Fürstenfeldbruck: Schlagabtausch vor dem B2-Bürgerentscheid – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Soll die Bundesstraße formal aus der Fürstenfeldbrucker Innenstadt verlegt und die Amperbrücke saniert werden? Oder soll die B2 bleiben, wo sie ist und die historische Brücke durch einen modernen Neubau ersetzt werden? Diese Fragen spalten die Einwohner der Kreisstadt. Es geht darum, wo künftig die Lastwagen unterwegs sind und wo in etwas fernerer Zukunft die Verkehrsbelastung sinken und wo sie steigen könnte.
Vor gut 300 Besuchern trafen am Donnerstag im Veranstaltungsforum Befürworter und Gegner einer Verlegung aufeinander. Experten beantworteten in der großen Runde zudem Fragen. Am Sonntag, 18. Januar, wird bei einem Bürgerentscheid abgestimmt, die Stadt hat bereits Briefwahlunterlagen an alle Wahlberechtigten verschickt. Auch die persönliche Stimmabgabe in Wahllokalen ist möglich.
Dem Bürgerbegehren der Bürgerinitiative (BI) „Verbleib B2 – Keine Umwidmung städtischer Straßen“ hat der Stadtrat ein Ratsbegehren („Bündnis Lebenswertes Bruck – B2 raus aus der Innenstadt“) entgegengestellt. Auf dem Podium wurde die BI vertreten durch Claus-Peter Bahner, das Bündnis des Stadtrats von Karin Geißler (BBV), als Experten für Stadtentwicklung und Bauplanung saßen Kerstin Mahrenholz und Otto Wurzer auf dem Podium.
Eine schnelle Entscheidung, ob die Bundesstraße verlegt wird oder nicht, ist deshalb erforderlich, weil die historische und unter Denkmalschutz stehende Amperbrücke dringend sanierungsbedürftig ist. Das für die B2 zuständige Straßenbauamt Freising hat deutlich gemacht, dass es die Brücke durch einen Neubau ersetzen würde. Der könnte durch den Verzicht auf den mittleren Pfeiler besser gewappnet sein für Hochwasser und mehr Platz bieten für Fußgänger und Radfahrer.

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Ein Nadelöhr würde die Amperquerung aber bleiben, weil auf beiden Uferseiten der Platz fehlt für eine Fortführung separater Fuß- und Radwege. Noch bedeutsamer ist der Umstand, dass ein Neubau zwangsläufig für 40-Tonner-Lastwagen geeignet wäre. Die für Lastwagen geltende und mit dem maroden Zustand der Brücke begründete Beschränkung auf 16 Tonnen würde wegfallen. Somit könnte dem Schwerverkehr, der bislang um die Innenstadt herumgeführt wird, die Fahrt durch die Stadt nicht mehr verweigert werden.
Ob zumindest Sattelschleppern oder Gespannen wegen der engen Doppelkurve am Rathaus per Längenbeschränkung weiter die Durchfahrt untersagt werden kann, ist noch zu prüfen. Fahrzeuge wie Kipper, Betonmischer oder Lastwagen ohne Anhänger hätten aber in jedem Fall freie Durchfahrt durch die Innenstadt. Bleiben Münchner, Haupt- und Augsburger Straße also in der Zuständigkeit des Straßenbauamts, dann fahren künftig mehr Lastwagen durchs Zentrum.
Wird die Bundesstraße formal auf die bisherige Lkw-Umfahrung verlegt, die am Kloster vorbei zur Bundesstraße 471 führt, dann fällt die Amperbrücke in die Zuständigkeit der Stadt. Sie könnte unter Beibehaltung einer Beschränkung auf 16 oder 20 Tonnen saniert werden. Autos könnten weiterhin auf kürzestem Weg durchs Zentrum fahren. Durch die formale Verlegung gäbe es nach übereinstimmender Einschätzung von Experten keine spürbare Verkehrsverlagerung – keine Entlastung des Zentrums und keine Belastung des Westens der Stadt. Darüber wird beim Bürgerentscheid abgestimmt.
Eine Verkehrsberuhigung des Zentrums hätte Auswirkungen auf den Autoverkehr
Ändern würden sich die Verkehrsströme aber dann, wenn die Stadt die zur Ortsstraße abgestufte Ex-B2 im Zuge einer Aufwertung der Innenstadt umbauen würde. So könnte der Marktplatz zur Tempo-30-Zone oder auch nach Vorbild der Schöngeisinger Straße zum verkehrsberuhigten Geschäftsbereich werden. Mancher Autofahrer, der Bruck lediglich auf dem schnellsten Weg durchqueren will, könnte dann, ebenso wie der Schwerverkehr, über die neue B2 am Kloster vorbeifahren. Das würde zu einer Mehrbelastung der Anlieger führen und zu Schleichverkehr in Wohngebieten, sofern diesem nicht entgegengewirkt wird.
Die Ängste vor einer zunehmenden Belastung sind es denn auch, die der BI Zulauf gebracht haben. Oberbürgermeister Christian Götz (BBV) hat allerdings wiederholt versichert, dass es vor einer Entscheidung über verkehrsberuhigende Maßnahmen in der Innenstadt eine umfangreiche Bürgerbeteiligung geben würde.
Die BI stemmt sich gegen die formale Verlegung der B2 durch den Tausch von Straßen auch deshalb, weil sie fürchtet, dass die Stadt unterm Strich draufzahlt. Das Straßenbauamt würde im Fall einer B2-Verlegung die Sanierung der Amperbrücke noch bezahlen, da dies nach derzeitigem Stand günstiger wäre als ein Neubau. Anschließend wäre das Freisinger Bauamt für den Unterhalt der Straße zwischen Schulzentrum Tulpenfeld und B471 im Westen zuständig und die Stadt für den Abschnitt Schulzentrum Tulpenfeld bis B471 im Norden.
Nur ein dritter Amperübergang würde die Innenstadt nachhaltig entlasten. Der würde viele Millionen kosten
Das Straßenbauamt wäre damit für mehr Fahrbahnfläche und drei Brücken zuständig. Der aktuelle Straßenzustand würde geschätzt, im Anschluss gäbe es einen Wertausgleich. Selbst aufkommen müsste die Stadt beispielsweise auch für den Umbau der Augsburger Straße sowie den Bau von Radwegen, den nach bisheriger Planung das Straßenbauamt übernehmen sollte. Für Lärmschutz und Radwege an einer „neuen“ B2 wären im Gegenzug dann überörtliche Behörden zuständig.
Weitgehend Einigkeit besteht bei Kritikern und Befürwortern einer B2-Verlegung, dass sich eine nachhaltige Verkehrsentlastung der Innenstadt nur mit einer dritten Amperbrücke oder einem Tunnel erreichen ließe. Dafür fehlt freilich noch die passende Stelle. Und ein solches Projekt würde viele Millionen kosten, finanzierbar nur mit Fördergeld des Bundes. Ob ein passendes Bauwerk in den Verkehrswegeplan von 2040 an aufgenommen wird, ist freilich nicht gesichert.
Links zum Livestream der B2-Diskussion auf der Homepage der Stadt und der Stadtgespräche. Dort gibt es auch sehr umfangreiche und detaillierte Informationen, ebenso wie täglich zwischen 11 und 19 Uhr im Stadtlabor, Pucher Straße 6a. Die BI hat ebenso eine eigene Homepage wie das Bündnis Lebenswertes Bruck.





















