Forscher modellieren H5N1-Pandemie bei Menschen – „Gefahr ist real“ | ABC-Z

Die Vogelgrippe bereitet Forschern weltweit seit Jahren Sorgen. Das Influenzavirus H5N1 befällt vor allem Vögel, kann aber auch auf Menschen überspringen. Noch ist das selten – doch neue Daten und eine aktuelle Studie aus Indien zeigen, wie schnell sich die Lage ändern könnte – und warum im Ernstfall jede Stunde zählt.
H5N1 gehört zur Familie der Grippeviren. Es ist in vielen Teilen Asiens verbreitet und zirkuliert weltweit unter Wild- und Nutzvögeln. Immer wieder stecken sich auch Menschen an, meist nach engem Kontakt mit infiziertem Geflügel. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden von 2003 bis August 2025 weltweit 990 bestätigte Infektionen beim Menschen gemeldet. 475 der Erkrankten starben – das entspricht einer sehr hohen Sterblichkeitsrate. Die meisten Fälle traten jedoch vereinzelt auf, eine dauerhafte Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es bislang nicht.
Trotzdem wird die Entwicklung genau beobachtet. Denn sollte sich das Virus an den Menschen anpassen, könnte daraus eine neue Pandemie entstehen.
Arbeitsplätze, Schulen und Märkte: Forscher wählen realistische Simulation
Daher haben zwei Forscher der „Ashoka University“ ein Computermodell entwickelt, das simuliert, wie sich ein H5N1-Ausbruch beim Menschen entwickeln könnte, und wie er sich noch stoppen ließe. Die Studie wurde im Fachjournal „BMC Public Health“ veröffentlicht.
Dafür wählten die Wissenschaftler ein realistisches Beispiel: ein Dorf im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, einer Region mit besonders vielen Geflügelfarmen. In der Simulation lebten dort knapp 10.000 Menschen, mit Haushalten, Arbeitsplätzen, Schulen und Märkten.
Das zentrale Ergebnis der Studie lässt sich einfach zusammenfassen: Entscheidend ist, wie früh die Behörden reagieren. Schon bei zwei bis zehn erkannten Infektionen kann sich das Virus laut Modell unbemerkt weiterverbreiten. Wird jedoch bereits bei den ersten zwei Fällen gehandelt, lässt sich der Ausbruch mit hoher Wahrscheinlichkeit eindämmen. Warten die Behörden dagegen, bis etwa zehn Fälle bekannt sind, ist es meist zu spät. Dann hat sich das Virus oft schon in der breiten Bevölkerung festgesetzt.
Welche Maßnahmen helfen – und welche kaum?
Die Forscher testeten verschiedene Strategien:
- Keulung von Vögeln: Sie ist wirksam, solange das Virus noch nicht auf den Menschen übergesprungen ist
- Isolation und Quarantäne: Diese Maßnahmen können die Ausbreitung stoppen, wenn sie sehr früh greifen.
- Gezielte Impfungen: Sie helfen langfristig, ändern aber kurzfristig wenig am hohen Ansteckungsrisiko innerhalb von Haushalten.
Problematisch ist der richtige Zeitpunkt. Wird eine Quarantäne zu früh verhängt, verbringen Familien viel Zeit auf engem Raum. Das kann die Ansteckung innerhalb des Haushalts sogar begünstigen. Kommt sie zu spät, bremst sie den Ausbruch kaum noch.
„Nicht jeder Stamm ist gleich wirksam“: Wissenschaftlerin warnt vor Fehlinterpretation
Andere Wissenschaftler mahnen zur Vorsicht bei der Interpretation. Seema Lakdawala, Virologin an der „Emory University“, weist gegenüber der BBC darauf hin, dass das Modell von einer sehr effizienten Übertragung ausgeht. „Die Übertragung ist komplex, und nicht jeder Stamm ist gleich wirksam“, sagt sie gegenüber dem britischen Sender. Zudem zeige neuere Forschung, dass nicht alle Infizierten das Virus gleichermaßen weitergeben. Oft seien es nur wenige Menschen, die besonders viele andere anstecken. Ein Effekt, der auch von der Corona-Pandemie bekannt sei.
Trotz aller Unsicherheiten gehe Lakdawala davon aus, dass eine H5N1-Pandemie weniger chaotisch verlaufen würde als Covid-19. „Das liegt daran, dass wir besser auf eine Grippepandemie vorbereitet sind“, erklärt sie weiter. Es gebe antivirale Medikamente, die gegen H5N1 wirken, und bereits entwickelte Impfstoffkandidaten, die schnell eingesetzt werden könnten.
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Gleichzeitig warnt sie vor falscher Sicherheit. Sollte sich H5N1 dauerhaft beim Menschen etablieren, könne es sich mit bestehenden Grippeviren vermischen. Die Symptome der Vogelgrippe beim Menschen ähneln einer schweren Grippe: hohes Fieber, Husten, Halsschmerzen, Muskelschmerzen und gelegentlich Bindehautentzündung. Manche Menschen zeigen gar keine Symptome.














