Bayern: Die Sternsinger sind unterwegs – was das 20 C+M+B 26 bedeutet – Bayern | ABC-Z

Sie sind dieser Tage wieder in ganz Bayern unterwegs: Sternsingerinnen und Sternsinger, die Segen in die Häuser und Wohnungen bringen und Geld für ein soziales Projekt sammeln. Was hat es mit dem Brauchtum auf sich? Finden sich in Zeiten des Mitgliederschwunds bei der Kirche noch genügend Freiwillige?
Könige, Weise aus dem Morgenland oder Sternsinger – worum geht es überhaupt?
Am 6. Januar wird der Feiertag Dreikönig oder Epiphanias begangen. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Erscheinung“. Konkret wird an eine Passage aus dem Matthäusevangelium erinnert, wo es heißt, dass nach Jesu Geburt Männer nach Jerusalem gekommen sind, um den neugeborenen König der Juden zu suchen. Der Stern führt sie schließlich zu Jesus, dem sie Geschenke bringen.
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Weise aus dem Morgenland, Sterndeuter – die Übersetzungen sind hier uneinheitlich. Wie sie hießen? Wer genau sie waren? All das ist in der biblischen Überlieferung nicht zu finden. Aber das Brauchtum rund um den Tag ist lebendig. Im Volksglauben bekamen die Sterndeuter später die Namen Caspar, Melchior und Balthasar und dürfen in kaum einer Krippendarstellung fehlen.
Was steckt hinter der Sternsinger-Aktion der katholischen Kirche?
Die Kinder und Jugendlichen, die als Sternsinger-Gruppen rund um den 6. Januar in den Städten und Dörfern des Freistaats unterwegs sind, sammeln im Rahmen des Kindermissionswerks Sternsinger Geld für soziale Zwecke. In diesem Jahr geht es um die Bekämpfung der Kinderarbeit. Es werden unter anderem Projekte in Bangladesch unterstützt.
Beim Kindermissionswerk heißt es, das Sternsingen selbst gehe auf einen alten Brauch aus dem Mittelalter zurück. 1959 sei das Brauchtum wieder aufgelebt. „Heute gilt das Sternsingen als weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder.“ Bei der vorigen Aktion zum Jahreswechsel 2024/2025 sammelten die Gruppen allein im Erzbistum München-Freising 3,1 Millionen Euro; bundesweit waren es rund 48 Millionen Euro.
Wer bekommt Besuch?
Das hängt von den regionalen Gegebenheiten ab. In ländlichen Regionen ziehen die Gruppen traditionell von Haus zu Haus, egal, ob die Bewohner katholisch oder evangelisch sind, keiner Konfession oder einer anderen Glaubensrichtung angehören.
In Ballungsräumen ist das logistisch kaum zu stemmen. Dort sei es schon seit Jahren üblich, dass Sternsinger-Gruppen vornehmlich nach Voranmeldung in die Häuser und Wohnungen kommen, sagt Florian Hörlein, Landesvorsitzender des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ). Das habe aber rein praktische Gründe, keine inhaltlichen. Gerade in dicht besiedelten Gebieten seien nur so die Besuche zeitlich zu bewältigen.
Laut Anja Baumer-Löw, Referentin für Theologie und Spiritualität im Jugendpastoral vom Erzbistum Bamberg, hätten sich gerade durch die Corona-Pandemie auch neue Formen des Sternsingens etabliert: dass Sternsingerinnen und Sternsinger beispielsweise auf zentralen Plätzen stehen und dort eine Sammlung machen und Segensaufkleber verteilen.
Was schreiben sie an die Türen?
Zu einem Besuch einer Sternsinger-Gruppe gehört der Segen und ein Segensspruch, der mit Kreide an die Tür geschrieben wird: „20 C+M+B 26“ aktuell im Jahr 2026. Das steht nicht für die Anfangsbuchstaben von Caspar, Melchior und Balthasar. Die Buchstabenfolge geht vielmehr auf das Lateinische „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“) zurück.
Gibt es in Zeiten des Mitgliederschwunds bei der Kirche noch genügend Freiwillige?
400 Mädchen und Buben bei der Aussendungsfeier des Erzbistums Bamberg, 330 in Eichstätt, rund 1200 in Regensburg: Zahlreiche Sternsingerinnen und Sternsinger haben sich auch dieses Mal im Freistaat auf den Weg gemacht. Nach Einschätzung des BDKJ-Landesvorsitzenden Hörlein gibt es in den meisten Gemeinden in Bayern ausreichend Kinder und Jugendliche, die bei der Sternsinger-Aktion mitmachen. Allerdings: Da es immer weniger pastorales Personal gebe, werde es umso wichtiger, dass sich mehr Ehrenamtliche bei der Organisation engagierten, betont er.
Auch Anja Baumer-Löw aus Bamberg sagt, Sternsingen sei etwas, wofür sich immer noch viele Kinder und Jugendliche begeistern lassen. Allerdings seien gerade dieses Mal viele mit ihren Eltern im Urlaub, weil die Ferientage so arbeitnehmerfreundlich liegen.
Ist ein schwarzer König noch zeitgemäß?
In vielen Weihnachtskrippen ist einer der Könige schwarz. Jahrelang war auch bei den Sternsinger-Gruppen ein Kind dabei, das mit schwarzer Farbe geschminkt war. Die Empfehlung des Kindermissionswerks ist aber inzwischen eindeutig: Es sollte nicht geschminkt werden. „Stattdessen sagen wir: Kommt so, wie ihr seid!“ Es gehöre dazu, Traditionen „noch einmal anzuschauen und die Frage zu stellen: Ist es gut, dass wir so weitermachen?“





















