Von Geistern und dem Teufel zwischen Amper und Lech – Fürstenfeldbruck | ABC-Z

Überall auf der Welt gibt es unheimliche Orte, an denen es spukt: in Wäldern und Mooren, an Flüssen und Seen, auf Bergen und in Höhlen, alten Burgen und Ruinen, wo Nebelschwaden wabern und Käuzchen schreien, oder Wegkreuze stehen, wie jene bei Galgen. Ein früher Experte, der bayerische Volkskundler Karl Freiherr von Leoprechting (1818-1864), nannte sie „enterische“, also jenseitige Orte. Dort tummeln sich Hexen und Kobolde, allerlei Gespenster, Untote sowie der Teufel höchstpersönlich in vielerlei Gestalt.
Durch die Wälder tobt in der Adventszeit und in den zwölf Nächten zwischen Heiligabend und Heilig-Drei-König die wilde Jagd, die Nachtgloat, feurige Reiter in vollen Rüstungen, geleitet von Hunden und Nachtvögeln. Man vermeint das Stampfen, Wiehern und Schnauben der Pferde, den Klang von Hörnern, Rufen und Schreien zu hören oder auch das markerschütternde Gebell von Geisterhunden bei Germering und Luttenwang, in Eismerszell und Emmering.
Jahrzehntelang hat Annemarie Strähhuber solche Geschichten gesammelt, von Zeitgenossen und aus alten Büchern, und auf dem Jexhof im Rahmen der beliebten Geisterstunden ihrem Publikum vorgetragen. Der alte Einödhof, der heute ein Bauernhofmuseum beherbergt, ist selbst so ein verwunschener Ort, rundum sollen der Räuber Kneißl und der bayerische Hiasl ihr Unwesen getrieben haben.
Die Grusel- und Spukgeschichten, die Sagen und Legenden aus dem Brucker Land und dem angrenzenden Lechrain hat Strähhuber nun in Buchform veröffentlicht, ansprechend gestaltet von ihrer Tochter, der Künstlerin Ruth Strähhuber, und herausgegeben vom Vorstand des Fördervereins Jexhof.
Teilweise hat Strähhuber die Geschichten im Dialekt wiedergegeben, wie sie ihr von Männern und Frauen erzählt wurden, oft mit Erklärungen versehen, um die Legenden einzuordnen. Diese sind zwar Produkte blühender Fantasie, verweisen aber oft auf das richtige Leben mit seinen Abgründen.
So war das Verrücken des Feldsteins, der die Grenze zwischen zwei Grundstücken markierte, ein schweres Vergehen, zumal in einer Agrargesellschaft, in der Grund und Boden die wichtigsten Produktionsmittel waren. Das kriminelle Verhalten war aber in Zeiten ohne exakte Vermessung schwer nachweisbar.
Früher warnte man Kinder vor der Mooskuh im Ampermoos
Die eingebildete Strafe für Übeltäter, auch Übermarcher genannt, bestand in der Annahme, sie fänden nach dem Tod keine Ruhe, sie seien verdammt, als Zombies umherzuwandeln, auf dem Parsberg bei Puchheim oder als kopfloses Gespenst bei Rottbach. Gleiches gilt für Mörder, Selbstmörder und Ehebrecher. In diese Kategorie fällt der Wildmoorgeist, der Müller von Wildenroth oder sein Knecht, die im 17. Jahrhundert dessen Ehefrau ermordet haben sollen.
Nicht selten spielen die Mächte der Finsternis Männern übel mit, die von einem Saufgelage nach Hause torkeln, wie jene beiden Herren, die bei Pitzling von einem unsichtbaren Wesen ereilt wurden. Manchmal ging es vermutlich darum, ein bestimmtes Verhalten durch gespenstische Drohkulissen zu erreichen. So hat man früher Kinder in Grafrath davor gewarnt, allein ins Ampermoos zu gehen. Man erzählte ihnen die Geschichte von der Mooskuh, die dort ihr Unwesen treibe. Dieser Geist soll das angstvoll-mitleiderheischende Brüllen einer Kuh imitiert und damit manchen Ortsunkundigen vom Weg gelockt haben, der auf Nimmerwiedersehen im Sumpf verschwand. Tatsächlich gleicht der Ruf der großen Rohrdommel dem einer Kuh. Und das Dampfschiff Marie Therese bekam vor 100 Jahren den Spitznamen Mooskuh wegen des muhenden Tones seiner Sirene.

Manche Geschichte verweist auf historische Ereignisse. So soll im Schwedenkrieg der Anführer einer kleinen Truppe von Landsknechten nachts sein Ross, einen Schimmel, in das Kirchlein mitten im Wald bei Brandenberg gesperrt haben. Als sie ums Feuer saßen und zechten, wurden sie von bayerischen Soldaten überfallen. Sie flüchteten und ließen den Schimmel zurück, der in der Kirche vor Hunger und Durst verendete. Bis heute, so die Legende, hört man nachts ein Wiehern aus der Kirche.
Manchmal regen markante Bodendenkmäler wie der Dreiherrenstein bei Kottgeisering oder der Teufelsstein bei Grafrath die Fantasie an. Letzterer, heißt es, ist ein Findling, mit dem der Teufel die Wallfahrtskirche des heiligen Rasso zerschmettern wollte. Er ließ sich von einer alten Bäuerin narren, die ihm weismachte, er habe sich verlaufen. Voller Wut soll Satan den Stein auf die Erde geworfen haben.
Annemarie Strähhuber „Am Jexhof erzählt. Sagenhaftes aus dem Brucker Land, dem Lechrain und drumherum“, mit Illustrationen von Ruth Strähhuber, herausgegeben von Reinhard Jakob, Jexhof 2025, 107 Seiten.





















