Autonome Autos und menschliche Kontrolle – Wirtschaft | ABC-Z

„Jede hinreichend fortschrittliche Technik ist nicht von Magie zu unterscheiden“ – hätte der britische Physiker und Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke nicht eine Kurzgeschichte und das darauf basierende Drehbuch zu Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ geschrieben, er wäre auch durch dieses Zitat unsterblich gewesen. Und es ist ja auch so, dass die Menschen sich ganz gerne dem Glauben an etwas Magisches hingeben. Auch wenn eigentlich schnöde Technik dahintersteckt.
Allzu gerne möchte so manche oder mancher etwa glauben, der lang gehegte Traum vom Automobil sei endlich wahr geworden. Auto-Mobil, ein Fahrzeug, das sich nicht bloß ohne Zugtier bewegt, sondern auch nicht mehr auf einen menschlichen Fahrer angewiesen wäre.
Wäre, denn auch wenn es im Marketingsprech gerade aus Kalifornien mitunter etwas anders klingt: So weit ist die Technik noch nicht. Sowohl beim derzeit führenden Anbieter autonomer Taxis, der Google-Tochter Waymo, als auch bei Tesla mögen die Autos zwar scheinbar ohne Fahrer durch die Städte rollen. Im Hintergrund allerdings, irgendwo in einem Billiglohnland, etwa den Philippinen, hält sich ein Mensch bereit, um einzugreifen, falls Auto nicht mehr weiterweiß.
Der Aufschrei, der darüber kürzlich in einigen US-Medien zu vernehmen war, geht allerdings etwas an der Sache vorbei. Denn die Firmen haben das vielleicht nicht hinausposaunt, aber doch transparent darauf hingewiesen, Waymo etwa schon 2024 in einem Blogbeitrag.
Um autonome Taxis gibt es in den USA zurzeit Diskussionen sowie eine Untersuchung durch Bundesbehörden. Vor zwei Wochen hatte ein Waymo-Auto in Santa Monica ein Grundschulkind angefahren und verletzt – jedoch ganz ohne Zutun eines Menschen.
Fehler der Technik werden anders wahrgenommen als die von Menschen
Bei einer Kongressanhörung vor wenigen Tagen in Washington sagte Waymos Sicherheitschef Mauricio Peña, die Autos hätten die Möglichkeit, Hilfe von einem Menschen zu bekommen, wenn sie mit einer Situation nicht zurechtkämen. Das Auto habe aber sozusagen das letzte Wort, die sogenannten Fleet Response Agents steuerten die Fahrzeuge nicht aus der Ferne.
Dem demokratischen Senator Ed Markey gefiel es dennoch gar nicht, dass Menschen irgendwo in Übersee Einfluss auf Autos in den USA haben. Die Sache bringe auch Cyberrisiken mit sich. Und ob denn diese Mitarbeiter etwa auf den Philippinen überhaupt einen US-Führerschein hätten, wollte Markey wissen.
Es wird eben anders wahrgenommen, wenn eine neue Technologie versagt, als wenn Menschen Fehler machen. Die Sache wird dadurch erschwert, dass Maschinen andere Fehler machen als Menschen. Menschen sind unkonzentriert, betrunken, abgelenkt. All das kommt bei Maschinen nicht vor. Fehlfunktionen oder die falsche Interpretation einer Lage können zu Unfällen führen. So donnert dann ein teilautonomes Auto gegen einen weißen Lkw, den es nicht als solchen wahrgenommen hat.
Wie sooft bei neuen Technologien zeigt sich auch hier: Die letzten Prozente, die noch fehlen zur echten Marktreife, können verdammt schwer sein und genauso lang dauern wie der große Rest davor. Beim autonomen Fahren muss die Technik eben mit einer echten Herausforderung zurechtkommen: der Komplexität der Welt.





















