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Viele Tote und Verletzte: Was verursachte den Brand in Crans-Montana? | ABC-Z

Eine Silvesterfeier im Schweizer Bergort Crans-Montana ist in eine Katastrophe gemündet. Nach dem Ausbruch eines Brands im Kellergeschoss einer Bar kamen nach vorläufigen groben Schätzungen mehrere Dutzend Personen ums Leben. Rund hundert Personen erlitten zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat es sich nicht um einen Terroranschlag gehandelt, sondern um einen Unfall.

In einer Pressekonferenz am Neujahrsmorgen in Crans-Montana sprach der Walliser Regierungschef Mathias Reynard den betroffenen Familien sein Beileid aus. „Für einige Menschen hätte dieser Abend ein Moment des Feierns und des Zusammenkommens sein sollen, doch stattdessen wurde er zu einem Albtraum.“

Das Unglück ereignete sich in der auch bei Touristen beliebten Bar „Le Constellation“. Während einer Silvesterparty brach dort gegen 1.30 Uhr ein Feuer aus. Kurz nach dem Alarm trafen die ersten Polizeiwagen am Einsatzort ein, unmittelbar gefolgt von der Feuerwehr.

Feuer löste Verpuffung aus

Zu den Ursachen für den Brand konnte die Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud noch keine Aussage treffen. Man ermittle wegen des Verdachts der Brandstiftung. Die Vermutung, dass eine Explosion pyrotechnischen Materials zum Brand geführt haben könnte, bezeichnete sie als verfrüht. Es habe sich wohl um eine „allgemeine Entzündung“ im Inneren des Gebäudes infolge des Brandausbruchs gehandelt, sagte der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer. Das Feuer habe sich ausgebreitet und eine Verpuffung ausgelöst.

Zur Identität der Toten, unter denen sich vermutlich auch ausländische Feriengäste befinden, hielten sich die Ermittler noch bedeckt. Zum einen sind die Forensiker noch mit der Identifizierung beschäftigt, zum anderen gelte es auch Rücksicht auf die Angehörigen zu nehmen, die zunächst unterrichtet und psychologisch betreut werden sollen. Die Polizei hat eine Anlaufstelle für Angehörige und eine Hotline eingerichtet. Am Donnerstagnachmittag teilte das französische Außenministerium mit, dass sich zwei französische Staatsangehörige unter den Verletzten befinden.

Drei Millionen Besucher im Jahr

Crans-Montana liegt im Kanton Wallis auf 1500 Metern über dem Meeresspiegel und zählt zu den bekanntesten Wintersportorten der Schweiz. Das Dorf zählt durchschnittlich drei Millionen Besucher im Jahr, wobei die meisten aus der Schweiz kommen. Der Anteil der ausländischen Gäste beträgt rund 20 Prozent.

Bis in die frühen Morgenstunden waren rund 150 Rettungskräfte im Einsatz. Zehn Hubschrauber und 40 Krankenwagen brachten die Toten und Verletzten aus dem weiträumig abgesperrten Areal in die umliegenden Krankenhäuser, wobei die Kapazitäten in den Intensivstationen und Operationssälen im Kanton Wallis zum Teil nicht ausreichten. Einige Brandopfer wurden direkt in Spezialkliniken nach Zürich und andernorts geflogen.

Jene Verletzten, die sich derzeit auf Intensivstationen im Wallis in stabilem Zustand befinden, sollten so schnell wie möglich in große Universitätskrankenhäuser verlegt werden, um dort eine spezielle Behandlung für Schwerbrandverletzte zu erhalten, hieß es in der Pressekonferenz. Die lokalen Krankenhäuser appellierten an die Bevölkerung, riskante Aktivitäten zu vermeiden, um Kapazitäten für Brandopfer freizuhalten. Das dürfte vor allem an die zahlreichen Wintersportler gerichtet sein, die derzeit in den Walliser Bergen unterwegs sind.

Eine „schreckliche Tragödie“

Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin zeigte sich bestürzt über die „schreckliche Tragödie“: „Was ein Moment der Freude sein sollte, verwandelte sich am Neujahrstag in Crans-Montana in eine Trauer, die das ganze Land und weit darüber hinaus erfasst hat“, schrieb Parmelin auf der Plattform X. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich: „Meine Gedanken sind bei den trauernden Familien und den Verletzten. Der Schweiz, ihrem Volk und ihren Behörden übermittle ich die volle Solidarität Frankreichs und unsere brüderliche Unterstützung.“

Bei den Ermittlungen zur Ursache des Brandes werden die Walliser Behörden vom Forensischen Institut Zürich unterstützt. Im Internet veröffentliche Außenaufnahmen von Augenzeugen zeigen, wie Flammen im Inneren der Bar hochschlagen. Mehrere Französinnen, die an der Silvesterfeier teilgenommen hatten, berichteten gegenüber dem französischen Fernsehsender BFMTV, dass der Brand von einer sogenannten Flaschenfontäne ausgegangen sei, einem pyrotechnischen Objekt, das Kellnerinnen auf Champagnerflaschen platziert hätten.

Eine Frau, die auf den Schultern einer anderen getragen worden sei, habe die Flasche zu hochgehalten. Dadurch habe sich, als die Fontäne in die Höhe schoss, die Decke entzündet. Die Flammen hätten sich rasend schnell ausgebreitet. „Es herrschte absolute Panik, alle schrien“, erzählte eine der Französinnen.

Bar löscht Accounts in den sozialen Medien

Der Ausgang sei für die Menge flüchtender Menschen zu klein gewesen. Polizei und Feuerwehr seien innerhalb weniger Minuten eingetroffen. In einem Video im Internet ist tatsächlich zu sehen, wie die Decke oberhalb des Barausschanks in Flammen steht und wie schwarzer Rauch den Raum zu füllen beginnt.

Das Silvesterprogramm im „Le Constellation“ ist nicht mehr rekonstruierbar. Bereits am frühen Donnerstagmorgen waren die Facebook- und die Instagram-Seite der Bar gelöscht. Derweil hat die Polizei die Zugänge zu der Bar abgesperrt und Barrieren um das Gebäude gestellt, das sich Zentrum von Crans-Montana befindet. Das Lokal, das als Café und Nachtklub fungierte, war vor allem bei jüngeren Partygängern beliebt und bot Platz für rund 300 Gäste.

Abendveranstaltungen und Feiern fanden vor allem im Untergeschoss statt. Auf einer Bewertungsplattform gaben Gäste der Bar in der Kategorie „Sicherheit“ nur 6,5 von 10 Punkten. Die Bar wurde 2015 in Betrieb genommen und gehört einem französischen Ehepaar aus Korsika. Das Paar besitzt in der Region mehrere Lokale.

Der Walliser Staatsrat hat eine „besondere Lage“ ausgerufen. Die damit verbundenen rechtlichen Regelungen sollen dafür sorgen, dass möglichst rasch alle erforderlichen Einsatzmittel mobilisiert werden können.

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