Bezirke

Münchens neueste Denkmäler: Ein Haus ist erst knapp 80 Jahre alt und hatte einen bekannten Bewohner | ABC-Z

Immer zum Jahresende stellt das Bayerische Landesamt die neuen Denkmäler des Jahres vor. Die Neuzugänge 2025 veranschaulichen die Entwicklung der Stadt in vielen Bereichen – vom 18. Jahrhundert bis in die 60er.

Das jüngste Beispiel der Neuen auf der Liste steht in Schwabing: Die “Atriumhäuser am Biederstein“ am Artur-Kutscher-Platz 1 und 2. Sie zeigen, wie sich das Wohnen im München der frühen 1960er Jahre neu erfand. Bekannt vor allem durch einen ihrer Bewohner: Cornelius Gurlitt. Bekannt wurde er für seine gigantische Kunstsammlung. Bis zu seinem Tod lebte er dort.

Licht und Luft: die Treppenhäuser in den Atriumhäusern am Artur-Kutscher-Platz in Schwabing.
© BLfD
Licht und Luft: die Treppenhäuser in den Atriumhäusern am Artur-Kutscher-Platz in Schwabing.

von BLfD

“}”>

Die zwei fast quadratischen Flachdachbauten, entworfen 1959, gebaut 1960 bis 1962, stammen von Architekt Ernst Barth. Charakteristisch sind die fast vollständig umlaufenden Balkone. Mit Naturstein verkleidete Balkonplatten und Glasbrüstungen holen das Leitmotiv der Moderne – Licht, Luft und Sonne – in den Alltag der Bewohner.

Barth schuf hier einen Prototyp des Punkthauses, der für den Wohnungsbau der 1960er Jahre wegweisend war und später in Anlagen wie dem Cosimapark weiterentwickelt wurde. Mit der umgebenden Gartenanlage des Landschaftsarchitekten Alfred Reich veranschaulicht die Wohnanlage die Vorstellungen vom modernen Stadtwohnen im München der Nachkriegszeit.

Typisches Wohnen einer anderen Epoche zeigt die Kleinwohnungsanlage Alois-Wunder-Straße 9/11 in Pasing aus den Jahren 1927/28. Damals noch eigenständige Stadt, bemühte sich Pasing, bezahlbaren und hochwertigen Wohnraum zu schaffen.

Sozialer Wohnungsbau gepaart mit expressionistisch geprägter Gestaltung

Die rund 50 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Wohnungen verfügen über eine Wohnküche und ein belichtetes Bad. Besonders Letzteres ist ein Komfort, der für die Zeit der Weimarer Republik nicht selbstverständlich war. Vom begrünten Hof führen bis heute kleine Gärten ab, einst waren sie zur Selbstversorgung der Bewohner gedacht.

Bezahlbar und hochwertig sollten die Wohnungen in der Kleinwohnungsanlage in Pasing 1927/28 sein.
Bezahlbar und hochwertig sollten die Wohnungen in der Kleinwohnungsanlage in Pasing 1927/28 sein.
© BLfD
Bezahlbar und hochwertig sollten die Wohnungen in der Kleinwohnungsanlage in Pasing 1927/28 sein.

von BLfD

“}”>

Auch äußerlich ist der lange Walmdachbau mehr als Zweckarchitektur. Architekt Karl Grandy strukturierte ihn mit Treppenhaustürmchen und spitzbogigen Portalen mit integrierten Leuchten. Im Inneren sind die dunkel lasierten Holztreppen mit liebevollen Details gestaltet. Die Anlage zeigt so, wie sich sozialer Wohnungsbau und expressionistisch geprägte Gestaltung in den 1920er Jahren verbanden.

Ebenfalls aus dieser Zeit erinnert das Krafthaus des heutigen Isarwerk III an der Hefner-Alteneck-Straße 24 im Dreimühlenviertel äußerlich nicht an ein modernes Kraftwerk. Der Bau aus dem Jahr 1924 verbirgt in seinem Inneren die Geschichte des Münchner Wasserkraftausbaus nach dem Ersten Weltkrieg. Zugleich ist es ein seltenes Beispiel, wie eine große technische Anlage gezielt in den Stadtraum eingebunden wurde.

Sitzt über dem Großen Stadtbach: das Krafthaus des Südwerks III, heute Isarwerk III im Dreimühlenviertel.
Sitzt über dem Großen Stadtbach: das Krafthaus des Südwerks III, heute Isarwerk III im Dreimühlenviertel.
© BLfD
Sitzt über dem Großen Stadtbach: das Krafthaus des Südwerks III, heute Isarwerk III im Dreimühlenviertel.

von BLfD

“}”>

Der breite Walmdachbau von Hermann Leitenstorfer und Fritz Beblo sitzt über dem “Großen Stadtbach“. Trotz Kriegsschäden und einer Erneuerung in den 70er Jahren blieb die ursprüngliche Struktur mit Dachwerk, Fassadengliederung und Teilen der historischen Fenster und Türen weitgehend erhalten.

Etwas früher, 1903, ließ der Ziegeleibesitzer Johann Widmann an der Rosenheimer Straße 244 in Ramersdorf ein viergeschossiges Eckhaus errichten. Mit seiner historistischen Ziegelfassade und Ziegelbelägen im Inneren, die mit Figuren und Ornamenten geschmückt sind, erzählt es vom Selbstverständnis eines Bauunternehmers, der seine eigene Produktion in Szene setzen wollte. Das Mietshaus markiert zugleich den Übergang vom alten Dorf Ramersdorf zur heranwachsenden Großstadt München.

Erbaut 1903, überarbeitet in den 30ern: Mietshaus, Ziegelei und Klinkersteingeschäft J. Widmann in der Rosenheimer Straße.
Erbaut 1903, überarbeitet in den 30ern: Mietshaus, Ziegelei und Klinkersteingeschäft J. Widmann in der Rosenheimer Straße.
© BLfD
Erbaut 1903, überarbeitet in den 30ern: Mietshaus, Ziegelei und Klinkersteingeschäft J. Widmann in der Rosenheimer Straße.

von BLfD

“}”>

1934 reagierte der Wohnungsbaureferent Guido Harbers auf den neuen Geschmack der NS-Zeit, der sich an der benachbarten Mustersiedlung Ramersdorf orientieren sollte: Das Dach erhielt seine heutige Walmdachform und die Fassade wurde schlichter. Das Marienmedaillon-Mosaik baute man aus und fügte es in die Fassade des Pfarrhauses Ramersdorf ein.

Das Katholische Zentralgesellenhaus, das “Kolpinghaus“, in der Adolf-Kolping-Straße 1 gleich beim Stachus ist 1950/51 nach Plänen des Architekten Ernst Barth als Neubau auf dem Grund des 1855 im Beisein Adolph Kolpings eröffneten ersten bayerischen Gesellenhauses entstanden. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg baute man eilig ein neues “Vaterhaus in der Fremde“ für Hunderte junge Männer.

Die Adolf-Kolping-Straße 1 gleich beim Stachus wurde 1950/51 erbaut.
Die Adolf-Kolping-Straße 1 gleich beim Stachus wurde 1950/51 erbaut.
© BLfD
Die Adolf-Kolping-Straße 1 gleich beim Stachus wurde 1950/51 erbaut.

von BLfD

“}”>

Gesellen, Industriearbeiter und Heimatvertriebene fanden Unterkunft, Gemeinschaftsräume, Werkstätten und eine Kapelle unter einem Dach. Ende der 50er Jahre galt das Haus mit bis zu 880 Bewohnern als größtes Kolpinghaus Deutschlands.

Der langgestreckte, fünfgeschossige Bau mit Sattelwalmdach,
flachem Fassadenerkern und leicht nach außen schwingendem Saalbau zeigt die zurückhaltend-traditionelle Architektur des frühen Wiederaufbaus.

Der älteste Bau unter den Neuzugängen ist die ehemalige Schmiede an der Freihamer Allee in Freiham. An diesem unscheinbaren Nebengebäude lässt sich die Geschichte eines großen Gutshofs über mehrere Jahrhunderte hinweg ablesen.

Die ehemalige Schmiede auf Gut Freiham zeigt den Wandel des Gutes über die Jahrhunderte.
Die ehemalige Schmiede auf Gut Freiham zeigt den Wandel des Gutes über die Jahrhunderte.
© Edith-Haberland-Wagner-Stiftung
Die ehemalige Schmiede auf Gut Freiham zeigt den Wandel des Gutes über die Jahrhunderte.

von Edith-Haberland-Wagner-Stiftung

“}”>

Der langgestreckte Bau bildet die südliche Begrenzung des Kirchhofs von Heilig Kreuz und steht auf einem gewölbten Keller, der vermutlich ins Spätmittelalter zurückreicht. Im 18. Jahrhundert wurde darauf ein Wirtschaftsgebäude errichtet und 1789 erweitert. Untersuchungen datieren den Dachstuhl in die Jahre 1759-1761 sowie 1789, das zeigt die vielen Bauphasen, die das Gebäude durchlebt hat.

Mit dem gegenüberliegenden Pferdestall rahmt der Bau den ehemaligen Gutshof ein und markiert den Übergang vom kirchlichen zum landwirtschaftlichen Bereich.

Auch die Nutzung spiegelt den Wandel des Gutes: Das Gebäude diente als Schmiede, Waschhaus und Unterkunft für Landarbeiter. Im 19. Jahrhundert ließ die Familie von Maffei die Fassade vereinheitlichen und dem Erscheinungsbild des Gutes anpassen. Innen zeigen Gewölbeformen und die erhaltenen Ein- und Ausbauten bis ins 20. Jahrhundert, wie sich die Anforderungen an das Gebäude veränderten.

Back to top button