ZF verkauft Fahrerassistenzsysteme an Harman – Wirtschaft | ABC-Z

Der kriselnde Autozulieferer ZF verkauft sein Geschäft mit Fahrerassistenzsystemen an die Samsung-Tochter Harman International. Die Sparte für Advanced Driver Assistance Systems (ADAS) werde in dem Geschäft mit 1,5 Milliarden Euro bewertet, teilte ZF am Dienstag mit. ZF-Chef Mathias Miedreich sprach von einem wichtigen Meilenstein in der strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Harman-Chef Christian Sobottka sagte, die Vereinbarung sei eine strategische Erweiterung des Portfolios um ADAS-Funktionen.
Harman übernimmt das Geschäft mit Rechnern, Kameras, Radartechnologie und Fahrerassistenz-Software. Die Kombination mit dem Harman-Geschäft für digitale Cockpit-Lösungen schaffe die Grundlage für zukünftige zentrale Rechenlösungen, die assistiertes und automatisiertes Fahren, Sicherheit und Nutzererlebnisse auf einer gemeinsamen Plattform zusammenführten, erklärte das Unternehmen. Autobauer setzen vor allem bei Elektroautos auf „Software-Defined Vehicles“, die anders als herkömmliche Fahrzeuge über wenige zentrale Rechner gesteuert werden.
Konzentration für ZF, Diversifizierung für Samsung
ZF ist nach großen Übernahmen in der Vergangenheit hoch verschuldet. Das Geld aus dem Verkauf der ADAS-Sparte mit rund 3750 Mitarbeitern weltweit solle zum Schuldenabbau genutzt werden, sagte Miedreich. Ende September lag die Verschuldung bei etwa 10,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen befindet sich derzeit im Umbau. Nicht profitable Projekte würden neu aufgestellt, sagte Finanzchef Michael Frick. Die bereinigte Ebit-Marge und der bereinigte Free Cashflow im laufenden Geschäftsjahr dürften dabei in der oberen Hälfte der aktuellen Prognose liegen. ZF sagt für 2025 eine Marge zwischen drei und vier Prozent und einen Barmittelzufluss von mehr als 500 Millionen Euro voraus.
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research in Bochum, sprach von einem Win-Win-Deal für beide. Samsung baue sein Geschäft für das Smart Cockpit weiter aus, was ein wichtiger und wachsender Geschäftsbereich sei, sagte er. Für ZF sei der Verkauf ein wichtiger Schritt zur Entschuldung. „Für die Mitarbeiter in Koblenz dürfte das eine schöne Geschichte werden, denn Samsung ist ein großer Konzern, der sehr langfristig plant und agiert.“
Für Samsung bedeutet die Übernahme einen weiteren Schritt, die von Smartphones und Speicherchips dominierte Produktpalette zu diversifizieren. Den Telematik-Markt sehen Analysten dabei als lohnend an. „Der Erwerb eines auf Fahrerassistenzsysteme spezialisierten Zulieferers sollte positiv gesehen werden“, sagte Jeff Kim von KB Securities. Harman-Chef Sobottka sieht die Branche an einem Wendepunkt, „an dem Sicherheit, Intelligenz und das Fahrerlebnis im Innenraum durch eine einheitliche Computerarchitektur miteinander verbunden werden müssen.“





















