Gesundheit

Frankreich schickt an alle 29-Jährigen Briefe gegen die Unfruchtbarkeit |ABC-Z

Mehr Kinder braucht das Land, findet der französische Präsident und hat seine Regierung einen Plan zur Bekämpfung der Unfruchtbarkeit vorlegen lassen. Das Maßnahmenpaket ist Teil der „demographischen Wiederaufrüstung“, die Emmanuel Macron schon seit Längerem angemahnt hat. Die Geburtenzahlen sind in Frankreich ähnlich wie in Deutschland rückläufig, was auch auf die zunehmende Zahl ungewollt kinderloser Paare zurückzuführen ist.

In etwa jedem zweiten Fall liegt es am Mann, wenn sich ein Schwangerschaftswunsch nicht erfüllt. Die sinkende männliche Fruchtbarkeit bleibt in Frankreich, dessen Film- und Romanindustrie gern das Ideal des potenten Liebhabers feiert, ein heikles Thema. Deshalb sollen jetzt alle Franzosen im Alter von 29 Jahren einen Brief erhalten, in dem sie über Fragen der Unfruchtbarkeit und Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin aufgeklärt werden. Das sei längst überfällig, hat Gesundheitsministerin Stéphanie Rist bei der Vorstellung des Plans gesagt.

Sich früher medizinischen Rat holen

Jedes achte Paar ist laut Rist von Schwierigkeiten betroffen, seinen Kinderwunsch zu erfüllen. Ihr Ministerium spricht von 3,3 Millionen betroffenen Menschen. Es gehe nicht darum, den Franzosen in ihr Privatleben hereinzureden. Wenn ein Paar ein Kind will, sagte Rist, „verbringt es seine Zeit nicht damit, sich Grafiken zur Bevölkerungsentwicklung anzusehen“. Aber bei vielen würde es lange dauern, bis sie medizinischen Rat in Anspruch nähmen. „Niemand soll mehr bedauernd sagen müssen, hätte ich doch nur gewusst, welche Lösungen es gibt“, sagte Rist.

Der Plan zum Kampf gegen die Unfruchtbarkeit sieht insgesamt 16 Maßnahmen vor. Dazu zählt neben der besseren Aufklärung durch die Briefkampagne, die im Sommer anläuft, die bessere Diagnose der Unfruchtbarkeit. Betroffene Paare sollen schneller qualifizierte medizinische Unterstützung in Anspruch nehmen können. Lange Zeit vernachlässigte Krankheiten wie die Endometriose und das polyzystische Ovarialsyndrom, die zu Unfruchtbarkeit führen können, sollen besser behandelt werden.

Frankreich will 30 neue Zentren für das Einfrieren von Eizellen begründen, die zu den bereits bestehenden 40 hinzukommen. Das französische Bioethik-Gesetz erlaubt es seit 2021 Frauen im Alter von 29 bis 37 Jahren auch ohne medizinischen Grund, ihre Eizellen einzufrieren. Doch in der Praxis ist der kostenlose Zugang mit langen Wartezeiten verbunden, im Durchschnitt ein bis zwei Jahre. Viele Krankenhäuser lehnen Patientinnen aufgrund der hohen Nachfrage ab. Deshalb sollen fortan auch private Einrichtungen zur Konservierung der Eizellen ermächtigt werden. Sie müssen sich allerdings verpflichten, die Leistung kostenlos anzubieten.

In Frankreich sitzt der Schock über das Ende des Geburtenwunders tief. 2025 war die Zahl der Todesfälle zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs höher als die der Geburten. Im vergangenen Jahr kamen in Frankreich 645.000 Babys auf die Welt, das sind 24 Prozent weniger als 2010, dem Jahr des letzten Geburtenhochs. Zugleich wurden 651.000 Todesfälle 2025 registriert. In Deutschland sind die Zahlen für 2025 noch nicht bekannt gegeben worden. Das Statistische Bundesamt rechnet laut einer kürzlich veröffentlichten Schätzung mit 640.000 bis 660.000 Geborenen. Dem stehen gut eine Million Verstorbene gegenüber.

Back to top button