Diese Linke und vier andere Politiker muss man 2026 kennen | ABC-Z

Rund 16 Millionen Bürgerinnen und Bürger in fünf Bundesländern können in diesem Jahr eine neue Regierung wählen. Die Ergebnisse werden absehbar auch die Bundespolitik beeinflussen – und möglicherweise das ganze Land erschüttern. Wir stellen fünf Politikerinnen und Politiker vor, die das Superwahljahr 2026 absehbar prägen werden.
Baden-Württemberg: Manuel Hagel (CDU)
Manuel Hagel soll für die CDU einen historischen Fehler wiedergutmachen.
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Manuel Hagel soll einen aus Sicht der CDU historischen Fehler korrigieren. Seit 1953 regierten die Christdemokraten in Baden-Württemberg, bis die Menschen im Ländle vor 15 Jahren plötzlich den Grünen Winfried Kretschmann zu ihrem Landesvater machten – und zweimal wiederwählten. Nun strebt der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir an, bei der Landtagswahl am 8. März das grüne Erbe anzutreten. Der 37-jährige Hagel will das verhindern: Seine Chancen stehen gut, der nächste Ministerpräsident in Baden-Württemberg zu werden.

CDU und Grüne könnten in der Stuttgarter Koalition die Rollen als kleiner und großer Regierungspartner wechseln. In Umfragen liegt die CDU deutlich vor den Grünen und der AfD. Der unter Druck stehende Kanzler Friedrich Merz und die unter schlechten Umfragewerten leidende Bundes-CDU können einen Wahlsieg im Südwesten und die Rückeroberung ihrer einstigen Bastion bitter gebrauchen.
Hagel ist bisher Chef der Landespartei und Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, bundespolitisch fiel er zuletzt als Unterstützer der jungen Rentenrebellen auf, die wochenlang Unruhe in der Merz-Koalition stifteten. Mit einem Wahlsieg stiege Hagel in den Kreis der CDU-Politiker auf, die als die Zukunft der Partei gelten.
Rheinland-Pfalz: Gordon Schnieder (CDU)

Gordon Schnieder will für die CDU in Rheinland-Pfalz regieren – ist sein prominenter Bruder eine Hilfe?
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Gordon Schnieder soll für die CDU nach einem Wahlsieg von Hagel den Doppelschlag im Frühjahr perfekt machen. Der 50-Jährige tritt bei der Wahl am 22. März an, um in Rheinland-Pfalz der SPD nach 35 Jahren das Amt des Ministerpräsidenten wieder abzunehmen. Umfragen zufolge könnte ihm das gelingen: Die CDU liegt deutlich vor den Sozialdemokraten. Allerdings ist Schnieder selbst den Menschen in Rheinland-Pfalz nicht unbedingt geläufig.
Ein weiteres mögliches Handicap: Schnieders sieben Jahre älterer Bruder Patrick Schnieder ist Bundesverkehrsminister und damit verantwortlich für verspätete Bahnen, Dauerbaustellen auf der Autobahn und marode Brücken. Diese Miseren wiederum sind jedem geläufig. In der SPD wird gehofft, dass das abfärbt auf den „kleinen Schnieder“, wie Sozialdemokraten den CDU-Mann gerne nennen.

Hinter dieser kleinen Gemeinheit steckt allerdings die große Furcht vor einer Niederlage. Sollte der als Nachfolger der beliebten Malu Dreyer ins Amt gekommene Sozialdemokrat Alexander Schweitzer die Wahl verlieren, dürfte das die gesamte SPD erschüttern – und auch für die Parteichefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas unangenehme Diskussionen auslösen. Rumort es in der SPD, dürfte das wiederum an der schwarz-roten Bundesregierung nicht spurlos vorübergehen.
Sachsen-Anhalt: Ulrich Siegmund (AfD)

„Tiktok-Posterboy“ Ulrich Siegmund lächelt viel, steht politisch aber stramm rechts.
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Ulrich Siegmund hat demonstrativ gute Laune: Der Fraktionschef und Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt präsentiert sich auf seinen Social-Media-Kanälen oft mit einem breiten Lächeln, egal ob er der Konkurrenz Realitätsverlust vorwirft oder dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Desinformation. Der 35-jährige „Tiktok-Posterboy“ („Die Zeit“) der AfD erreicht damit online viele Menschen, und auch offline läuft es derzeit für ihn: Angesichts von zuletzt 40 Prozent in den Umfragen träumt die Partei öffentlich von Siegmund als erstem AfD-Ministerpräsidenten.
Dabei ist er nicht weniger radikal als der Rest seines Landesverbands, den der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft. Der Frage, ob er den Holocaust als schlimmstes Menschheitsverbrechen bezeichnen würde, wich Siegmund in einem Podcast im November aus. Eine Bewertung dazu maße er sich nicht an, sagte der AfD-Politiker.

2021 hatte der amtierende Ministerpräsident Reiner Haseloff die Wahl noch deutlich für sich und die CDU entschieden, mit einer Kombination aus Amtsbonus und Leihstimmen von den Anhängern anderer Parteien, die einen ersten Platz für die AfD verhindern wollten. Doch auf beides muss die CDU dieses Mal verzichten. Haseloff hört auf, an seiner Stelle kandidiert Wirtschaftsminister Sven Schulze, dem selbst Wohlmeinende keinen Überschuss an Charisma unterstellen. Und die demokratischen Mitbewerber brauchen dieses Mal jede Stimme selbst: Außer AfD, CDU und Linkspartei kann nach den aktuellen Umfragen keine Partei sicher sein, nach der Wahl am 6. September im Magdeburger Landtag zu sitzen.
Mecklenburg-Vorpommern: Leif-Erik Holm (AfD)

Leif-Erik Holm war früher Radiomoderator, jetzt will er eine SPD-Prominente ablösen.
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Auch Leif-Erik Holm will regieren – und zwar allein. Das Ziel hat der Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern ausgegeben. Bis zur Wahl am 20. September kann noch viel passieren, ein Wahlsieg mit absoluter Mehrheit scheint für den 55-Jährigen jedoch unrealistisch. Die AfD des vierfachen Vaters und früheren Radiomoderators führt die Umfragen aber an – und das mit Abstand.
Geht es nach der AfD, kann sie nach der Wahl wie möglicherweise auch in Sachsen-Anhalt als stärkste Kraft der CDU ein Angebot zur Regierungszusammenarbeit machen und die Christdemokraten damit unter Druck setzen. Für den bislang standhaften Merz käme es dann zur Machtprobe mit denen in seiner Partei, die lieber mit der AfD regieren, als nach links immer größere Bündnisse zu schmieden, um die Rechtspopulisten von der Macht fernzuhalten.
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Für die Koalition im Bund wäre es Sprengstoff, sollte die CDU weich werden. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und ihre SPD hoffen jedoch darauf, dass es gar nicht so weit kommt, indem die Amtsinhaberin bis zur Wahl noch aufholt. Das schlimmste Szenario für die Sozialdemokraten wäre mit Blick aufs Wahljahr jedoch, wenn sie 2026 in Rheinland-Pfalz und in Mecklenburg-Vorpommern ihre Regierungschefs verlieren sollten. Dann brennt bei der SPD die Hütte.
Berlin: Elif Eralp (Die Linke)

Elif Eralp sieht den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani als Vorbild.
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Bodo Ramelow hat bisher ein Alleinstellungsmerkmal: Der ehemalige Ministerpräsident von Thüringen ist der einzige Linkenpolitiker, der je Regierungschef eines Bundeslands war. Doch das könnte sich in diesem Jahr ändern. Denn am 20. September wird in Berlin gewählt, und Elif Eralp hat ernst zu nehmende Chancen, ins Rote Rathaus einzuziehen.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Juristin führt die Linkspartei in den Hauptstadtwahlkampf, und die wiederauferstandene Linke wiederum führt in Umfragen derzeit das Mitte-links-Lager an. Nur wenige Prozentpunkte trennen die Partei noch von der CDU und ihrem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner.

Eralp wurde 1981 in München geboren, kurz nachdem ihre Eltern aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet waren. Zu den Schwerpunktthemen ihrer Arbeit im Abgeordnetenhaus gehört die Migrationspolitik, im Wahlkampf soll der Kampf gegen die Berliner Wohnungsnot eine große Rolle spielen. Ein Vorbild sieht Eralp dabei in Zohran Mamdani, dem neuen Bürgermeister von New York, der in seiner Kampagne Fragen des bezahlbaren Lebens in den Vordergrund gestellt hatte.














