Venezolaner in Kolumbien: “Ich würde jetzt nicht mehr zurückkehren” | ABC-Z

Reportage
Viele Menschen aus Venezuela leben im Ausland – etwa in Kolumbien in der Grenzstadt Cúcuta. Wie erleben die Menschen dort die Situation?
Nur eine Brücke trennt in Cúcuta Venezuela von Kolumbien, täglich passieren sie Hunderte Menschen. Die Grenzstadt ist Zufluchtsort und Warteschleife für viele Venezolaner. So wie ein Straßenhändler, der sich in Kolumbien sicherer fühlt und besser verdient. Seinen Namen will er, aus Angst vor Repressionen in Venezuela, dennoch nicht nennen .”Wir hätten nicht erwartet, dass Trump angreift. Wir hoffen, dass wir endlich zurückkommen und in unserer Heimat mit einem würdigen Gehalt arbeiten können”, sagt er.
In Venezuela leben etwa 80 Prozent der Bevölkerung in Armut, 50 Prozent in extremer Armut. Viele Venezolaner an der Grenze sind so zermürbt von Maduro-Regime, dass sie begrüßen, dass er festgenommen wurde, so wie Arturo.
“Dass, was am Samstag passiert ist, war ein Segen. Ich dachte, wenn es passiert, wird es schlimm, bricht ein Krieg aus, aber es blieb ruhig”, sagt der 28-Jährige, der mit einem großen Rucksack auf dem Weg nach Venezuela ist, Verwandte besuchen.
“Angst, wie es jetzt nach Maduro weitergeht”
Viele an der Grenze erwarten eher eine Gegenbewegung, Geflüchtete, die wegen der unsicheren Lage nach Kolumbien wollen. Der Kolumbianer Leonardo von der Reiseagentur Omega glaubt an das große Geschäft, aktuell gebe es viele Anfragen aus Venezuela. “Es kommen viele Venezolaner, sie wollen nach Medellín, Bogota, überall in Kolumbien. Sie haben alle Angst, wie es jetzt nach Maduro weitergeht.”
Das kolumbianische Militär hat mehrere Soldaten und zwei große Panzer positioniert. Das Rote Kreuz hat einen Stand aufgebaut zur Erstversorgung. Dutzende Journalisten sind vor Ort. Doch die Lage ist ruhig.
Rückkehr oder nicht?
Die wenigen Venezolaner, die über die Grenze kommen, sind sofort von einer Gruppe Journalisten umringt. Einer von ihnen ist Diego mit seiner Frau und zwei Kindern. Geflohen ist er schon vor Jahren, er war nur auf Weihnachtsbesuch im Heimatland. “Jedes Jahr, wenn ich meine Eltern in Venezuela besucht, sehe ich, wie das Land immer mehr verfällt. Ich würde jetzt nicht mehr zurückkehren, vor allem wegen meiner Kinder. Auch jetzt, wo Delcy Rodríguez regiert – wer weiß schon, ob das stimmt oder wer im Hintergrund die Macht hat.”
Er fordert eine Übergangsregierung und freie Wahlen. Ebenso wie die Verkäuferin Carla, die anders als viele in Cúcuta die Intervention Trumps harsch kritisiert. “Trump behauptet, er kommt wegen des Narcotrafico (zu deutsch: Drogenhandel), aber jetzt redet er vom Öl. Das ist doch alles kein Geheimnis. Wenn er uns angreifen kann, kann das jedem Land in Lateinamerika passieren, die Menschen sollten die Augen öffnen. Er soll sich nicht über Gott stellen und in seinem eigenen Land aufräumen.”
Journalisten dürfen nicht nach Venezuela
Was die Menschen in Caracas sagen, erfahren wir nur über Berichte, journalistische Visa nach Venezuela werden der ARD seit zwei Jahren verwehrt. Die Hauptstadt ist ruhig, fast gespenstig ruhig, hören wir, aber auch, dass bewaffnete Milizen patrouillieren. Am Montag sind mehrere Journalisten festgenommen worden.
Von der Zivilbevölkerung trauen sich viele nicht aus dem Haus, haben Angst vor weiteren Angriffen. Und: Was in Cúcuta offen ausgesprochen wird, bliebe in Venezuela selbst gefährlich – selbst nach Maduros Sturz drohen Regimegegnern weiterhin Repressionen, Haft oder Folter.





















