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Fußball-Weltverband: Gianni Infantino im Jahr 2026 – Sport | ABC-Z

Ein Sachbuch namens „Gianni Infantino, die Faszination des Bösen“ sollte sich wohl zum Bestseller eignen. Die Attraktion ist offensichtlich: In seinem Leben als Präsident des Fußball-Weltverbandes geht es um Macht und Geld, um Machenschaften und mutmaßlich dunkle Energien. Infantino, 55, herrscht über das größte Imperium der Welt, das Reich von König Fußball. Diese Formulierung würde ihm übrigens sehr gut gefallen, denn er beschreibt den Fußball gern als Weltreligion, deren Gläubige noch in den hintersten Winkeln der Zivilisation zu finden seien. Allerdings würde er sich nicht als Herrscher, sondern als Diener bezeichnet wissen wollen. Ergebener Diener, würde er wahrscheinlich in gespielter Devotheit hinzufügen.

Literarisch faszinierende Merkmale wie Größen- und Herrscherwahn oder die Neigung zu Emotion und Willkür werden von Infantino nicht bedient, dagegen steht ein Machtinstinkt, der mit Opportunismus und Prinzipienlosigkeit arbeitet. Man mag bei seinem Anblick an Figuren wie Supermans Gegenspieler Lex Luthor oder die Verbrecher-Karikatur Doctor Evil denken, an einen Superschurken unter den Superfunktionären – es bleibt allerdings eine leere Assoziation. Was er tut, beruht auf Berechnung und Ratio. Infantino bekämpft seine Gegner, indem er sie austrickst. Und bringt sie zum Schweigen, indem er mit dem Fußball erfolgreich Geschäfte macht. Für das nun beginnende WM-Jahr 2026 kann er guten Gewissens Rekorderträge verheißen – falls er ein Gewissen besitzt. Gesehen hat es noch keiner.

So ziemlich jeder hat stattdessen erkannt, dass es der Gipfel des Zynismus war, Donald Trump den Friedenspreis der Fifa zu verleihen. Bloß Infantino setzte dazu das souveräne Lächeln des Quizshow-Moderators auf, der keine Skrupel vor Geschmacklosigkeit und moralischer Leere kennt. Wenn Trump, wie öfter gesagt wird, dem römischen Kaiser Nero gleicht, nimmt Infantino die Rolle des Günstlings Tigellinus ein. Den Mächtigen schamlos zu schmeicheln, gehört zu seinen Talenten und Methoden.

Zwar scheint Infantino selbst längst wie ein Diktator zu regieren, was zum Beispiel zu erleben war, als er im Alleingang die WM 2034 nach Saudi-Arabien lotste, doch es ist eine Despotie, die nach außen keine Aggression und Repression erkennen lässt. Gab es keine Einwände gegen das Manöver? Selbstverständlich gab es sie. Doch niemand trat hervor und plädierte für eine Alternative, und Infantino durfte seinen Glaubenssatz verkünden: „Wir wollen die Welt vereinen mit dem Fußball, durch den Fußball.“

Wie soll man jemanden stilisieren oder karikieren, der das selbst schon ständig macht?

Die Banalität seiner theologischen Botschaften ist programmatisch. Als er kürzlich auf der Bühne eines Business-Forums in Miami interviewt wurde, hat er mitten im Gespräch dem Moderator einen Ball zugeworfen, der auf einem Tisch zwischen ihnen gelegen hatte. Bevor ihm der Ball gegen den Kopf flog, fing ihn der Moderator lächelnd auf, doch Infantino beschwor einen erleuchtenden Moment: „Sehen Sie“, rief er dem Publikum zu, „wie er lächelt und sofort glücklich ist? Ein Ball ist nicht nur ein Ball, er ist ein magisches Objekt.“

Später berichtete er von seinen vielen Reisen, 180 Länder habe er besucht, und einige Ziele stünden noch aus. Doch bevor der Moderator ihn für sein Bemühen loben konnte, hatte Infantino bereits verraten, was ihn so antreibt, nämlich: „Jedes Lächeln eines Kindes, das gegen einen Fußball tritt, gibt mir die Energie, noch mehr zu tun.“ Das hat er nicht ernsthaft gesagt? Doch, das hat er, und er hat auch gesagt, dass es „keine Impfung gibt, wenn jemand den Fußball-Virus hat“. Besser, man gewöhnt sich an diese Redensarten, denn 2026 wird ein Infantino-Jahr werden, und er wird die ganze Welt mit auf seine Kaffeefahrt nehmen und ihr Heizdecken und Küchengeräte andrehen.

Und was den Plan mit dem Bestseller angeht: Wie soll man jemanden stilisieren oder karikieren, der das selbst schon ständig macht?

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