Podiumsdiskussion: Großes Interesse an den Münsinger Bürgermeisterkandidaten – Bad Tölz-Wolfratshausen | ABC-Z

Erstmals seit vielen Jahren treten in Münsing gleich drei Bewerber mit Chancen auf den Chefsessel im Rathaus an, auch weil der Amtsbonus fehlt. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) zieht sich nach 21 Jahren zurück. Bei einer vom Katholischen Frauenbund Münsing organisierten Podiumsdiskussion blieben größere Kontroversen allerdings aus. Sogar in der Kleidung schien sich das Trio – eine Frau und zwei Männer – auf einen bestimmten Stilmix verständigt zu haben.
Zumindest wirkte es so. Hubert Bernwieser (Wählergruppe Münsing, 46) und Manuel Seltier (parteifrei für die CSU, 48) trugen Haferlschuhe, Jeans, Trachtenhemden und Westen. Bernadette Felsch (Grüne, 52) erschien im dunkelblauen Dirndl mit grüner Schürze und schwarzen Stiefeln. Ein Zeichen, um traditionsbewusste Wähler anzusprechen, aber die vielen Zugezogenen in der Kommune durch bewussten Stilbruch (Jeans, Stiefel) nicht zu vergessen?
Die Ausgangslage: Seltier ist Polizeihauptkommissar und Diplom-Verwaltungswirt. Er ist in Wolfratshausen aufgewachsen, wohnt aber seit 2011 im Münsinger Ortsteil Degerndorf. Bernwieser leitet in der Stadt Wolfratshausen das Referat für Bürgerservice, ist in Münsing aufgewachsen und in Vereinen fest verwurzelt. Felsch stammt aus Münsing, absolvierte eine Ausbildung zur Reisekauffrau, studierte in Hof Recht und Verwaltung sowie Politikwissenschaften in München. Die Oberverwaltungsrätin arbeitet seit 24 Jahren für die Landeshauptstadt tätig, unter anderem als Referentin in Bürgermeisterbüros.
Auf Nachfrage nach Einsparpotenzial wegen klammer Finanzen traten die beiden Männer dafür ein, sich auf Pflichtaufgaben zu konzentrieren. „Nice to have wird nicht drin sein“, unterstrich Bernwieser. Felsch plädierte dafür, neue Einnahmequellen zu erschließen, aus denen die Gemeinde Gewinn erzielen könnte. Sie nannte etwa die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft, um bezahlbare Wohnungen vermieten zu können, oder die Gemeinde Fuchstal im Schwarzwald. Die produziere mehr grünen Strom, als verbraucht werde.
Für Gewerbe wollen die Kandidaten eine maßvolle Entwicklung
Was die Entwicklung von Gewerbegebieten betrifft, traten alle drei Kandidaten für eine maßvolle Entwicklung für heimische Betriebe etwa durch Erweiterungen am Schlichtfeld ein. Felsch lehnte allerdings ein Allerwelts-Gewerbegebiet an der Autobahn ab. Laut Seltier müsse ein Gewerbegebiet allerdings so platziert sein, dass der Verkehr die Orte in Münsing möglichst wenig belaste. „Wenn dann an der Autobahn“, sagte der Polizeihauptkommissar.
Der Straßenverkehr zählt zu den am meisten diskutierten Themen in der Kommune. So stehen etwa ein Tempo-30-Limit auf der Münsinger Hauptstraße und ein Zebrastreifen für die Schulwegsicherheit kurz vor einer möglichen Umsetzung. Offen bleibt jedoch das Problem des Schwerlastverkehrs am sogenannten Bäckereck – dem 90-Grad-Abzweig der Degerndorfer von der Münsinger Hauptstraße.
Extra-Ausfahrt an der Autobahn
„Eine sehr gute Lösung wäre eine Extra-Ausfahrt bei der Futtertrocknungsanlage an der A95“, sagte Felsch. Darüber müsse die Gemeinde mit der Autobahn GmbH reden, um den Schwerlastverkehr aus dem Dorf zu halten. Bernwieser plädierte dagegen dafür, die Ergebnisse des ausstehenden Verkehrsgutachtens für die Degerndorfer Straße zwecks Lösungsansätzen abzuwarten. Sowohl er als auch Seltier zeigten sich skeptisch, eine Autobahnausfahrt durchsetzen zu können. Als kleine Lösung hielt der CSU-Kandidat eine Umleitung des Schwerverkehrs über die Holzhauser Straße mit der bestehenden Ampel und eine Verbindung zur Degerndorfer Straße für diskutabel.
Um rücksichtslose Radfahrer auf der Seestraße auszubremsen, brachten alle drei Kandidaten bauliche Veränderungen oder Farbmarkierungen ins Spiel. Die Idee von Felsch, Autofahrer statt der Seestraßengenehmigung in Papierform mit Kameras auf ihre Durchfahrtsberechtigung zu kontrollieren, lehnte Seltier vehement ab. Das gehe nicht, sagte er.
Alle drei Kandidierenden bekannten sich zur Energiewende und sprechen sich etwa für ein durchgehendes Radwegenetz in der Kommune aus. Beim von der katholischen Kirche betriebenen Kindergarten in Holzhausen unterstützten Seltier und Bernwieser ausdrücklich sowohl den Standort als auch die Finanzierung. Felsch kündigte dagegen an, sich die Standortfrage genau prüfen zu wollen. Wenn der Bedarf im Hauptort Münsing – dort soll das frühere Rathaus für Kinderbetreuung umgebaut werden – gedeckt sei, müsse man klären, in welchem Umfang ein weiterer Standort in Holzhausen tatsächlich notwendig sei.





















