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Beste in Oberbayern: Dorfenerin zeigt, dass Frauen und Technik zusammenpassen – Erding | ABC-Z

In einem Kurzfilm auf der firmeneigenen Homepage informiert Bucher Hydraulics aus Erding über die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer. Gleich zu Beginn des vierminütigen Clips lacht eine junge Frau in die Kamera: Marie-Theresa Schwarz erzählt begeistert vom Drehen und Fräsen, vom Schweißen und Löten. Noch sind weibliche Azubis in dieser Sparte, die als typischer „Männerberuf“ gilt, in der Minderheit. Dabei ist Marie-Theresa Schwarz ein gutes Beispiel dafür, dass junge Frauen keine Scheu vor einem technischen Beruf haben müssen. Kürzlich wurde die 23-jährige Dorfenerin als Oberbayerns beste Maschinen- und Anlagenführerin ausgezeichnet. Eine echte Mutmacherin.

Auf die Frage, warum sie den Beruf der Maschinen- und Anlagenführerin gewählt habe, antwortet Marie-Theresa Schwarz beim Telefonat ohne Zögern: „Es liegt bei uns in der Familie.“  Der Großvater und der Vater hätten beide einen technischen Beruf ergriffen – „irgendwann hab’ ich mich auch dafür entschieden“. Für die Eltern war somit der Ausbildungswunsch nichts Neues, „das hat gepasst“. Schon als Kind habe sie gerne an der Eisenbahn herumgeschraubt, am liebsten Playmobil und Lego gespielt.

Die Ausbildung habe ihr sehr gut gefallen, sagt die junge Frau. Maschinen zu überwachen und zu warten, das mache ihr Spaß. Bucher Hydraulics Erding entwickelt und produziert hydraulische Zylinder, „kundenspezifische Bauteile“, wie Johannes Balikic, der Ausbilder von Marie-Theresa Schwarz, beim Telefonat erzählt. Die Azubis lernen mehrere Abteilungen kennen, fügt er hinzu. Sie erhalten Fortbildungen zum Beispiel im Schweißen und Löten.

„Man sieht den ganzen Ablauf, vom Rohteil bis zum Fertigteil. Das gefällt mir“, sagt Marie-Theresa Schwarz. Dazu muss sie auch die verschiedenen Maschinen beherrschen, sie „einfahren und rüsten“, wie Johannes Balikic sagt, sie also auf einen neuen Arbeitsgang vorbereiten, Werkzeuge auswechseln oder instand setzen.  Und mit spezifischen Computerprogrammen muss sie sich auch auskennen.

IHK-Abteilungsleiter Florian Kaiser (links) und IHK-Vizepräsidentin Kathrin Wickenhäuser-Egger (rechts) bei der Preisverleihung mit den ausgezeichneten Top-Azubis sowie Ausbildern und Lehrkräften aus der Flughafen-Region. Vierte von links: Marie-Theresa Schwarz aus dem Landkreis Erding. (Foto: Foto: Matthias Balk/IHK für München und Oberbayern)

Das Team der aktuell 17 angehenden Anlagen- und Maschinenführer bei Bucher Hydraulics Erding besteht aus 15 jungen Männern und zwei jungen Frauen. Da ist bei der Zahl der Kolleginnen noch reichlich Luft nach oben. Johannes Balikic hat festgestellt, dass das Interesse bei Schülerinnen für diesen Beruf durchaus da ist. Gerade für Praktika würden sich immer mehr Mädchen melden. Das sei eine ermutigende Entwicklung.

Ob nun ein Mann oder eine Frau an der Maschine stehe, das sei egal, sagt der Ausbilder. „Es funktioniert genauso.“ Nur sollte möglichst früh begonnen werden, Mädchen für technische Berufe zu interessieren. Er verweist auf ein Projekt des Vereins „Schüler entdecken Technik“, das an der Erdinger Mädchenrealschule stattgefunden hat. An sechs Tagen gab es je zwei Stunden Technikunterricht für sechste Klassen. Die Teilnahme war freiwillig, „den Schülerinnen hat es Spaß gemacht“, erzählt Balikic. Vielleicht habe die eine oder andere gesehen: Technik ist doch etwas für mich.

Beim Blick auf die beliebtesten Ausbildungsberufe im Bereich der Agentur für Arbeit Freising, scheint die Zeit allerdings stehen geblieben zu sein. Im Berufsberatungsjahr 2024/2025 haben laut Pressesprecherin Christine Schöps insgesamt 3211 Jugendliche die Berufsberatung im Bezirk der Agentur – also in den Landkreisen Freising, Erding, Ebersberg und Dachau – genutzt. Die am stärksten  nachgefragten Ausbildungsberufe der Jungs in diesem Zeitraum: Kfz-Mechatroniker für Pkw-Technik, Fachinformatiker für Systemintegration sowie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Die beliebtesten Ausbildungsberufe der Mädchen in diesem Zeitraum lauten Medizinische Fachangestellte, gefolgt von Kauffrau-Büromanagement und Zahnmedizinische Fachangestellte.

Die Berufswahl ist heute nach wie vor von Rollenbildern geprägt

Christine Schöps, Berufsberaterin in Freising

„Die Berufswahl ist heute nach wie vor von Rollenbildern geprägt“, erklärt Christine Schöps. „Eine geschlechtersensible und klischeefreie Berufsberatung ist uns deshalb sehr wichtig.“ Sich Stereotypen überhaupt bewusst zu werden, sei ein erster Schritt. Praktische Erfahrungen zu sammeln, könne darüber hinaus helfen, eine Berufswahl frei von Geschlechterklischees zu treffen.  Als Beispiel nennt sie den Girls’ Day. An diesem Tag können Mädchen in Betriebe hineinschnuppern und Berufe oder Studienfächer kennenlernen, in denen der Frauenanteil unter 40 Prozent liegt, zum Beispiel in den Bereichen IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik.

Doch es tut sich etwas, das zeigt ein Zahlenbeispiel der IHK München und Oberbayern zu einem typischen „Männerberuf“: Gab es in ganz Bayern im Jahr 2014 unter den 273 Auszubildenden zu Brauern und Brauerinnen sowie Mälzern und Mälzerinnen nur 24 Frauen, war der Anteil im Jahr 2024 deutlich höher: Unter den insgesamt 306 Auszubildenden waren 66 Frauen, wie IHK-Pressereferent Florian Reil mitteilt.

Beim bundesweiten Girls’ Day können Mädchen in (noch) typisch männliche Berufe hineinschnuppern, so wie diese Schülerinnen im  Autostore-Bereich der Firma Ludwig Meister, einem  Handels- und Dienstleistungsunternehmen  für Antriebstechnik in Dachau.
Beim bundesweiten Girls’ Day können Mädchen in (noch) typisch männliche Berufe hineinschnuppern, so wie diese Schülerinnen im  Autostore-Bereich der Firma Ludwig Meister, einem Handels- und Dienstleistungsunternehmen für Antriebstechnik in Dachau. (Foto: Toni Heigl)

Die IHK unterstütze Aktionen und Initiativen, die Frauen in der Wirtschaft – in allen Bereichen – sichtbarer machen, betont Reil. Auch er nennt als Beispiel die bundesweiten Girls’ Days. „Darüber hinaus fördern und stärken wir Unternehmerinnen und machen uns dafür stark, dass mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen“, schreibt Reil. Viele erfolgreiche Unternehmerinnen hätten ihre Karriere auch mit einer Berufsausbildung begonnen.

Einen weiteren Aspekt betont Christine Schöps: „Es braucht auf jeden Fall Vorbilder.“ Was das betrifft, ist Marie-Theresa Schwarz genau die Richtige. Ihre Ausbildung hat sie mit Note 1,4 abgeschlossen – und damit als Beste aller Maschinen- und Anlagenführer und -führerinnen in ganz Oberbayern. Was kommt jetzt? Auch hier antwortet Marie-Theresa Schwarz ohne Zögern: Sie setzt noch ein Jahr drauf und wird dann die Prüfung zur Industriemechanikerin ablegen.

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