Geopolitik

Statistisches Bundesamt: Jugendämter verzeichnen neuen Höchststand bei Kindeswohlgefährdungen | ABC-Z

Die Zahl der erfassten Kindeswohlgefährdungen in Deutschland hat 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stellten die Jugendämter 2024 bei rund 72.800 Minderjährigen eine solche Gefährdung fest. Das entspricht einem Anstieg um 31 Prozent oder 17.300 Fälle binnen fünf Jahren. 2019 waren es noch rund 55.000 Fälle gewesen.

Auch im Vergleich mit dem Vorjahr nahm die Fallzahl laut der Statistik deutlich zu: 2023 waren es noch 63.700 erfasste Kindeswohlgefährdungen gewesen. Da damals aber mehrere Jugendämter keine Daten liefern
konnten, hatte das Statistische Bundesamt die Fallzahl geschätzt und ging für 2023 von etwa 67.300 Kindeswohlgefährdungen aus. Gegenüber diesem Schätzwert stieg die Fallzahl nun um acht Prozent.

Im Vorfeld prüften die Jugendämter 2024 rund 239.400 Verdachtsfälle. Damit nahmen die sogenannten Gefährdungseinschätzungen
binnen fünf Jahren um 38 Prozent zu. Ihre Anzahl erreichte ebenfalls einen
neuen Höchststand. Kindeswohlgefährdung liegt in Deutschland dann vor, wenn eine erhebliche
Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines
Kindes
droht oder bereits eingetreten ist. In
Verdachtsfällen sind die Jugendämter verpflichtet, das
Gefährdungsrisiko und den Hilfebedarf abzuschätzen und dem
entgegenzuwirken.

Was erleiden Deutschlands Kinder?

Der häufigste Grund, den die Jugendämter für Fälle von Kindeswohlgefährdung dokumentierten, waren mit 58 Prozent Anzeichen von Vernachlässigung. In 37 Prozent notierten sie Hinweise auf psychische Misshandlung. In 28 Prozent der Fälle gab es der Statistik zufolge Indizien für körperliche Misshandlung, in sechs Prozent für sexuelle Gewalt. Jungen waren laut Statistischem Bundesamt von Vernachlässigungen (53 Prozent) und körperlichen Misshandlungen (51 Prozent) etwas häufiger betroffen als Mädchen. Mädchen wiederum mussten demnach öfter psychische Misshandlung (51 Prozent) und sexuelle Gewalt (67 Prozent) erleiden.

Die meisten Hinweise auf eine Gefährdung von Kindern kamen mit 31 Prozent von
Polizei und Justiz, mit 21 Prozent aus der Bevölkerung, also von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonym. Dahinter folgen die Kinder-, Jugend- oder Erziehungshilfe
(13 Prozent) und die Schulen (zwölf Prozent). Nur in
etwa einem Zehntel der Fälle stammten die Hinweise aus den Familien
selbst, also von den betroffenen Minderjährigen (zwei Prozent) oder
deren Eltern (sieben Prozent).

Gefährdete Kinder im Schnitt 8,3 Jahre alt

52 Prozent und damit etwa jedes zweite Kind, das gefährdet ist, war 2024 jünger als neun Jahre. Jedes dritte Kind war sogar jünger als sechs
Jahre. Im Schnitt lag das Alter bei 8,3 Jahren. 38 Prozent der betroffenen Minderjährigen wuchsen bei den Eltern und 37 Prozent bei einem alleinerziehenden Elternteil auf. 14 Prozent lebten bei einem Elternteil in neuer Partnerschaft und zehn Prozent in einem Heim, bei Verwandten oder an einem anderen Ort.

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