Kultur

Ski-Alpin-Star Marco Odermatt siegt in Gröden | ABC-Z

Große Sprünge sind kein Kriterium für Erfolg. Zumindest nicht in der alpinen Abfahrt. Justine Murisier landete nach seinem weiten Satz über die „große Mauer“ in Gröden erst nach 52 Metern wieder auf den Skiern – „Schanzenrekord“ – doch im Ziel der verkürzten Schussfahrt an diesem Donnerstag auf der „Saslong“ belegte der Schweizer nur Rang 22.

Auch Höchstgeschwindigkeit war nicht das Wichtigste: Dominik Paris wurde in der schnellsten Passage mit 124,9 Kilometern pro Stunde geblitzt. Am Ende der 2415 Meter langen Strecke im Schatten des Langkofels fehlten dem Südtiroler bei seinem Heimrennen aber 0,19 Sekunden auf den Sieger: Rang drei.

Frühere Erfolge wiesen schon gar nicht auf aktuelle Siege hin. Fünf ehemalige Sieger standen auf der Startliste: doch neben Paris, der 2023 gewonnen hatte, konnten auch seine Vorgänger Vincent Kriechmayr aus Österreich (diesmal Rang 24), Bryce Bennett (USA/39.) und Aleksander Aamodt Kilde (Norwegen/42.) heuer nicht reüssieren. Max Franz, Gewinner von 2016, durfte sogar nur als Vorläufer starten. Doch für den Österreicher war schon dies ein Erfolg, hatte er doch die vergangenen drei Winter verletzungsbedingt aussetzen müssen.

Auf der Strecke, deren wichtigste Kriterien als „Kamelbuckel“ und „Ciaslat-Wiese“ in den alpinen Sprachgebrauch übergegangen sind, kam einer am besten zurecht, der in dieser Saison schon eine Art Abonnement auf erfolgreiche Fahrten abgeschlossen hat. „Der Odi hat’s gut hinbekommen“, lobte Paris den Sieger – und erklärte auch warum: „Gutes Mittelmaß war gefragt.“ Man könnte diesen Spruch als vergiftetes Lob begreifen, doch Marco Odermatt als „mittelmäßig“ zu bezeichnen, war nicht im Sinne seines Konkurrenten – „nicht zu frech und nicht zu vorsichtig“ war das Maß, das Paris meinte.

Skifahren wie ein Schweizer Uhrwerk

Der viermalige Gesamt-Weltcupsieger Odermatt fand wie schon im Vorjahr die beste Linie über die zahlreichen Bodenwellen, Buckeln und Kuppen sowie das richtige Maß an Frechheit, um die Kurven und Sprünge in der schnellstmöglichen Zeit zu absolvieren. Von acht Weltcup-Rennen, die er in dieser Saison in Abfahrt, Super-G oder Riesenslalom absolvierte, gewann er nun sein fünftes. Rang zwei ging diesmal an seinen Teamkollegen Franjo von Allmen.

Insgesamt war es der 50. Weltcup-Sieg für Odermatt. Und dieses kleine Jubiläum feierte der 28-Jährige ausgerechnet in der 1000. Abfahrt in der Geschichte des alpinen Ski-Weltcups.

Kontinuität könnte ein Kriterium für den Erfolg sein. Denn der Schweizer Odermatt, der Ski fährt wie ein Uhrwerk, ist seit 2010 auf Brettern der Traditionsmarke Stöckli unterwegs. Jüngst hat er seinen Vertrag bis zur Saison 2029/2030 verlängert. Seit 2016 vertraut er zudem seinem Servicemann Chris Lödler, ebenso lange seiner Mentaltrainerin Monika Wicki-Hess. Die erklärte jüngst dem Schweizer „Tages-Anzeiger“, ihr Einfluss auf den perfekten Spitzensportler sei gering, es sei schwierig, „ihm noch irgendetwas beizubringen“.

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