Alle Jahre wieder an Silvester: Segensreiches Brauchtum in Türkenfeld – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Glaube, Dankbarkeit, Traditionspflege und Feierlaune sind in Türkenfeld am letzten Tag des Jahres vereint: Er beginnt mit dem Silvesterritt, und das seit mehr als 200 Jahren. Mehr als 1000 Zuschauer sind gekommen, um das alte Jahr ausklingen zu lassen. In den Vorgärten entlang der Hauptstraße und im Schlosshof wird gefeiert und mit Freunden auf das neue Jahr angestoßen.
Seit 1807, als der Heilige der Legende nach half, eine Viehseuche abzuwenden, wird Silvester an seinem Todestag in Türkenfeld besonders geehrt. Für viele Pferdehalter aus der Region ist es eine Selbstverständlichkeit, ihre Araber, Andalusier, Haflinger, Friesen oder Ponys herauszuputzen und sich und sein Tier im Verlauf des dreimaligen Vorbeiritts an der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt segnen zu lassen.
„Solange ich denken kann, bin ich schon dabei“, verrät Hans-Peter Schattmann, der in Pflaumdorf nahe dem Kloster St. Ottilien einen Ponyhof betreibt und mit 45 jungen Reitern über die Feldwege hergeritten ist. „Die jüngste Reiterin Ria ist vier Jahre alt“, erzählt er stolz, denn eigentlich sei ja Winterpause auf dem Hof. Leo Schmid aus Jesenwang empfindet es sogar als Ehre, sich mit einem Modell der Willibaldkirche auf einem Leiterwagengespann einzureihen, mit dem er, gezogen von zwei Pferden, zwei Stunden angereist ist.

Wie an den Kennzeichen der Pferdeanhänger zu erkennen ist, haben auch Reiter aus den Regionen Augsburg, Landsberg am Lech, Dachau, Starnberg, München und Weilheim trotz frostiger Kälte den sonnigen Silvestertag genutzt, um zur Bewahrung des Brauchtums beizutragen. Pünktlich zum Zwölf-Uhr-Läuten setzt sich der Festzug vom Schulhof Richtung Pfarrkirche in Bewegung. Beate Maier vom Türkenfelder Pferdehof führt den Festzug als „Kreuzreiterin“ an, Blaskapelle und Blasorchester des örtlichen Musikvereins begleiten ihn musikalisch, der Ortsobmann des Bauernverbandes Michael Klaß trägt die Figur des heiligen Silvesters mit, die das Jahr über im Rathaus ausgestellt ist, und der Obst- und Gartenbauverein zeigt stolz eine Statuette der heiligen Dorothea.

Mehr als hundert Reiter und ein halbes Dutzend Gespanne können Pfarrer Maurus Mayer und Diakon Stephan Weis diesmal den Segen geben. Zum ersten Mal dabei ist Familie Merkl aus Adelshofen mit einem historischen Jagdwagen, zudem werden Kutschen sowie Motivwägen mit Modellen der Pfarrkirche, der Krieger-Gedächtniskapelle sowie des „Fugger-Schlosses“ mitgeführt, und alle Ortsvereine sind mit Fahnenabordnungen dabei. Auch einige Vierbeiner von Mitgliedern des Hundevereins bekommen den Segen.

Bürgermeister Emanuel Staffler lobt das Engagement der Pferdehalter für die Bewahrung des Brauchtums und dankt allen Helfern, „die zum Gelingen des großen Festes beitragen“. Der heilige Silvester ist nämlich auch Gemeindepatron. Angeblich hat er im Zuge der Gemeindegebietsreform vor rund 50 Jahren das Flehen erhört, dass Türkenfeld als Kommune selbständig bleiben kann und nicht Teil einer Verwaltungsgemeinschaft wird. Pfarrer Mayer appelliert an die Menschen, „wie der heilige Silvester, der im Übergang vom Heiden ins Christentum gelebt hat, mit Zuversicht ins neue Jahr zu gehen“.





















