Roadtrip durch die USA: Eine verlorene Kindermütze und die kuriosen Folgen – Panorama | ABC-Z

Mitten in … Flagstaff
Die einjährige Tochter hat ihre Mütze verloren. In einem unbemerkten Moment muss sie das senfgelbe Teil vom Kopf gerissen haben. Und wir Eltern ärgern uns nicht zum ersten Mal in diesem Urlaub: Was haben wir auf unserem Roadtrip durch den amerikanischen Südwesten nicht schon alles verloren? Trinkflasche eins. Den linken Kinderschuh. Trinkflasche zwei. Bis auf die erste Trinkflasche ist aber alles wieder aufgetaucht. Vielleicht haben wir auch diesmal Glück. Also begibt sich mein Mann auf Spurensuche und geht die Strecke vom Coffeeshop, wo wir den Verlust bemerkt haben, zu unserem Motel ab. Doch nirgendwo liegt eine Kindermütze auf der Straße. Als er schon wieder umdrehen will, kreuzt ein Obdachloser seinen Weg. Der Mann trägt etwas Senfgelbes auf dem Kopf, das ihm viel zu klein ist. Ohne Protest rückt er die Mütze wieder raus. Ann-Kathrin Nezik
Mitten in … Helsinki
Im Allas, einer schwimmenden Sauna im Hafen von Helsinki, herrscht Hochbetrieb. Geschäftsleute, Frauengruppen, Touristen treffen sich hier zum gemeinschaftlichen Schwitzen. Die finnische Saunakultur ist anders als in einem deutschen Kurhotel. Alle tragen Badehose, es wird geredet und getrunken. Ruheraum? Gibt’s nicht. Angeblich wohnt in einer finnischen Sauna der Saunatonttu, ein Elf, der über das Benehmen der Besucher wacht. Lärm, Schimpfwörter, offen gelassene Türen werden vom Saunatonttu missbilligt. Besonders schlimm ist es, den Löyly zu stören, den Aufguss. Doch in der Allas-Sauna geht es gar nicht anders, denn eine entschlossen dreinblickende Finnin haut Schöpfkelle nach Schöpfkelle auf den Ofen – bis man es nicht mehr aushält, die Tür aufreißt und flüchtet. Entweder der Saunatonttu hat an diesem Abend frei, oder er hat ebenfalls kapituliert. Titus Arnu

Mitten in … Windhoek
Abends an einer Tankstelle in Windhoek. Das Mietauto wird gerade gewaschen, da gesellt sich ein schmaler Mann im Anzug zu einem. „Ah, Springbok“, sagt er. Er deutet auf die Südafrika-Kappe, die allerdings keinen Springbock zeigt. Doch die Antilope teilt ihren Namen mit der auch in Namibia verehrten südafrikanischen Rugby-Mannschaft. Der Mann zündet sich eine Zigarette an, die „Springboks“ scheinen ihn zu bewegen. „Sie sind sehr stark“, sagt er. Wie das Tier. Das liege an ihrer „Gewinnermentalität“, von der könne man lernen. Im Laufe seines Monologs wird er immer leiser, nachdenklich, spricht nur noch in die Nacht hinein. Schließlich schnipst er die Kippe weg, seine Stimme hebt sich wieder: „Well, good day, Sir!“ Und geht – offenbar ist er ohne Auto da – mit langen, hüpfenden, um nicht zu sagen antilopenhaften Schritten in die dunkle Stadt. Joshua Beer
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