Stil

Grammy-Outfits: Shaboozeys Jeans und Sakko-Kombination – Stil | ABC-Z

Für sie: Schluss mit lustig

Schönheitsideale ändern sich jetzt schneller denn je. Es scheint erst vorgestern gewesen zu sein, dass man dick und total positiv dabei sein musste, oder durchtrainiert und total gesund. Gerade mal gestern hieß die neue Devise dann wieder dünn, weil alle wegen Ozempic und Co. nur noch pickten wie Vögelchen, dabei aber ständig von Proteinen und Avocados faselten. Aber dann passierten die Grammys. Der superschicke, weil todernst poetische Designer Haider Ackermann, Kreativspitze des Glamour-Spezialisten Tom Ford, kleidete dabei Teyana Taylor ein, und zwar offensichtlich mit der Absicht, ihre durchtrainierte Körpermitte in Szene zu setzen.

(Foto: Amy Sussman/Getty Images)

Das Kleid greift sozusagen von oben nach den Brüsten und lässt nach unten hin vieles offen. Der Waschbrettbrauch, mit dem man Frauen seit circa 2008 in Ruhe gelassen hatte, weil Michelle Obama den durchtrainierten Oberarm zum Körperteil der Begierde machte, ist also wieder auf dem Tisch. Taylor, die für ihren nervigen Charakter im Kinohit „One Battle After Another“ gerade einen Golden Globe gewonnen hat, ist so drahtig, wie es ihre leicht aggressive Energie schon im Film vermuten lässt. Früher war ja mal die spindeldürre, ätherisch anmutende Tilda Swinton Haider Ackermanns Muse, die lächelt aber jetzt regelmäßig friedlich in Chanel in die Kameras. Die athletische Teyana Taylor hingegen lächelt einfach gar nicht und wirkt jederzeit so, als würde sie gleich einem Mann in die Fresse hauen. Eine Energie, die im wahren Leben nicht funktioniert, in diesem Kleid allerdings perfekt.

Für ihn: Halbe Sache

Es gab bei der diesjährigen Grammy-Verleihung sicherlich noch ein paar interessantere Outfits, trotzdem wollen wir diese Kombination des Country-Musikers Shaboozey herausgreifen. Warum? Weil sein Look eine Frage thematisiert, die viele Männer oft vor dem Kleiderschrank beschäftigt: Kann ich nicht doch einfach Jeans dazu anziehen? Tatsächlich ist die Jeans für viele ja nicht nur die Grundeinstellung, sondern eben auch ein entscheidender Wohlfühl- und Sicherheitsfaktor. Wer nur selten zu Anzug-, Stoff- oder Bügelfaltenhose greift, fühlt sich bei Abendterminen oder feierlichen Anlässen darin oft ein wenig falsch oder sogar unwohl und hat Probleme, Schuhe und Accessoires darauf abzustimmen.

(Foto: Amy Sussman/Getty Images)

Deshalb liebäugeln viele mit einer Sakko-Jeans-Kombi oder eben einem halben Anzug: Obenrum Business bis elegant, untenrum casual bis bequem. Diese Hybridform wird heute bei vielen Veranstaltungen geduldet und kann bisweilen gut aussehen, so wie in dieser Extremform: obenrum toller Smoking, untenrum Cowboy. Der Reiz entsteht aus dem Kontrast von edel und Jeans, der aufregender wirkt, als wenn eine normale Smokinghose kombiniert worden wäre. Trotzdem geht der Look im Alltag leicht schief, denn oft sehen Jeans und Schuhe abgenutzt und schlampig aus, weil sie eben aus dem Alltagstrott kommen. Das aber reißt dann das beste Sakko mit nach unten. Der Witz geht nur mit einer tadellosen, nahezu neuen Jeans auf, nicht ausgebeult, nicht abgetreten, nicht verwaschen und nicht direkt vom Wäscheständer. Und bei den Schuhen ist es ratsam, sich eher am Sakko zu orientieren als an der Jeans. Also: saubere Leder- statt schief gelaufener Turnschuhe. Merkregel: Die Jeans ist zu Besuch in der Abendgarderobe – nicht umgekehrt.

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