Schizophrenie – Symptome, Ursachen und Behandlung | ABC-Z

Stand: 30.01.2026 17:24 Uhr
| vom
Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die der Psychose zugeordnet wird. Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Form. Typische Symptome sind Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Was hilft?
Schizophrenie ist eine der komplexesten psychischen Erkrankungen überhaupt. Sie beeinflusst Denken, Wahrnehmung und Emotionen so stark, dass Betroffene manchmal die Grenze zwischen innerer und äußerer Realität verlieren. Etwa ein Prozent der Bevölkerung erlebt im Lauf des Lebens mindestens eine schizophrene Episode – das kommt also gar nicht so selten vor, wie viele glauben.
Der Begriff stammt aus dem Griechischen: schízein bedeutet “spalten”, phrēn “Geist”. Das wurde lange so interpretiert, als ginge es um eine “gespaltene Persönlichkeit”. Tatsächlich spalten sich aber keine Identitäten – sondern Wahrnehmungen und Gedankenprozesse weichen von der Realität ab. Betroffene erleben ihre Umwelt anders als gesunde Menschen – Gedanken, Sinneseindrücke und Gefühle können sich verselbstständigen oder unlogisch wirken.
Was passiert bei einer Schizophrenie im Gehirn?
Die genauen Mechanismen sind noch nicht abschließend geklärt, aber Forschende gehen davon aus, dass ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe wie Dopamin und Glutamat eine zentrale Rolle spielt.
Im Gehirn kommt es dadurch zu einer Fehlverarbeitung von Reizen. Bedeutungen werden überbewertet, Zufälliges erscheint plötzlich wichtig oder bedrohlich. Die Grenze zwischen innerem Erleben, Fantasie und äußerer Realität kann verschwimmen.
Bildgebende Verfahren zeigen zudem, dass Nervenzellen-Netzwerke in bestimmten Hirnregionen – etwa im Frontal- und Temporallappen – anders arbeiten als bei gesunden Menschen. Wichtig ist: Eine Schizophrenie ist keine Hirnschädigung, sondern es handelt sich um eine komplexe Funktionsstörung, die unter Behandlung oft deutlich gemildert werden kann.
Meist beginnt die Erkrankung zwischen dem späten Jugendalter und dem frühen Erwachsenenalter, etwa zwischen 18 und 30 Jahren. Männer erkranken oft etwas früher als Frauen. Ein Beginn im Kindesalter oder erst nach dem 40. Lebensalter ist selten, aber möglich.
Schizophrenie – Symptome
Fachleute unterscheiden bei einer Schizophrenie Positiv- und Negativsymptome:
- Positive Symptome: dazu zählen Halluzinationen, Wahnideen, Denkstörungen und Realitätsverkennung
- Negative Symptome: Rückzug, Interessenverlust, Antriebslosigkeit, Sprachverarmung, Gefühlsverarmung oder ein starrer Gesichtsausdruck ohne Mimik, wie ein leerer Blick
Die vier Hauptformen der Schizophrenie
Schizophrenie ist eine Form von Psychose: Mit dem Begriff Psychose werden Zustände bezeichnet, in dem die Wahrnehmung der Realität gestört ist – einer davon ist die Schizophrenie.
Bei ihr wiederum hat man traditionell vier Hauptformen unterschieden – auch wenn sie in neueren Klassifikationen (beispielsweise DSM 5) kaum noch verwendet werden:
- Paranoide Schizophrenie: Das ist die häufigste Form. Wahnvorstellungen (Jemand beobachtet, verfolgt mich) und akustische Halluzinationen (Stimmen hören) stehen im Vordergrund.
- Hebephrene (desorganisierte) Schizophrenie: Gedanken und Sprache wirken verworren, Verhalten bizarr oder kindlich. Typisch ist ein flacher, wenig passender Gesichtsausdruck.
- Katatone Schizophrenie: Bewegungsstörungen dominieren – etwa Starre, unkontrollierte Bewegungen oder Echolalie (Nachsprechen von Worten).
- Undifferenzierte Schizophrenie: Wenn Symptome gemischt oder unspezifisch sind.
Die paranoide Form ist die, die viele mit “klassischer Schizophrenie” verbinden – Stimmen hören, Verfolgungsideen, Misstrauen. Denken und Sprache können logisch klingen, die Inhalte weichen aber stark von der Realität ab. Diese Erlebnisse sind für Betroffene sehr real und oft extrem belastend.
Ursachen – woher kommt die Erkrankung?
Schizophrenie entsteht aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Ein starker Risikofaktor ist die Genetik: Kinder schizophren erkrankter Eltern haben ein deutlich erhöhtes Risiko. Aber: Sie erkranken nicht zwangsläufig. Gene erhöhen also das Risiko, besiegeln aber nicht das Schicksal.
Meist kommen weitere Faktoren hinzu:
- Neurobiologie: Veränderungen in der Signalverarbeitung des Gehirns beeinflussen Wahrnehmung und Denken.
- Psychosoziale Belastung: Stress oder traumatische Erfahrungen können eine schizophrene Episode bei bestehender Anfälligkeit mitauslösen.
- Drogenkonsum, besonders Cannabis in jungen Jahren
Man spricht daher von einem “Vulnerabilitäts-Stress-Modell”: Eine angeborene Anfälligkeit trifft auf äußere Belastung – und beides zusammen führt möglicherweise zur Erkrankung.
Die Diagnose ist komplex
Die Diagnose einer Schizophrenie beruht auf einer psychiatrischen und psychologischen Beurteilung. Einen einfachen Schnelltest gibt es nicht. Ärzte nutzen strukturierte Gespräche, standardisierte Fragebögen und Beobachtungen über längere Zeit.
Ein Arzt oder eine Ärztin führt körperliche und neurologische Untersuchungen durch, um Erkrankungen, die ebenfalls eine Persönlichkeitsveränderung als Symptom haben, wie beispielsweise ein Hirntumor, auszuschließen. Außerdem ist es wichtig bei Halluzinationen oder Wahnvorstellungen eine akute Einwirkung von Rauschmitteln wie beispielsweise Cannabis oder Ectasy auszuschließen.
Zum Diagnosespektrum gehört: Die psychotische Störung muss mindestens vier Wochen vorliegen, um einer Schizophrenie zugeordnet werden zu können.
Veränderung in der Netzhaut der Augen
Forschende haben in der Netzhaut der Augen von Schizophrenie-Patienten und -Patientinnen Veränderungen festgestellt und ordneten diese Risikogenen zu. Das Ergebnis: Je höher das genetische Risiko war, an einer Schizophrenie zu erkranken, desto dünner war die Schicht bestimmter Zellen der Netzhaut – der Amakrinzellen. Für die Diagnose wird diese Erkenntnis nicht herangezogen. Das Ziel der Forschung ist es, gezieltere Behandlungsmethoden daraus zu entwickeln.
Die drei Phasen: Prodromalphase, akute Phase, Residualphase
Eine Schizophrenie verläuft in Wellen. Typisch sind drei Krankheitsphasen:
- Prodromalphase: Sie beginnt oft schleichend. Es zeigen sich erste, oft unspezifische Veränderungen wie sozialer Rückzug oder Reizbarkeit der Betroffenen. Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme können auch frühe Warnzeichen sein.
- Akute Phase: Deutliche psychotische Symptome wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder stark verändertes Denken. Außenstehende bemerken meist hier zum ersten Mal, dass “etwas nicht stimmt”. Es kann zu schweren seelischen Krisen kommen bis hin zu einer Selbsttötungsabsicht.
- Residualphase: Nach der akuten Episode flauen die Symptome ab. Viele Betroffene fühlen sich erschöpft, depressiv, haben Motivations- und Antriebsprobleme, wirken emotional stumpf.
Tritt nach der akuten Phase keine Entspannung ein, sondern bleibt das Vollbild der Schizophrenie bestehen, kann das auf eine Chronifizierung hinweisen.
Behandlung der psychischen Erkrankung
Die Behandlung der Schizophrenie beruht auf mehreren Säulen. Der zentrale Baustein ist eine medikamentöse Therapie mit sogenannten Antipsychotika (Neuroleptika). Sie stabilisieren den Dopaminstoffwechsel, können Halluzinationen und Wahnideen lindern oder verhindern. Moderne Medikamente sind oft besser verträglich als ältere – alle können aber Nebenwirkungen haben.
Begleitend sind eine Psychotherapie, Psychoedukation (Wissensvermittlung über die Krankheit) und soziale Unterstützung. Viele Betroffene können mit der richtigen Betreuung ein stabiles, erfülltes Leben führen.
Umgangssprachlich kursiert noch die Rede vom “Endstadium”: Der Begriff stammt aus älteren Lehrbüchern, ist aber heute missverständlich. Schizophrenie verläuft nicht zwangsläufig fortschreitend hin zu einem unausweichlichen Endstadium. Manche Betroffene erleben Rückfälle, andere bleiben langfristig symptomfrei. Entscheidend ist, Rückfälle früh zu erkennen und zu behandeln.
Eine kontinuierliche Kontrolle ist auch deswegen wichtig, weil bei Schizophrenie-Patienten und Patientinnen das Suizidrisiko erhöht ist: Konservativen Schätzungen zufolge sterben mindestens fünf Prozent der Erkrankten durch Suizid.
Ist eine Schizophrenie heilbar?
“Heilbar” im klassischen Sinn – also dauerhaft verschwunden – ist Schizophrenie nicht, aber gut behandelbar. Manche Betroffene erleben eine einmalige Episode und sind danach stabil. Andere haben wiederkehrende Schübe oder einen chronischeren Verlauf.
Viele Betroffene können mit der richtigen Therapie ein selbstbestimmtes Leben führen, arbeiten, Beziehungen haben und ihre Symptome kontrollieren. Entscheidend sind frühe Hilfe, kontinuierliche Behandlung und sozialer Rückhalt.

























