Bezirke

Fürstenfeldbruck: Öffentlicher Holzofen zum Pizzabacken erstmals genutzt – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Es wirkt fast, als habe sich da der Fürstenfeldbrucker Hardcore-Raucherklub am Stammtisch zusammengefunden. Über den Bänken und den ins flackernde Licht der Kerzen getauchten Tischen hängen weiße Wolken. In dem kleinen Biergarten hinter der Stadtbücherei Aumühle qualmt an diesem Samstagabend aber nur einer: der Lehmofen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist es der Atem der Gästeschar, der zu weißen Wolken kondensiert.

Eingeladen sind zur offiziellen Premiere des Projekts „Brucker Ofen“ vor allem die Mitglieder des Stadtrats, die vor fast einem Jahr den Weg zur Zwischennutzung und damit zur Belebung des brachliegenden Areals an der Amper geebnet haben. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis hier die Bagger anrücken und in bester Lage ein Kreativquartier mit Wohnungen und Gewerbebetrieben hochgezogen wird. Bis dahin werden die Flächen zur Spielwiese für bürgerschaftliches Engagement und zum Treffpunkt. In der wärmeren Jahreszeit gibt es hier bürgerschaftliche Projekte wie Amperstrand und Demokratiehütte.

Am Samstagabend gibt es dort also im tiefsten Winter Pizza aus dem Holzofen. Nach ein paar früheren Probedurchläufen wird die dunkelbraune Brennkammer, die aussieht wie der schuppige Panzer einer Schildkröte, erstmals ganz offiziell angefeuert. Mehrere Stadträtinnen und Stadträte sowie Oberbürgermeister Christian Götz sind der Einladung zu einer ersten Verkostung gefolgt.

Lehm als Baustoff feiert zurzeit so etwas wie eine Renaissance. Das Naturmaterial hält sogar dem prüfenden Blick von Stadtbaurat Johannes Dachsel stand. Der hat seine Familie mitgebracht, bei der Pizza augenscheinlich hoch im Kurs steht.

Gunter Hannig, der von einem knappen Dutzend Helfern unterstützte Initiator des Backofenprojekts, ist zufrieden mit dem, was da in vielen Arbeitsstunden an Wochenenden und Abenden entstanden ist. Die Stadt hat das Holz für die Überdachung spendiert, Stadtrat und Schreinermeister Karl Danke die schöne gusseiserne Klappe, den Lehm hat eine Grube bei Kaltenberg beigesteuert.

Gunter Hannig hat während der Corona-Pandemie im eigenen Garten Erfahrungen gesammelt mit dem Bau eines Backofens. (Foto: Stefan Salger)

Der Backofen ist sehr massiv, um Wärme besser speichern zu können. Erste Erfahrungen sammelte Hannig, der seine Brötchen im richtigen Leben als Psychologe bei einem bayerischen Autokonzern verdient, während der Corona-Zeit im eigenen Garten. Da habe er erkannt, dass der Boden zur Schwachstelle werden kann. Der Brucker Backofen verfügt dementsprechend über eine Schicht aus Lehm und Stroh, Granitplatte und als technisches Highlight über eine Schicht aus (ausgetrunkenen) 0,3-Liter-Bierflaschen als Isolationsschicht.

Auf Hightech wie ein Thermometer wird verzichtet. Somit braucht das Ofenteam keine Langfinger zu fürchten. Anders als die Baumeisterkollegen, die in Puchheim-Ort im Oktober ihr Brotbackhäusl fertiggestellt hatten. Ihnen wurde ein fest eingebautes Spezialthermometer im Wert von mehreren Hundert Euro gestohlen.

Fleißige Helfer walzen den Pizzaboden aus, der von den Gästen anschließend nach Gusto selbst belegt wird.
Fleißige Helfer walzen den Pizzaboden aus, der von den Gästen anschließend nach Gusto selbst belegt wird. (Foto: Stefan Salger)

Ein Thermometer braucht Gunter Hannig nicht. Er hat das im Gefühl. Auf 400 Grad schätzt er die Temperatur, während im Ofen die Scheite lodern. Damit wäre die Idealtemperatur für eine Holzofenpizza erreicht. Zeit für Wolfram Gettert, gemeinsam mit einigen Nachwuchskräften dem Gourmet-Erlebnis den Boden zu bereiten. Gettert ist vom Fach, kennt sich mit weicher Ware aus, weiß, welche Konsistenz der Teig haben muss, bevor er auf Holztabletts ausgerollt wird: Der Mann mit der Wollmütze arbeitet, sofern nicht gerade eine Ofenpremiere ansteht, als Softwareentwickler.

Fürs Belegen der Pizza hat das Helferteam vorgesorgt: von Schinken bis Paprika oder Pilzen ist git es etwas für jeden Geschmack.
Fürs Belegen der Pizza hat das Helferteam vorgesorgt: von Schinken bis Paprika oder Pilzen ist git es etwas für jeden Geschmack. (Foto: Stefan Salger)

Bei so viel Expertise können sich die Gäste diesen besonderen Abend bestenfalls noch selbst versalzen. Dann etwa, wenn sie es beim Belegen und Würzen des Bodens übertreiben – einen Vulkan aus Schinken, Champignons, Mais und Paprika aufschichten oder ihn mit Tomatensoße überfluten. Gettert, der als Türsteher die Befüllung des Ofens übernimmt, hat für solche Fälle ein paar wertvolle Tipps parat. Und so kann die exquisite 1a-Premierenpizza aus dem Holzofen ihren ganzen Geschmack entfalten. An einem der Biertische wird derweil gemunkelt, dass die eine oder andere Pizzeria nun ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen könnte.

So weit wird es freilich nicht kommen. Denn der Brucker Backofen soll Interessenten nur nach vorheriger Anmeldung und technischer Einweisung zur Verfügung gestellt werden. Das Risiko einer unsachgemäßen Bedienung soll auf diese Weise minimiert, der Geschmack maximiert werden. Das archaische Konstrukt soll seine zentrale Aufgabe, die ihm Gunter Hannig und sein Team zugedacht haben, erfüllen: „die Menschen zusammenzubringen“.

Den Werdegang des ehrenamtlichen Projekts des Brucker Backofens zeichnet ein Blog nach (Backofen-Blog – Geschichte des Landkreises Fürstenfeldbruck), Kontakt und Reservierung per E-Mail an brucker-backofen@gmx.net

Back to top button