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Gastronomiedichte auf Fraueninsel im Chiemsee – Bayern | ABC-Z

In der Kommune mit der weitaus höchsten Gastronomiedichte in Bayern sollte es auf ein einzelnes Wirtshaus mehr oder weniger eigentlich gar nicht ankommen. Und mit knapp 22 Lokalen pro 1000 Einwohnern war diese so besonders dichte Kommune ja tatsächlich spektakulär mit Gasthäusern bestückt. So hat es jedenfalls vor ein paar Jahren mal eine Berechnung des Bayerischen Landesamts für Statistik ergeben.

Aber diese Berechnung ist schon damals ganz buchstäblich eine Hochrechnung gewesen. Denn von 1000 Einwohnern kann in der kleinsten Gemeinde des Freistaats natürlich längst keine Rede sein. In Wirklichkeit waren es nicht einmal ein Viertel davon. Gleiches gilt entsprechend für die Gasthäuser, und so ist es eben auch statistisch ein schwerer Schlag, dass die Linde auf der Fraueninsel im Chiemsee seit dem Jahreswechsel keinen Wirt mehr hat.

Jenes Gasthaus Zur Linde liegt da, wo auch die namengebenden Bäume stehen, nämlich ganz oben und genau in der Mitte der Insel. Es darf sich mit der prominenten Postanschrift „Frauenchiemsee 1“ schmücken, während die sich die Abtei der Benediktinerinnen als wahres historisches Zentrum der Insel mit der Hausnummer 50 bescheiden muss.

Ihr vorerst letzter Wirt hat die Linde als „Königlich bayerisches Gasthaus“ beworben. Das war nicht ganz exakt, denn das besagte Gasthaus wird zwar von der Bayerischen Schlösserverwaltung verwaltet und ist Staatseigentum. Aber von seinen Königen hat sich dieser Staat ja schon 1918 frei gemacht. Der Freistaat also hat sein Gasthaus Zur Linde nach der langen und erfolgreichen Ära des vorherigen Pächters vor sieben Jahren gründlich renoviert und dann an jenen neuen Pächter vergeben, der es der Schlösserverwaltung nun überraschend zurückgegeben hat.

An der scharfen Konkurrenz wegen der hohen Wirtshausdichte dürfte dies allerdings kaum gelegen haben: Jedes Jahr kommen Hunderttausende Ausflügler und Übernachtungsgäste auf die Insel. Verrechnet mit der kleinen Handvoll Gasthäuser und direktvermarktender Fischer lässt das die Gastronomiedichte pro Ausflügler um sehr viel geringer ausfallen als die Gastronomiedichte pro Einwohner. Und an manchen Abenden gibt es weder was für die einen noch für die anderen, weil sowieso überall dicht ist. Da nützt dann die ganze Statistik nichts.

Dafür, dass die Zahl der Lokale pro 1000 Einwohner jetzt nicht komplett abrutscht, solange die Linde geschlossen ist, hat aber wiederum das Landesamt für Statistik gesorgt. Das hat nämlich die kleine Gemeinde Chiemsee, die rein flächenmäßig aus der Frauen-, der Herren- und der unbewohnten Krautinsel besteht, aufgrund des jüngsten Zensus noch einmal um gute 15 Prozent verkleinert und die amtliche Einwohnerzahl um 35 auf 191 nach unten korrigiert.

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