Berg: Heimische Kunst im neuen Rathaus – Starnberg | ABC-Z

Wer das neue Berger Rathaus betritt, muss unweigerlich gleich am Eingang zweimal hinschauen. Was steht denn da quer über der Tür geschrieben, fragt sich der Besucher. Erst auf den zweiten Blick wird einem klar: Ohne jeden Abstand zwischen den Worten reihen sich sind die Ortsnamen aneinander. Die Schrift-Deko, die aus der Feder des verstorbenen Künstlers Walter Habdank stammt, hat allerdings einen praktischen Hintergrund: Sie verkörpert den erforderlichen Sicherheitsstreifen an den Türen.
Kaum eingetreten fällt der Blick nach rechts auf das Hinterglas-Triptychon „Tiefenlicht“ von Juschi Bannaski. Auf der gegenüberliegenden Seite, direkt an der Pforte, stehen zwei kleine Bronzeplastiken von Birgit Berends-Wöhrl. Die beiden Figuren wirken, als seien sie in ein stilles Gespräch vertieft.
So lässt sich durch das gesamte Gebäude pilgern und dabei immer Neues entdecken. Die Kunst im und am neuen Berger Rathaus ist weit mehr als „nur“ Dekoration. Sie folgte einem liebevoll erarbeiteten Konzept. Anders als in den allermeisten Verwaltungsbauten hat die Gemeinde Berg nicht nur pflichtgemäß einen Wettbewerb für Kunst am Bau ausgelobt, sondern hat einen eigenen Weg eingeschlagen. Bürgermeister Rupert Steigenberger hatte eine Jury zusammengestellt, bestehend aus der Dritten Bürgermeisterin Elke Link, dem Kulturreferenten Andreas Ammer, Gemeinderat Heinz Rothenfußer, der Autorin und Journalistin Katja Sebald, Benjamin Tillig, dem Leiter des Museums Starnberger Seeg – und Steigenberger selbst.



Die Jury wählte Berger Künstlerinnen und Künstler aus. Ein Kriterium dafür war, dass diese mit ihrer Kunst tatsächlich ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Künstler reichten daraufhin Vorschläge ein und gemeinsam mit ihnen haben die Jurymitglieder im gesamten Rathaus Plätze ausgewählt, die sich für die jeweiligen Kunstobjekte eignen. Insgesamt 100 000 Euro standen zur Verfügung, die unter den Künstlern aufgeteilt wurden.
Wer weiter durchs Rathaus schlendert, begegnet vielen kleinen Bronzeplastiken von Berends-Wöhrl. „Zeitgenossen“ lautet ihr Sammelname. Da ist zum Beispiel die Frau mit Kind (Titel: „Mama schau“), oder die Herrschaften beim „Gespräch am See“, die es sich am nahen Berger Badestrand gut gehen lassen. Sogar einen eigenen Rathauskobold gibt es hier. Er wohnt im Aufenthaltsraum für das Personal und ist, so heißt es augenzwinkernd, an allem Schuld, das schieflaufen könnte. Besonders nett ist die Plastik, die auf der Brüstung in Richtung Bürgermeisterzimmer balanciert.




Im Untergeschoss des Rathauses, auf dem Weg zum Archiv, hat sich Andreas Huber mit zwei optisch faszinierenden großformatigen Fotografien verewigt, die sich mit Rathaus-Akten und ihrer Lagerung beschäftigten. Hans Panschar hat die Berger Ortsteile im „Gemeinderad“ als runde Holzplastik verewigt und Cornelia Hesse zeigt den Seegrund auf einem sich spiegelnden und Schatten werfenden Metallkunstwerk an der Decke des Treppenaufgangs.
Vom Trauzimmer aus fällt der Blick auf eine rote Metalltreppe vor dem Rathaus. Sie stammt von Roman Wörndl und heißt „Vom Ich zum Du“. Im Süden des Gebäudes steht das steinerne Kunstwerk von Pal Svensson. Der Starnberger Künstler Max Wagner, der die Bronzeplastik des Berger Schriftstellers Oskar Maria Graf an der Schule in Aufkirchen gefertigt hat, hat der Gemeinde eine Büste des berühmten Schriftstellers überlassen. Sie steht gegenüber der Eingangstür zu Steigenbergers Büro. Und in seinem Amtszimmer hängt – wie bereits im alten Rathaus – ein großes Gemälde der verstorbenen Künstlerin Hannelore Jüterbock.





















