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Südafrika: (*60*) verschossen schon vor 60 000 Jahren Giftpfeile – Wissen | ABC-Z

Es ist der bislang mit Abstand früheste Beleg für die Nutzung von Giftpfeilen: Schon vor 60 000 Jahren bestrichen Menschen im südlichen Afrika steinerne Pfeilspitzen mit Pflanzengift. Die nachgewiesenen Giftstoffe stammen wahrscheinlich von der Fächerlilie Boophone disticha, deren Inhaltsstoffe in Südafrika bis heute als Pfeilgift, aber auch als Heilmittel genutzt werden.

„Nach unserem Kenntnisstand präsentieren wir den ersten direkten Beleg für die Verwendung dieses pflanzlichen Giftes auf den Spitzen von Jagdwaffen“, schreibt ein Forschungsteam um den Archäologen Sven Isaksson von der Universität Stockholm im Fachjournal Science Advances. Die Entdeckung unterstreiche, wie komplex die Menschen schon damals dachten und über welche geistigen Fähigkeiten sie verfügten.

Der Fund stammt aus einer Zeit, in welcher der Homo sapiens gerade Afrika verließ. Mitteleuropa erreichte die Spezies nach derzeitigem Wissen erst rund zehntausend Jahre später. Der bislang früheste direkte Beleg für die Nutzung von Giftpfeilen ist den Forschern zufolge gut 6700 Jahre alt und wurde ebenfalls in Südafrika gefunden. Die bislang frühesten Hinweise auf die Verwendung von Gift stammen von dort aus der Zeit vor 35 000 Jahren.

Das Gift schwächte die Tiere und machte sie zu leichterer Beute

Die nun vorgestellten kleinen Pfeilspitzen aus Quarzgestein stammen von dem Felsüberhang Umhlatuzana Rock Shelter in der Provinz KwaZulu-Natal im Osten von Südafrika. Anhand der Erdschicht, in der sie gefunden wurden, werden die Spitzen auf ein Alter von etwa 60 000 Jahren datiert. Auf fünf der insgesamt zehn kleinen Spitzen fand das Team Spuren von Giftstoffen, insbesondere vom Hauptwirkstoff der Pflanze, Buphanidrin.

Den Forschenden zufolge war das Pfeilgift speziell bei größeren Tieren nicht unbedingt tödlich, aber es schwächte die Tiere und machte sie somit zur leichteren Beute. Um das Gift für die Jagd zu nutzen, mussten die Menschen demnach nicht nur das Verhalten der Tiere kennen. Sie mussten auch über ein gutes Wissen der heimischen Pflanzenwelt verfügen, um giftige Pflanzenextrakte identifizieren, gewinnen und anwenden zu können. Und sie mussten planvoll vorgehen und vor allem die Zusammenhänge verstehen: dass also ein getroffenes Tier des Giftes wegen schwächer werden würde. Das alles zeige, wie komplex die Menschen damals bereits dachten und handelten.

Die wahrscheinlichste Quelle der Giftstoffe sei der milchige Saft aus der Zwiebel von Boophone disticha, so das Team. Das Amaryllisgewächs ist lokal auch als „Giftknolle“ (Gifbol) bekannt. Der Saft der Zwiebel trocknet in der Sonne zu einer gummiartigen Konsistenz und ist dann gebrauchsfertig. „Seine Wirksamkeit als Jagdgift hängt von der Zubereitung und Dosierung ab“, unterstreicht die Gruppe. Bei Nagetieren könne das Gift selbst in kleineren Mengen innerhalb von 20 bis 30 Minuten zum Tod führen, und auch beim Menschen könne es Symptome wie etwa Übelkeit, Muskelerschlaffung und Atemlähmung verursachen.

Historische Quellen etwa aus dem 18. Jahrhundert von dem schwedischen Naturforscher Carl Peter Thunberg beschreiben, wie die Menschen das Gift damals für die Jagd auf Springböcke nutzten. Bemerkenswert ist die chemische Stabilität der Substanzen: Diese können auch noch nach mehreren Jahrzehnten wirksam sein. Und die Stabilität sorgt auch dafür, dass die Giftstoffe noch nach Zehntausenden Jahren auf den Steinspitzen nachweisbar sind.

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