Monatelange Streckensperrungen bei der Bahn in Bayern und in NRW | ABC-Z

Die Bahn nennt es einen “echten Kraftakt”. Zwei wichtige Strecken in Nordrhein-Westfalen und Bayern werden generalsaniert und sind deshalb gesperrt. Fahrgäste müssen auf Busse umsteigen, im Fernverkehr gibt es Umleitungen.
Die Deutsche Bahn hat mit den nächsten Großbaustellen begonnen: Die Strecke zwischen Köln über Leverkusen, Solingen und Wuppertal nach Hagen soll mit neuen Bahnhöfen, Weichen und Gleisen fit für die Zukunft gemacht werden. Für Pendler heißt das: Vollsperrung, längere Fahrtzeiten und Schienenersatzverkehr mit Bussen. Bis zum 10. Juli sollen die Arbeiten dauern. Das sind gut 22 Wochen. Die Sperrung begann nach Angaben der Deutschen Bahn am Freitagabend wie geplant um 21.00 Uhr.
Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der für die Infrastruktur zuständige Bahn-Tochter DB InfraGO, erklärte dazu mit Blick auf die Generalsanierung in NRW: “Ein besonderes Augenmerk legen wir zudem auf zwölf Bahnhöfe entlang der Strecke. Fahrgäste können sich hier künftig auf moderne und attraktive Stationen freuen. Klar ist auch: Diese Sanierung wird ein echter Kraftakt – sowohl für unsere Bauteams als auch für die betroffenen Reisenden, Anwohnenden und Unternehmen.”
Welche Verbindungen gibt es noch?
Umleitungen gibt es bei ICE- und IC-Zügen im Fernverkehr. Sie werden zwischen Köln und Hamm (Westfalen) großräumig über Düsseldorf und das Ruhrgebiet umgeleitet. Deshalb verlängern sich hier die Fahrzeiten.
Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen bat die Menschen um Verständnis: “Die Generalsanierungen sind notwendig, um lange aufgeschobene Modernisierungen nachzuholen und in die Zukunft zu investieren. Das verlangt den Menschen in Nordrhein-Westfalen gerade sehr viel Flexibilität und Geduld ab, aber auch die Aussicht auf Verbesserungen. Sie alle sollen am Ende spürbar mehr Qualität, Kapazität und Verlässlichkeit erhalten”, so der Grünen-Politiker.
Generalsanierung auch in Bayern
Auch die Bahnstrecke zwischen Regensburg und Nürnberg – eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Bayern – steht seit diesem Freitag still: ebenfalls bis zum 10. Juli wird die Strecke für rund fünf Monate komplett für den Bahnverkehr gesperrt. Am Abend fuhren die vorerst letzten Regionalzüge. Die Komplettsperrung hat für Reisende erheblich längere Fahrzeiten im Schienenersatzverkehr (SEV) zur Folge: Sie müssen mit dem Expressbus, der ohne Halt zwischen Regensburg und Nürnberg verkehren wird, laut DB Navigator mit einer Fahrzeit von 1:45 Stunden statt 59 Minuten rechnen.
Ein Schild weist auf den Ersatzverkehr bei der bevorstehenden Streckensperrung am Nürnberger Hauptbahnhof hin.
Die erste von mehreren Großbaustellen
Grund ist eine umfangreiche Generalsanierung mit dem Ziel, die Infrastruktur langfristig robuster, zuverlässiger und zukunftsfähig zu machen. Die Generalsanierung der Strecke Nürnberg – Regensburg ist die erste von sieben geplanten Großbaustellen der Bahn im Freistaat. Die Strecke gehört mit über 350 Zügen täglich zu den verkehrsreichsten Strecken in Bayern. Zudem ist sie ein wichtiger Bestandteil der europäischen Verkehrsachse Rhein – Donau.
In den ersten zwölf Wochen werden laut Angaben der DB rund 2.000 Bauarbeiter gleichzeitig an der Strecke arbeiten. Unter anderem werden etwa 80 Kilometer Gleise und Oberleitungen sowie rund 40 Weichen erneuert. Für die Deutsche Bahn sind es nach der Generalsanierung auf der wichtigen Strecke zwischen Hamburg und Berlin, die im vergangenen August gestartet war, zwei weitere Projekte.
Ausbau der Bahnhöfe
Gleichzeitig liegt ein weiterer Schwerpunkt auf dem Ausbau der Bahnhöfe: Die betroffenen Haltestellen sollen alle nach modernen Standards neu gestaltet und barrierefrei ausgebaut werden. Hierzu gehören unter anderem neue Aufzüge, neue Fußgängerunterführungen, moderne Reiseanzeigentafeln sowie verbesserte Aufenthaltsqualität. Die Kosten für die Generalsanierung liegen laut DB alleine in Bayern bei 1,4 Milliarden Euro.
Sanierungen gehen weiter
Die Generalsanierung der Strecke Nürnberg–Regensburg ist Teil eines großen Schienenmordernisierungsprogramms in Deutschland, bei dem in den kommenden Jahren zahlreiche stark befahrene Bahnstrecken erneuert werden sollen. Dazu gehören unter anderem auch die Neubaustrecke zwischen Mannheim und Frankfurt sowie eine leistungsfähigere Strecke auf der wichtigen Achse zwischen Hamburg und Hannover. Dafür wird die Strecke aber zunächst einmal ab Mai für fast drei Monate gesperrt – und vermutlich dann für viel Frust bei Bahnreisenden sorgen wird.
Generalsanierungen bei der Bahn
Die Generalsanierung viel befahrener, aber überalterter Bahnstrecken wird sich noch deutlich länger hinziehen als ursprünglich geplant. Eigentlich sollten alle Sanierungen bis 2031 beendet sein. Die Bahn hat sich nun mit dem Bund auf einen neuen Zeitplan und die Reihenfolge der geplanten 42 Korridore im sogenannten Hochleistungsnetz geeinigt, wie der Konzern mitteilte. Demnach wird die letzte Sanierung der Strecke Flensburg-Hamburg erst 2036 durchgeführt. 2026 sollen planmäßig die Generalsanierungen der Korridore Hagen-Wuppertal-Köln, Nürnberg-Regensburg, Obertraubling-Passau, Troisdorf-Unkel/Unkel-Wiesbaden durchgeführt werden. Für das Jahr 2027 ist die gebündelte Erneuerung und Modernisierung der Korridore Rosenheim-Salzburg, Lehrte-Berlin, Bremerhaven-Bremen und Fulda-Hanau vorgesehen, heißt es von der Deutschen Bahn. Geplant sind nach derzeitigem Stand ein Investitionsvolumen von 107 Mrd. Euro für das gesamte Projekt Generalsanierung.





















