z

Diesmal nicht auf dem Tennisplatz. In Mailand will Berlins Regierungschef Kai Wegner für die Berliner Olympiabewerbung Klinken putzen gehen.
Vielleicht wollte er einfach noch ein bisschen länger Winter, jetzt, nachdem in Berlin das Tauwetter eingesetzt hat. Auf jeden Fall ist Regierungschef Kai Wegner (CDU) am Dienstag zu den Olympischen Spielen gereist. Wobei er sich da mit dem Wetter vertan haben dürfte, falls das wirklich der Anreiz war: Wegner schaut nämlich nicht im winterlich-verschneiten Cortina d’Ampezzo vorbei, sondern im großstädtischen Mailand. Und dort waren schon am Dienstagvormittag 8 Grad plus angesagt.
So ist der Grund für die Reise in die rund 820 Kilometer Luftlinie entfernte lombardische Hauptstadt doch eher Wegners Versuch, Berlin als künftige Olympia-Stadt für 2036, 2040 oder 2044 zu bewerben. Wobei sich hier durchaus anböte, von einem verzweifelten Versuch zu sprechen. Denn einer Zweidrittelzustimmung beim offiziellen Olympiareferendum in München steht Ablehnung in gelegentlichen, nicht offiziellen Befragungen in Berlin gegenüber. Und in dem sonstigen Bewerbungsfeld können sich am 19. April (in der Rhein-Ruhr-Region) und am 31. Mai (in Hamburg) in weiteren Abstimmungen beide Konkurrenten Rückenwind holen.
Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester ging jüngst so weit, die Berliner Bewerbung für aussichtslos zu erklären. Nun ist der als Beteiligter in dieser Frage zwar alles andere als nicht unbefangen. Gewicht hat seine Einschätzung aber trotzdem. Denn der Kölner OB kennt die Leute, die Deutschlands Bewerberstadt auswählen, qua früherem Job besser als jeder andere: Burmester war nämlich bis Ende 2024 fast drei Jahre Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds. Und dieser DOSB würde eben nicht das Risiko eingehen, im kommenden September eine Stadt zu nominieren, in der ein Jahr später ein von der Bewegung NOlympia angestoßener Volksentscheid eine Bewerbung stoppen könnte.
Berlin ist bereit
Kai Wegner, CDU
In dieser Situation kann Wegner gleich auf zwei Ebenen für Berlin lobbyieren: einmal bei den deutschen Sportfunktionären, die wie er in Italien zu Gast sind, auch wenn da die Wintersportverbände dominieren und Berlin sich um Sommerspiele bewirbt. Treffen könnte er aber auch internationale Verbandsvertreter, die – falls sich Berlin trotz Burmesters Prognose auf deutscher Ebene durchsetzt – am Ende das letzte Wort haben. Offiziell heißt das bei Wegner so: „Bei dieser Reise geht es darum, ein klares Signal an die olympische Familie zu senden: Berlin ist bereit.“
Wegner will auch mal jubeln
Optimal wäre für Wegner natürlich, wenn er als Berlins Regierungschef vor Ort eine Berliner Medaille bejubeln könnte – nach Zählung des Senats kommen 19 Sportlerinnen und Sportler im deutschen Team aus Berlin. Doch in den betroffenen Sportarten – Eishockey, Eiskunstlaufen oder Eisschnelllaufen – stehen die Entscheidungen erst an späteren Tagen an. Zugucken wollte Wegner trotzdem: am Dienstagnachmittag beim Eishockeyspiel der deutschen Frauen gegen Italien.
Vielleicht erhoffte sich der zuletzt – um es nett auszudrücken – beim Blackout und in der Streusalzdebatte nicht gerade optimal auftretende Regierungschef auch schlicht auf ein Motivationsprogramm in eigener Sache: Bei den Olympischen Spielen Menschen sehen, die erfolgreich agieren – und anders als er gerade beklatscht werden.
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