Wirtschaft

US-Politik in Venezuela und der Einfluss auf den Ölpreis – Wirtschaft | ABC-Z

Während US-Präsident Donald Trump seine Intervention in Venezuela offiziell mit dem Kampf gegen den Drogenschmuggel begründet, macht er zugleich keinen Hehl daraus, dass es ihm vor allem um die gewaltigen Ölreserven des Landes geht. Davon sollten in irgendeiner Form auch die Amerikaner profitieren, versprach er am Samstag auf einer Pressekonferenz in Mar-a-Lago. Möglicherweise setzt Trump also darauf, dass seine von steigenden Lebenshaltungskosten frustrierten Wähler noch vor den Zwischenwahlen im Herbst sinkende Benzinpreise an den Tankstellen bemerken und ein noch niedrigerer Ölpreis das Wirtschaftswachstum unterstützt.

Tatsächlich reagierten die Ölmärkte zum Wochenauftakt zunächst mit leichten Preisabschlägen – obwohl Militärinterventionen normalerweise eher zu steigenden Ölpreisen führen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verbilligte sich am Montagmorgen um 0,4 Prozent auf 60,54 Dollar, die US-Sorte WTI fiel um 0,5 Prozent auf 57,04 Dollar. Am Montagabend notierte der Ölpreis aber bereits wieder im Plus. Nur kurzfristig wettete der Markt also darauf, dass ein politischer Machtwechsel in dem südamerikanischen Opec-Staat längerfristig zu einem höheren Angebot – und damit zu niedrigeren Preisen – führen könnte.

Fachleute bezweifeln ohnehin, dass der Öl-Effekt kurzfristig spürbar sein wird und Trump den Ölpreis bis zu den Zwischenwahlen noch mehr senken kann. Seine Strategie sei zwar bereits aufgegangen, weil der Ölpreis in den vergangenen Monaten deutlich gefallen ist, sagt Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment. Tatsächlich sind die Ölpreise 2025 um mehr als 18 Prozent gesunken, das war der stärkste jährliche Rückgang seit 2020. Dazu habe nicht zuletzt das verbesserte Verhältnis zu Saudi-Arabien beigetragen – ebenso wie die Strategie der Opec, ihre Marktanteile auszubauen und die Produktion zu erhöhen. Der Ölpreis werde aber nicht dauerhaft unter 60 Dollar bleiben, weil einige Produzenten – insbesondere im Schieferölsektor – dann keine Anreize mehr hätten, ihre Förderung auszubauen, sagt Benedix. „Zudem dürfte die einflussreiche US-Schieferöl-Lobby, die der Regierung politisch nahesteht, darauf drängen, dass der Preis nicht allzu weit abrutscht“, so der Marktexperte.

Ölpreise werden wohl nicht weiter fallen

Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt. Laut dem Londoner Energy Institute zufolge besitzt Venezuela mit 303 Milliarden Barrel rund 17 Prozent der weltweiten Reserven, das ist mehr als Saudi-Arabien. Die Ölindustrie in Venezuela ist allerdings stark heruntergekommen, gefördert wird also wenig. „Es kann sein, dass ein bisschen mehr Öl gepumpt wird, aber zunächst müsste investiert werden, und das dauert“, sagt auch Rohstoffexperte Benedix von Union Investment. Auf Sicht von vielleicht fünf Jahren könnte es für die Fördermenge zwar einen Unterschied machen, vorausgesetzt, die politische Lage stabilisiere sich und ausländische Unternehmen investierten ernsthaft Geld. Es sei aber extrem unklar, wie viele Investitionen nötig sind. Unter zweistelligen Milliardenbeträgen komme man „nirgendwohin“, möglicherweise seien sogar bis zu 100 Milliarden Dollar notwendig.

Riskante Investitionen in Venezuela

Leon Ferdinand Bost, Rohstoffmarktexperte vom Bankhaus Metzler, meint, dass das Investitionsrisiko für US-Ölfirmen in Venezuela sehr hoch sei. „Man hat dort früher Enteignungen erlebt, das könnte auch erneut passieren, je nach politischer Entwicklung“. Unklar sei auch, wie es nach der Präsidentschaft von Trump weitergehe, ob die amerikanischen Interessen in Venezuela so wichtig blieben wie jetzt. „In einer solchen Welt tut man sich als Unternehmen schwer, dort über viele Jahre viele Milliarden Dollar zu investieren“, sagt Bost.

Venezuela produziert derzeit rund 900 000 Barrel pro Tag, wenn man vor Ort grundlegende Wartungsarbeiten an den Förderanlagen durchführe, könnte der Output in den nächsten Monaten auf 1,2 Millionen Barrel ansteigen, schätzt Metzler-Experte Bost. „Aber den globalen Ölpreis wird das kaum beeinflussen, das Angebot ist groß, der Preis dürfte so oder so weiter fallen.“

Eine Ölraffinerie in Puerto Cabello, Venezuela. (Foto: Matias Delacroix/AP)

Der US-Ölkonzern Chevron ist derzeit der einzige große Konzern, der mit einer Ausnahmegenehmigung der US‑Finanzbehörde noch in Venezuela Öl fördert. Trotz Sanktionen darf das Unternehmen Öl fördern und exportieren. Chevron steht nach letzten Zahlen für knapp ein Drittel der Ölproduktion in Venezuela, was weltweit gesehen ein winziger Anteil ist. Das Ölkartell Opec+ wird seine Strategie, weiter viel Öl zu fördern, indes auch nach dem Zugriff in Venezuela fortsetzen. Die Fördermenge werde nicht gekürzt, teilte die ‌Gruppe am Sonntag nach einem kurzen Onlinetreffen mit. Die acht an der Entscheidung beteiligten Länder fördern etwa die Hälfte des weltweiten Öls. Opec+ ist der informelle Zusammenschluss der klassischen 13 Opec-Länder mit weiteren zehn Öl produzierenden Nicht-Opec-Staaten wie Russland.

Dax erreicht neues Allzeithoch

Jenseits der Ölfrage reagierten die Finanzmärkte am Montag unterschiedlich auf die Ereignisse: Während der Goldpreis als klassischer „sicherer Hafen“ für Anleger ebenso wie der Preis für Silber stieg, reagierten die Anleger an den Aktienmärkten am Montag überraschend entspannt auf die geopolitische Unsicherheit. Das lag allerdings weniger an freudigen Erwartungen auf allgemeines Wirtschaftswachstum, sondern vor allem an Aktien von Rüstungskonzernen, die deutlich zulegten. Der deutsche Leitindex ‍Dax ist am Montag zeitweise auf ein neues Allzeithoch gesprungen. Bis zum Handelsschluss legte der deutsche Leitindex um 1,3 Prozent ⁠auf 24 856,32 Zähler zu.

Back to top button