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Germering: Gebäude im Zentrum verfallen, weil Stadt und Investor uneinig sind – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Rock Capital, ein Projektentwickler und Vermögensverwalter aus Grünwald, hat im Jahr 2016 ein 13 500 Quadratmeter großes Gewerbeobjekt von der Bayerischen Versorgungskammer ganz in der Nähe der Germeringer Stadthalle gekauft. Zwei Jahre später hieß es, dass die Gebäude der sogenannten „Germeringer Harfe“ abgerissen werden sollen. Viele Mieter sind seitdem ausgezogen. Doch zu einem Abriss ist es bis heute nicht gekommen. Die Verhandlungen zwischen Firma und Stadt über eine Bebauung, die Gewerbe und Wohnen vorsieht, sind nicht erfolgreich gewesen. Sie ziehen sich seit etwa acht Jahren hin. Nun muss der neue Stadtrat entscheiden. Eine Option ist der Kauf des Areals durch die Stadt.

Mit der Kritik, die vom Investor gewünschte Bebauung sei „zu hoch und zu dicht“, verweigerte sich der Stadtrat bisher dem Anliegen des Eigentümers. Dazu kommen Bedenken der Stadt, dass eine Wohnbebauung am Rand des Stadthallenplatzes aus Lärmschutzgründen kaum noch Festivitäten wie den Christkindlmarkt oder das Stadtfest zuließen, weil mit Klagen von Anwohnern gerechnet werden müsste.

Gewerbemieter gesucht: Anzeige an der Fassade eines Gebäudes. (Foto: Johannes Simon)

„Wir stehen nach wie vor zu diesem Projekt“, sagt Stephan Rothenburg, Abteilungsleiter Projektentwicklung bei Rock Capital. Er will keinen Zweifel an der Bebauung des Areals aufkommen lassen. Das Unternehmen beruft sich auf seinen „Erfahrungsschatz seit 20 Jahren“ mit Bauprojekten in München und Umgebung. So baute man unter anderem das sogenannte „Skygate“ in Hallbergmoos mit 40 000 Quadratmetern Büro- und Laborflächen sowie einer Hotelnutzung oder das „Heads“ in Aschheim mit rund 42 000 Quadratmetern für Büro, Kita und Gastronomie.

Warum soll ein Gebäudekomplex nach nur 30 Jahren überhaupt abgerissen werden? „Einzelne Flächen im Erdgeschoss waren wegen ihres schwierigen Zuschnitts noch nie vermietet“, sagt Rothenburg, „dazu sind die Obergeschosse zu großen Teilen nur über die zwei Innenhöfe zu erreichen.“ Ein Umbau der „Harfe“, benannt nach dem Anblick aus der Vogelperspektive, sei im Bestand nicht möglich gewesen, deshalb kam schnell die Idee auf, einen Neubau zu errichten.

„Weg von der reinen gewerblichen Nutzung, also auch Wohnen zu ermöglichen“, sagt Thomas Beer, der das Projekt in Germering für Rock Capital leitet. Natürlich sollte sich der Neubau lohnen. Eine Machbarkeitsstudie stammt bereits aus dem Jahr 2018. Einen Anteil von 40 Prozent Wohnen hatte das Unternehmen in seiner Planung angepeilt. „Darunter auch 40 Wohnungen mietpreisgedämmt“, bekräftigt Beer. Mit der Mischung aus Wohnen und Gewerbe versprach sich der Investor eine Belebung des Areals nach dem Schließen der Geschäfte am Abend. Beer versichert: „Das war doch bei reiner gewerblichen Nutzung ab 18 Uhr tot.“ Die Wohnungen sollten vorrangig zur Stadthalle, also zum Stadthallenplatz und zum bestehenden Kindergarten hin entstehen.

2018 votierte der Stadtrat einstimmig für den Bebauungsplan. Ein städtebaulicher Vertrag mit der Stadt Germering sollte ausgehandelt werden. Darin ist zu regeln, wer welche Lasten, zum Beispiel die Erschließungskosten, übernimmt. Das zog sich hin. Auch mit dem 2020 neu gewählten Stadtrat kam keine Einigung zustande. Plötzlich debattierten die Kommunalpolitiker wieder grundsätzlich über die Planungen des Investors. Der legte Anfang 2025 einen neuen Plan mit weniger Geschossfläche und Wandhöhe vor. Doch der gefiel den Stadtratsfraktionen nicht.

Hinterm Bauzaun: Teile der Gewerbeflächen stehen bereits leer. Stadt und Investor können sich aber nicht einigen, was mit den Gebäuden im Stadtzentrum geschehen soll.
Hinterm Bauzaun: Teile der Gewerbeflächen stehen bereits leer. Stadt und Investor können sich aber nicht einigen, was mit den Gebäuden im Stadtzentrum geschehen soll. (Foto: Johannes Simon)

Gleichzeitig zogen immer mehr Mieter aus, was die Einnahmen von Rock Capital natürlich schmälerte. Zwischenzeitlich überlegte der Stadtrat, ob die Stadt den Gebäudekomplex kaufen könnte, um dort ein neues Rathaus zu bauen, weil dies am bisherigen Standort zu klein geworden ist. „Das hören wir uns mal an“, erinnert sich Stephan Rothenburg an die „Kaufidee der Stadt“.

Zu einer Einigung über einen möglichen Preis kam es aber nicht. „Die Forderung von Rock Capital war finanziell utopisch gewesen“, sagt Daniel Liebetruth, Oberbürgermeisterkandidat der SPD. Liebetruth plädiert weiterhin für den Kauf des Areals, um dort ein neues Rathaus zu platzieren. „Das haben wir in unserem Wahlprogramm stehen“, bekräftigt er. Damit wäre auch ein Abriss des Gebäudekomplexes zu verhindern. „Das Gebäude wäre so nutzbar. Von den Flächen kommt man hin“, sagt Liebetruth überzeugt. Und die Stadt wäre Vermieter der Ladenflächen im Erdgeschoss.

OB-Kandidat Hannes Kirmair spricht von „Ghetto-Charakter“

Auch Hannes Kirmair, OB-Kandidat der CSU, könnte sich ein dort ein Rathaus vorstellen. „Ich bin an einer guten Lösung interessiert“, sagt er nachdrücklich. „Das Konzept muss aber durchdacht sein und kein Bumerang werden.“ Er will die kommende CSU-Fraktion im Stadtrat in die Entscheidung einbeziehen. Momentan ist der Anblick des Betonensembles wenig einladend. Mit Bauzäunen und anderen Sicherungsmaßnahmen hat Rock Capital jetzt Schutzmaßnahmen vor Vandalismus ergriffen. „Das hat jetzt Ghetto-Charakter“, kritisiert Kirmair heftig.

Anfang 2023 habe man das Gebäude „im Vertrauen auf baldiges Baurecht aktiv entmietet“, sagt Rothenburg. Auch Vertragsauflösungszahlungen habe es für einige gewerbliche Mieter gegeben. Heute sind noch 30 Prozent der Flächen in den Gebäuden vermietet, teilt der Investor mit. Dazu gehört auch die Volkshochschule. Bis Ende 2027, so die Vereinbarung mit Rock Capital, können die Mieter dort bleiben. „Wir hoffen auf den neuen Stadtrat“, erklärt Thomas Beer für Rock Capital. So richtig zuversichtlich klingt das nicht.

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