Olympia heute: Ich möchte wirklich nur über Curling mit dir reden | ABC-Z

Über wen reden heute alle?
Philipp Raimund, den – und das dürfen Sie sich ruhig mit dem morgendlichen Kaffee auf der Zunge zergehen lassen – Olympiasieger im Skispringen. Ohne auch nur einen Sieg in einem Weltcupspringen war er nach Italien gereist. Aber was ist schon ein erster Platz im finnischen Ruka gegen einen Olympiasieg? Auf der Schanze in Predazzo passte einfach alles für den 25-Jährigen. Schon im Training lief es stark. Und auch gestern Abend sprang er schon im ersten Durchgang vor alle anderen. Als Führender musste er dann bis zuletzt auf seinen zweiten Sprung warten. Schwer vorstellbar, was einem vor so einem möglichen Überraschungsolympiasieg durch den Kopf geht. Raimund aber, von dem sein Trainer sagt, man müsse ihn manchmal eher bremsen, weil er so aufgedreht sei, blieb cool. Zumindest bis zur Landung. Da brach es aus ihm raus. Und nun? “Ich kann es selbst nicht fassen”, sagte er. “Ich
glaube, das zieht einen riesigen Rattenschwanz hinter sich her, von dem
ich noch gar nicht weiß, was da auf mich zukommt. Ganz darauf
vorbereitet bin ich noch nicht.” Allzu viel Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, hat er erst mal nicht. Heute muss er im Mixed ran.
Wer wird heute wichtig?
Der Videobeweis, allerdings nicht im Kölner Keller, sondern in der Eishalle von Mailand. Bei der Mixed-Team-Staffel im Shorttrack wird er mindestens so performen müssen wie die Athleten. Einerseits, weil es beim Shorttrack ähnlich wie bei vielen Wintersportarten rabiat und riskant zugeht. Es gilt, Schubser und Kufensteller, Aus-dem-Takt-Bringer und Vorbeischummler zu entdecken und entsprechend zu sanktionieren. Vor allem aber müssen die Wechsel genauestens überprüft werden. Die passieren nämlich buchstäblich fliegend: Innerhalb des Rennrunds bringen sich die Folgeläufer schon mal auf Tempo und grätschen dann im (hoffentlich) richtigen Moment ins Rennen, um von ihren Kollegen per Poposchieber losgeschickt zu werden. Das muss man schon in Zeitlupe sehen, um da nicht den Überblick zu verlieren. Besonders im Blick behalten sollten Sie das südkoreanische Team, in der Republik ist Shorttrack so was wie Nationalsport, und natürlich die Chinesen, die vor vier Jahren in Peking Gold holten.
Was machen die Deutschen?
Mit Medaillen rechnen, denn es wird gerodelt. Heute fällt im Einsitzer der Frauen die Entscheidung. Und, man darf das so sagen: Alles außer Gold wäre eine Enttäuschung. Seit 1998 haben sich die deutschen Frauen durchgängig olympisches Gold in dieser Disziplin erfahren, zuletzt dreimal in Folge Natalie Geisenberger. Die ist inzwischen in Rodelrente. Beste Chancen, ihre Nachfolgerin zu werden, hat wohl Julia Taubitz. In drei von sechs Trainingsläufen war sie die Schnellste, und auch bei ihren ersten beiden Läufen gestern sicherte sie sich den ersten Platz. Sehr knapp zwar, aber – und das wird alle deutschen Fans freuen – ihre größte Konkurrentin ist auch eine Deutsche: Merle Fräbel. Kann also kaum was schiefgehen.





















