Und dann sagt Maduro einen Satz, den niemand erwartet | ABC-Z

Es ist 22.46 Uhr Ostküstenzeit am Freitagabend, als der US-Präsident in seinem Golfclub Mar-a-Lago in Florida seinen Soldaten den Einsatzbefehl gibt. „Viel Glück, Gott sei mit euch.“ Es ist der Beginn einer Militäroperation, von der Donald Trump Stunden später als der spektakulärsten seit dem Zweiten Weltkrieg schwärmen wird. In Caracas, Venezuela, ist es eine Stunde später, fast Mitternacht. In seiner schwer gesicherten Residenz in der venezolanischen Hauptstadt ahnt Präsident Nicolás Maduro nicht, was auf ihn zurollt. Es ist möglicherweise die letzte Nacht in Freiheit für den 63-jährigen autokratischen Herrscher.
Schon Monate vor dem Angriff auf Venezuela in der Nacht auf Samstag haben die Spannungen zwischen den USA und dem sozialistisch regierten Karibikstaat zugenommen. Trump und seine Administration werfen Maduro und seiner Regierung vor, für die Drogenschwemme in den USA verantwortlich zu sein. Der seit 13 Jahren herrschende Autokrat sei ein „Narco-Terrorist“, die Drogen „Massenvernichtungswaffen“. Seit fünf Jahren liegt eine Anklage des US-Justizministeriums vor, in der Maduro Drogen-Vergehen vorgeworfen werden. Ab September bombardieren die USA regelmäßig angebliche Drogenboote in den Gewässern vor Venezuela.
Venezuela: US-Geheimdienst CIA soll Maduro seit Monaten ausspioniert haben
Was nur wenige Eingeweihte wissen: Zu dieser Zeit operieren bereits US-amerikanische Spione in Venezuela. Sie bereiten eine Aktion vor, die nach den Kriterien des Völkerrechts illegal ist: die Entführung eines amtierenden Staatsoberhaupts aus seinem eigenen Land. Im August habe die CIA ein kleines Team im Land installiert, um Maduros Gewohnheiten, Aufenthaltsorte und Bewegungsmuster zu überwachen, berichtet der Nachrichtensender CNN. Eine Quelle in der venezolanischen Regierung habe den US-Auslandsgeheimdienst dabei unterstützt.
All das geschieht zu einer Zeit, in der die US-Administration Pläne für einen Regimewechsel dementiert. Der Kongress ist in die Angriffs- und Entführungspläne nicht eingebunden.

150 Luftfahrzeuge heben von 20 Orten ab, darunter Tarnkappenjets und Black Hawks
Nachdem Trump den Einsatzbefehl gibt, setzt sich eine gewaltige, gut geölte Militärmaschinerie in Gang. An der Operation „Absolute Entschlossenheit“ sind sämtliche Teilstreitkräfte, die CIA, die Abhörspezialisten der NSA, die geographischen Aufklärer der NGA und Beamte des Justizministeriums beteiligt, wie Generalstabschef Dan Caine später erklären wird. Grünes Licht für die Aktion hat es vom Präsidenten schon vor Weihnachten gegeben. Aufgrund schlechten Wetters müssen die Einsatzkräfte aber bis zu der Nacht von Freitag auf Samstag warten.
Von insgesamt 20 Orten heben Flugzeuge, Helikopter und Drohnen ab, insgesamt sind es laut Caine mehr als 150 Luftfahrzeuge. Darunter sind F-35-Tarnkappenjets, F-22-Luftüberlegenheitsjäger, EA-18-Flugzeuge für die elektronische Kampfführung, schwere B-1-Bomber, Helikopter der Typen Apache, Black Hawk und Chinook. Die Chinooks sollen Elitesoldaten der Delta Force ins Zielgebiet bringen, die Residenz Maduros in Caracas. Die Delta Force ist eine der beiden schlagkräftigsten Spezialeinheiten der US-Streitkräfte. Im Jahr 2019 haben Männer dieser Einheit Abu Bakr al Bagdadi getötet, den damaligen Führer des Islamischen Staates.

Die US-Helikopter fliegen sehr tief – Venezuelas Militär wird überrascht
Die Helikopter fliegen tief, gerade einmal 30 Meter über dem Meer und dem Boden. Als sie in den venezolanischen Luftraum eindringen, schalten die Kampfjets und Bomber die venezolanische Luftabwehr und militärische Kommunikationsinfrastruktur mit Luftschlägen aus. Die Venezolaner sind schwach aufgestellt, sie verfügen lediglich über veraltete russische S-300-und Buk-M2E-Abwehrsysteme – und sie werden offenbar völlig überrascht. Laute Explosionen erschüttern die Hauptstadt Caracas und reißen die Menschen aus dem Schlaf. Beim Anflug auf die Residenz geraten die Helikopter unter Feuer, einer wird getroffen, stürzt aber nicht ab.

Explosionen und Rauch über Caracas: Die USA überraschten Venezuela in der Nacht.
© AFP | JOSE ABREU
Gegen 2 Uhr venezolanischer Zeit erreichen die Helikopter die Residenz. Die Männer der Delta Force kennen das Gebäude gut. Sie haben den Einsatz in einer exakten Kopie des Gebäudes in Kentucky trainiert, berichtet die New York Times. Ähnlich wie die Navy Seals, die 2011 den damaligen Al-Kaida-Führer Osama bin Laden im pakistanischen Abbottabad aufspürten und töteten. Auch diese Spezialkräfte übten wochenlang in einem Nachbau des Gebäudes, in dem der Terrorfürst sich damals aufhielt.
In Venezuela haben die US-Spezialkräfte schwere Schweißbrenner dabei. Sie wissen von dem Sicherheitsraum mit den Stahltüren, in den sich Maduro flüchten könnte. Dazu aber kommt es nicht. Sie nehmen Maduro und seine Frau Cilia Flores fest, beide ergeben sich ohne Gegenwehr. Auf dem Rückflug kommt es immer wieder zu „Selbstverteidigungsgefechten“, wie Caine berichtet. Aber alle US-Truppen kommen heil raus.

Nicolás Maduro wird nach seiner Festnahme von zwei US-Soldaten eskortiert.
© ddp//WD / Polaris

Donald Trump: „Ich habe es buchstäblich wie eine Fernsehsendung gesehen“
Donald Trump verfolgt die Operation in Mar-a-Lago und ist aus dem Häuschen. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich konnte es in Echtzeit verfolgen und jeden Aspekt davon beobachten“, sagt er dem konservativen US-Fernsehsender Fox News. „Ich habe es buchstäblich wie eine Fernsehsendung gesehen.“

US-Präsident Donald Trump verfolgte mit Kriegsminister Pete Hegseth (links) und CIA-Direktor John Ratcliffe die Operation in seinem Resort in Mar-a-Lago in Florida.
© AFP | HANDOUT
Um vier Uhr venezolanischer Zeit landet der Helikopter mit dem entführten Ehepaar Maduro auf der USS Iwo Jima, die laut CNN daraufhin den US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay ansteuert. Dort befindet sich das berüchtigte Gefangenenlager, in dem bis heute 15 Terrorverdächtige teils seit Jahrzehnten ohne Anklage inhaftiert sind. Trump postet triumphierend ein Bild des Gefangenen an Bord des Schiffs, Maduro trägt Handschellen, eine Augenmaske.

US-Präsident Donald Trump postete das Foto von Nicolás Maduro, mit Handschellen gefesselt, die Augen verbunden und Kopfhörer über den Ohren.
© AFP | HANDOUT
Von Guantanamo aus geht es für Maduro und seine Frau weiter nach New York
Auf einer Pressekonferenz in Mar-a-Lago feiert der US-Präsident die Militäroperation, kündigt an, die USA würden Venezuela nun führen und die gigantischen Ölreserven des Landes nutzen; und er droht mit einer zweiten, noch größeren Angriffswelle, falls sich das Regime nicht wohlgefällig verhalte. Dass zahlreiche Länder, darunter Brasilien, Kolumbien, Mexiko, China, Russland oder der Iran, noch dazu die Vereinten Nationen und US-Demokraten den Angriff scharf verurteilen, stört Trump nicht. Er weiß: Die Operation war eine Machtdemonstration US-amerikanischer Militärgewalt, die einschüchtert.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nach der Ankunft in Guantanamo werden Maduro und Cilia Flores in ein Flugzeug verlegt, das am Samstagabend Ostküstenzeit auf der Steward Air National Guard Base etwa einhundert Kilometer von New York landet. Von dort geht es per Helikopter in die Ostküstenmetropole, wo dem gestürzten Präsidenten der Prozess gemacht werden soll.
Maduro: „Gute Nacht. Frohes neues Jahr.“
Das Weiße Haus veröffentlicht ein demütigendes Video, in dem Maduro zu sehen ist, wie er in Handschellen, einem schwarzen Jogginganzug und Badeschlappen von zwei Drogenfahndern der DEA zur Untersuchungshaft im Metropolitan Detention Center in Brooklyn geführt wird. „Gute Nacht. Frohes neues Jahr“, sagt der Venezolaner.

Ein Auszug aus dem Video, das das Weiße Haus veröffentlichte: Maduro in Jogginganzug und Badeschlappen: „Gute Nacht. Frohes neues Jahr.“
© AFP | –
Für ihn wird es kein frohes Jahr. Ihm und seiner Frau soll wegen Verschwörung zum „Drogen-Terrorismus“, Verschwörung zum Kokainschmuggel und Waffenbesitzes der Prozess gemacht werden. Beiden droht eine lebenslange Haftstrafe.














