Französischer Ex-Minister gibt wegen Epstein-Kontakten Kulturamt auf | ABC-Z

Wegen seiner Kontakte zum US-Sexualstraftäter Epstein hat der frühere französische Kulturminister Lang seinen Rücktritt vom Vorsitz eines Kulturinstituts eingereicht. Ihm wird unter anderem Steuerbetrug zur Last gelegt.
In Frankreich hat der Skandal um Jeffrey Epstein personelle Konsequenzen: Der frühere französische Kultur- und Bildungsminister Jack Lang tritt vom Vorsitz in einem Kulturinstitut zurück. In einem Brief an Außenminister Jean-Noël Barrot bot Lang an, sein Amt als Präsident des renommierten “Institut du monde arabe” abzugeben.
Barrot teilte mit, er nehme diesen Rücktritt zur Kenntnis und werde das Verfahren zur Nachfolge an der Spitze des Instituts in Gang setzen. Auch aus dem Elysée-Palast wurde der Schritt bestätigt. Das zeigt, wie groß der Druck auf den 86-jährigen Lang zuletzt gewesen ist. Lang wurde für Sonntag ins Außenministerium zitiert.
Enge Beziehung zu Epstein
Sein Name taucht über 800 Mal in den Epstein-Akten auf. Langs Familie hatte offenbar eine sehr enge Beziehung zum amerikanischen Multimillionär und Sexualstraftäter, auch finanziell.
Am Freitag hatte die französische Finanzstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Lang und seine Tochter Caroline aufgenommen. Es geht um den Verdacht auf Geldwäsche und schweren Steuerbetrug. Gegenstand der Ermittlungen ist unter anderem eine Offshore-Firma, die Caroline Lang gemeinsam mit Epstein gegründet hatte.
“Ich habe eine reine Weste”
Den Rückzug von der Spitze des “Institut du monde arabe” will Jack Lang jedoch nicht als Schuldgeständnis verstanden wissen. Er habe eine reine Weste, so Lang, und hoffe auf schnelle Ergebnisse aller Ermittlungen, um seine Unschuld zu beweisen. Sein Anwalt Laurent Merlet sagte dem Sender BFM TV, es habe keine Geldflüsse gegeben. Langs Tochter Caroline war am Montag bereits als Chefin eines Produzentenverbandes zurückgetreten.
Jack Lang war Minister unter dem ehemaligen Präsidenten François Mitterrand in den 1980er- und 1990er-Jahren und rief unter anderem die “Fête de la Musique” ins Leben. Seit 2013 stand er an der Spitze des “Institut du monde arabe”.
Epstein-Akten ziehen weite Kreise
Nach der jüngsten Veröffentlichung von Dokumenten zum Fall Epstein sind auch andere ehemalige europäische Regierungsvertreter wegen finanzieller Verflechtungen mit dem Sexualstraftäter ins Visier der Behörden geraten. Fast täglich kommen neue Details über Politiker, Unternehmer und Adelige ans Licht.
Gegen den früheren Botschafter Großbritanniens in den USA, Peter Mandelson, laufen Ermittlungen, weil er während der Finanzkrise sensible Informationen an Epstein weitergegeben haben soll.
Mit Informationen von Cai Rienäcker, ARD-Studio Paris
Was sind die Epstein-Files?
Die sogenannten Epstein-Files bezeichnen eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Zeugenaussagen und Gerichtsunterlagen rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der US-Multimillionär soll über Jahre hinweg ein Netzwerk zum sexuellen Missbrauch junger Frauen und Minderjähriger aufgebaut haben. Epstein wurde 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.
Im Mittelpunkt der Epstein-Files stehen Gerichtsakten aus Zivilprozessen, vor allem aus einem Verfahren der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell, die 2021 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch verurteilt wurde. Viele dieser Unterlagen waren lange unter Verschluss. Anfang 2024 ordnete ein US-Gericht an, zahlreiche Dokumente öffentlich zugänglich zu machen. Es folgten weitere Veröffentlichungen.
Die Akten enthalten unter anderem Aussagen von Opfern und Zeugen, E-Mails, Fotos, Videos sowie Namen von Personen, die mit Epstein in Kontakt standen. Darunter finden sich Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die bloße Nennung eines Namens bedeutet keine Schuld. Zahlreiche Personen werden lediglich erwähnt, ohne dass ihnen strafbares Verhalten vorgeworfen wird.
Die Akten belegen, wie weitreichend Epsteins Kontakte waren und wie er offenbar seinen Reichtum und Einfluss nutzte, um sich und andere Beteiligte zu schützen. Zugleich zeigen sie, dass Justizbehörden schon früh Hinweise auf mögliche Straftaten Epsteins hatten. So meldeten sich bereits Anfang der 2000er-Jahre mehrere junge Frauen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, ohne, dass es zu einer umfassenden Strafverfolgung kam. Eine vollständige Aufarbeitung steht bis heute aus.





















