Kirchseeon trauert um Rudolf Rothhaupt – Ebersberg | ABC-Z

Die Bestürzung ist groß in Kirchseeon über den Tod von Rudolf Rothhaupt, auch noch Wochen nach seinem Ableben. In der Gemeinde war er jemand, dessen Namen man kannte. Von „unerschöpflicher Tatkraft, großer Hilfsbereitschaft und ausgleichender Diplomatie“ ist zu hören, an ihn habe man sich wenden können, wenn man Hilfe brauchte. „Es gab kein Problem, das er nicht gelöst hat.“ So hat es Heinz Hoynatzky, früherer Leitender Oberstaatsanwalt, in einer Abschiedsbotschaft an ehemalige Mitarbeiter ausgedrückt. Rudolf Rothhaupt war am 23. Dezember im Alter von 75 Jahren in einer Herzklinik gestorben, wie jetzt bekannt wurde.
An der Seite seiner Frau Gerda, die viele Jahre unter anderem das Vereinskartell und den Gartenbauverein als Vorsitzende führte, hatte Rothhaupt sich schon engagiert, als er noch beruflich für die Firma Siemens im IT-Bereich unterwegs war. Als Projektleiter hatte er sich in neun Bundesländern um die digitale Ausstattung von Staatsanwaltschaften gekümmert. Danach, im Ruhestand, habe er sich in Kirchseeon erst so richtig ins Zeug gelegt, berichtet seine Frau Gerda, spätestens dann sei er am Ort zu „unserem Rudi“ geworden. Mit dem ehemaligen Bürgermeister Udo Ockel und der langjährigen stellvertretenden Bürgermeisterin Maria Wollny verbanden ihn und seine Frau eine intensive Freundschaft.
1985 waren Gerda und Rudolf Rothhaupt nach Kirchseeon gezogen, kennengelernt hatten sie sich bereits im Studium. Geboren worden war er in der Rhön, aufgewachsen in Schweinfurt. Mit 20 Jahren sei Rothhaupt zu den Gebirgsjägern gegangen, er sei überzeugter Soldat gewesen, sagt seine Frau. Nicht zuletzt deshalb, vielleicht aber auch zu Ehren seines Vaters, eines Spätheimkehrers, der schon in den frühen Siebzigerjahren gestorben war, engagierte er sich in Kirchseeon und dem Landkreis Ebersberg für die Krieger- und Soldatenkameradschaft. Er habe sich immer dafür verantwortlich gefühlt, dass den gefallenen Soldaten mit einem angemessenen Begräbnis die letzte Ehre erwiesen wurde.
„Nie wieder Krieg“, hatte Rudolf Rothhaupt noch vor gut einem Jahr gefordert
In eine Schublade ließ sich Rothhaupt trotz oder gerade wegen dieses Engagements nicht pressen. „Nie wieder Krieg und Kämpfe zwischen Menschen, die im Grunde doch alle das Gleiche wollen: ein sicheres Leben mit ihren Lieben“, hatte er noch vor gut einem Jahr aus Anlass des Volkstrauertags gefordert. Rothhaupt engagierte sich gemeinsam mit seiner Frau nicht nur im Kinderferienprogramm und im Helferkreis für syrische Flüchtlinge, die Mitte der 2010er-Jahre nach Kirchseeon gekommen waren, sondern war zuvor schon in der Tschernobyl-Hilfe aktiv. Über Jahre hinweg hatte das kinderlose Ehepaar ein Mädchen aus der durch eine Reaktorkatastrophe verstrahlten Gegend in der Ukraine in den Sommerferien für einige Wochen zu sich eingeladen.
Nicht zuletzt nahmen sie einen jungen Syrer quasi als Sohn bei sich auf. „Karim“, sagt Gerda Rothhaupt ein paar Wochen nach dem Tod ihres Mannes, sei „ein Gottesgeschenk“. Und für ihren Mann der späte Sohn, den er sich gewünscht habe, für sie selbst „eine himmlische Fügung“. Der junge Mann, heute 28, hielt denn auch die Trauerrede für seinen Ersatzvater – vor einer riesigen Trauergemeinde. Sie sitze immer noch vor Bergen von Beileidskarten, erzählt die Witwe.





















