Olympische Winterspiele in Italien beginnen | ABC-Z

Heute ist es in Italien soweit: Die Olympischen Winterspiele werden eröffnet. Erste Wettkämpfe gab es schon vor der offiziellen Eröffnung – die Olympia-Stimmung lässt noch teils auf sich warten.
Mit aller Kraft versuchen die deutschen Eishockey-Fans ihr Team gegen Schweden anzufeuern und ein bisschen Stimmung zu machen. Die Rahmenbedingungen sind denkbar schlecht – die Schwedinnen liegen quasi uneinholbar vorne. Das Stadion ist eine provisorisch umgebaute Messehalle mit Eisfläche und die Zuschauerränge sind halb leer. Am Ende reicht es nicht: Das deutsche Team verliert am Donnerstag sein erstes Spiel.
Olympia hat eigentlich auch noch gar nicht offiziell angefangen, aber die ersten Wettkämpfe müssen schon vor der Eröffnung heute starten. Der Zeitplan ist eng, das Turnier der Eishockeyfrauen würde sonst nicht rechtzeitig zum Ende der Spiele fertigwerden.
Zwischen Begeisterung und Enttäuschung
Eine Gruppe Volunteers aus Deutschland ist auch im Stadion. Eigentlich helfen sie als Freiwillige bei anderen Wettbewerben mit, diesmal sind sie als Zuschauerinnen da. Bei ihnen ist die Olympia-Stimmung definitiv schon da. “Also es könnten schon ein bisschen mehr Zuschauer sein”, sagt eine von ihnen. “Aber wir sind total begeistert.”
Tobias und Thomas aus Berlin, beide im Eishockey-Trikot, hatten sich mehr erhofft von ihrem Olympia-Erlebnis. “Wir sind ehrlich gesagt vom Großen und Ganzen eher enttäuscht als erfreut”, sagt einer der beiden. Noch sei die Stimmung gedämpft – “aber es ist jetzt auch erst das erste Spiel”.
Zurückhaltung bei den Mailändern
Nicht nur im Eisstadion an der Mailänder Messe, auch im Rest der Stadt ist von Olympia-Stimmung noch nicht allzu viel zu spüren. Am Bahnhof hängt Olympia-Werbung, in der Metro sind Hinweisschilder – aber man kann auch ganz gut durch Mailand ziehen, ohne auf Olympia zu stoßen. Wenn nicht gerade wieder mal irgendwelche Straßen oder Plätze abgesperrt sind, etwa beim Fackellauf oder den Vorbereitungen zur Eröffnungsfeier.
Die Mailänderinnen und Mailänder sind großveranstaltungserprobt. Aber viele, mit denen man spricht, sind nicht enthusiastisch, dass Olympia in ihrer Stadt ist – anders als Pietro. Viele beschwerten sich wegen der Umwelt, sagt er. “Ich bin sehr zufrieden. Die Spiele schaffen viele Arbeitsplätze, es ist was los hier, sie bringen viele Touristen.” Mailänderin Maria Pia ist zwiegespalten: “Die Stadt wird komplett lahmgelegt. Aber der Versuch international zu werden, ist ja erst mal nicht schlecht.”
“Verstreute” Spiele
Dass Mailand, dass Italien, nicht bereit für diese Spiele ist – diese Befürchtung gab es schon im Vorfeld, als klar war, dass sich der Bau einiger Spielstätten verzögern würde. Am Ende ist alles fertig geworden, die Bobbahn in Cortina und auch die Arena Santagiulia, die andere, größere Eishockeyhalle in Mailand – mehr oder weniger. In der Eishockeyhalle kann zwar gespielt werden, sie wirkt aber noch wie eine Baustelle. Auch der Sessellift zur Bobbahn ist noch nicht in Betrieb.
Von den vielen Straßen in Norditalien, die für Olympia gebaut oder ausgebaut werden sollten, ganz zu schweigen. Das ist deswegen besonders schwierig, weil bei den “Giochi diffusi”, also den “verstreuten” Spielen, von Mailand und Cortina teilweise bis zu fünf Stunden Fahrt zwischen den vielen Wettkampforten liegen. Erstmals in der Geschichte werden auch zwei olympische Feuer entzündet: eines in Cortina, eines in Mailand.
“Mailand hat den Enthusiasmus”
Für den Mailänder Journalisten Beppe Severgnini, der schon von vielen Spielen berichtet hat, ist seine Heimatstadt trotz allem keine schlechte Wahl als Austragungsort. “Dass Mailand die Olympischen Winterspiele ausrichtet, ist eine ungewohnte Kombination. Mailand hat zwar Berge, aber die sind weit weg am Horizont. Es hat keine Aufstiege und Abfahrten, die für viele Wintersportarten fundamental sind”, sagt er. Aber man habe unter anderem eine große Eissporthalle gebaut. “Und Mailand hat den Willen und den Enthusiasmus und vielleicht auch die finanziellen Mittel, um das alles zu stemmen.”
Ob dazu auch Olympia-Stimmung und der olympische Geist aufkommen kann, das muss sich noch zeigen. Aber vielleicht ist es wie so oft bei Großveranstaltungen in Italien: Wenn die Eröffnungsfeier in Mailand und Cortina zum Erfolg wird, wenn dann noch der erste Sieg für Italien kommt – spätestens dann kommt auch die Stimmung.






















