Oberschweinbach: Kleine Gemeinde liefert viel Stoff für Geschichten – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Als im Jahr 1938 ein Landwirt in Günzlhofen eine Jauchegrube baute, kam ein Zahn eines Mammuts zum Vorschein. Damit war der Beweis erbracht, dass in der Region einst urzeitliche Kolosse unterwegs waren. Aus weiteren Funden und archäologischen Betrachtungen geht hervor, dass das Schweinbachtal vermutlich schon bald nach dem Abschmelzen der letzten Eiszeit besiedelt wurde. Einen Einblick in die Siedlungsentwicklung der drei zur Gemeinde gehörenden Orte Oberschweinbach, Günzlhofen und Spielberg gibt die nun erschienene „Oberschweinbach-Günzlhofen Ortschronik“, die zu den Öffnungszeiten des Rathauses erworben werden kann.
„Es ist ein großes Buch mit 615 Seiten und eher eine Geschichtensammlung als eine chronologische Aufarbeitung, die in sechs Jahren von Hans Auracher, Innozenz Heiß, Henry Küss, Hartwig Lucht, Max Maierhofer, Gerhard Neumeier, Fanny Schweiger und Maria Trinkl ehrenamtlich erarbeitet wurde“, lobt Bürgermeister Norbert Riepl, der den Arbeitskreis „Ortschronik“ bereits 2014 gegründet hatte. In vielen Stunden seien Archive durchforstet, Gespräche mit Bewohnern geführt sowie Fotos und Dokumente gesammelt und ausgewertet worden.
„Bald nach Aufnahme der Recherchen ist klar geworden, dass so viel Potenzial vorhanden ist, dass es sich lohnt, tiefer einzusteigen und die Aufarbeitung zu trennen“, erinnert sich der Rathauschef. So sei 2019 zunächst eine „Oberschweinbach-Günzlhofen Häuserchronik“ entstanden und aktuell die eigentliche ortsgeschichtliche Betrachtung. Dabei sei auf eine reiche Bebilderung sowie auf gute Lesbarkeit besonders Wert gelegt worden.
Etwas zu kurz gekommen sei die bewegte Geschichte von Spielberg mit ursprünglich einer Burg, dem erstmals 1126 urkundlich erwähnten Schloss des Heinrich von Sueinbach, das 1899 samt Ökonomie vom Kloster Reutberg übernommen wurde und in dem hundert Jahre lang Franziskanerinnen gewirkt hätten.„1997 hat die Gemeinde das Klosterareal erworben, im ehemaligen Schloss das Rathaus eingerichtet und zusammen mit einem Förderverein die Räumlichkeiten saniert und in öffentlich nutzbare Einrichtungen umgewandelt. Diese lange und interessante Geschichte wird der Arbeitskreis in einem eigenen Band beleuchten“, sagt Bürgermeister Riepl, der das Gesamtprojekt als Lektor und Koordinator unterstützt.
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Die Gemeindechronik befasst sich mit der Entwicklung der drei Orte, die 1972 im Zuge der Gebietsreform zur Gemeinde wurden. Günzlhofen wurde erstmals 793 unter dem Namen „Cundinchofa“ erwähnt, Oberschweinbach scheint in einem Dokument im Zusammenhang mit Spielberg im Jahr 926 auf. Einen Schwerpunkt in der Chronik bildet die Vorstellung der in der Gemeinde aktiven Vereine und Organisationen samt ihrer Geschichte. Die Beiträge sind laut dem Rathauschef „von denen selbst, teils sehr umfassend und tiefgründig, erarbeitet worden“.
Zudem werden alle ehemaligen Ortsvorsteher und Bürgermeister, sowie alle Priester und Ehrenbürger gewürdigt. Darunter auch Hermann Well, der beliebte „Vollblutpädagoge im Schuldienst und Pionier in Sachen Volksmusik und Brauchtum“, sowie seine Ehefrau Traudl, mit der er 15 Kinder großzog, von denen einige als „Biermösl-Blosn“ oder „Wellküren“ Bekanntheit erlangten. Ausführlich beleuchtet wird im Buch auch „Mathias Kneißl: Räuber und Volksheld“ (1875 bis 1902). Dass der Räuber aus Unterweikertshofen mit seinem Kumpan Erhard Holzleitner im Gasthaus Sedlmaier in Günzlhofen gestohlene Pfandbriefe verhökern wollte, erkannt wurde, jedoch fliehen konnte, indem er sich den Fluchtweg freischoss, wird ausführlich geschildert.

Erinnert wird auch an die Heitler-Brüder, die in den 1930er-Jahren ein Segelflugzeug bauten, das jedoch bald nach dem ersten Start abstürzte. Im Kapitel „Alltägliches Leben“ werden entlang von Ereignissen und Anekdoten zudem der einstige mit Ehrendiplom ausgezeichnete Postbote Georg Plank sowie Siegfried Stangl vorgestellt, der sich schon als Zehnjähriger als Lebensretter und später als Hornist und Alarmbläser der Feuerwehr einen Namen machte. Interessant und aufschlussreich sind die Auflistung der örtlichen und regionalen Besonderheiten im Dialekt und die Ausführungen über das regionale Brauchtum wie das Maibaumaufstellen.

Weiter wird die Entwicklung des Schulwesens, der Wasserversorgung und Abwasserableitung sowie der Kirchen vorgestellt. Auch den Gewässern, Bau- und Bodendenkmälern sowie Feldkreuzen und Marterln ist ein Abschnitt gewidmet. Auf rund 60 Seiten befasst sich die Chronik mit „Kriegsereignissen“, wobei die Nazi-Zeit, der Zweite Weltkrieg und die Zeit danach besonders ausführlich betrachtet werden. „Dafür haben wir uns externe Unterstützung geholt“, verrät Riepl. Aus einer Darstellung der Ergebnisse der Reichstagswahlen 1928 bis 1933 lässt sich zum Beispiel ablesen, dass die NSDAP auch in Oberschweinbach und Günzlhofen zunehmend Anhänger fand.
Auch Amüsantes findet der Leser. Zum Beispiel, dass zwischen Oberschweinbach und Günzlhofen „früher immer Rivalitäten herrschten“, über die laut Riepl heute nur noch geschmunzelt wird.






















