Fußballprofi Querfeld mit Mut und Hafermilch | ABC-Z

Ein kleiner Löffel Proteinpulver, das ist die geheime Zutat. Nur so wenig, dass es gerade für den Geschmack reicht. Dazu ein kräftiger Schuss Hafermilch. Rein in den Milchschäumer, und fertig ist der Cappuccino nach Art von Leopold Querfeld. Eine nicht ganz alltägliche Kombination, gewiss. Aber der junge Mann weiß, was er macht.
Leopold Querfeld ist der Sohn von Irmgard und Berndt Querfeld, die zu den berühmtesten Kaffeehausbetreibern der für ihre Kaffeehäuser berühmten Stadt Wien zählen. Zu ihren Einrichtungen gehört unter anderem das Café Landtmann, ein beliebter Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen. Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ schrieb einmal über die Familie: „Die Querfelds sind in Wien eine Institution. Ihr Bekanntheitsgrad liegt irgendwo zwischen Stephansdom, Riesenrad und Allianz-Stadion.“ Die ersten Cafés in der Stadt hatten Querfelds Großeltern eröffnet.
In dieser Familiendynastie ist Leopold Querfeld gerade dabei, sich seinen eigenen Namen zu machen. Und zwar nicht als Kaffeespezialist, sondern als Fußballer. Der 21 Jahre alte Österreicher hat sich beim 1. FC Union Berlin zur Stammkraft entwickelt. In der von Trainer Steffen Baumgart favorisierten Dreierkette gibt er meist den zentralen Verteidiger. Flankiert wird er dabei in der Regel von Diogo Leite und Danilho Doekhi, beide sind deutlich erfahrener. Doch trotz seines jungen Alters schwingt sich Querfeld gerade zum Abwehrchef auf. Für Union ist das ein Glücksfall, denn die Verträge von Leite und Doekhi laufen am Saisonende aus. Beide werden den Klub spätestens dann wohl verlassen.
Zwei Elfer gegen Neuer und ein Tor des Monats
„Man sieht Leo seine 21 Jahre nicht immer an“, sagte Trainer Steffen Baumgart vor Kurzem nach dem 2:3 im Pokal gegen den FC Bayern. In diesem Spiel hatte Querfeld beide Tore für die Berliner erzielt, beide per Elfmeter – damit wurde er zum ersten Spieler überhaupt, der in einem Spiel zweimal vom Punkt gegen Manuel Neuer traf. „Ich habe mir vorgenommen, dass ich Verantwortung für die Mannschaft übernehme und cool bleibe unter Druck“, sagte Querfeld. Zuvor hatte er noch nie als Profi einen Elfmeter geschossen. Aus Querfelds Sicht war es aber der nächste logische Entwicklungsschritt.
Sich möglichst schnell auf das nächste Level hieven – so formulierte er seine Ziele, als er vor anderthalb Jahren von Rapid Wien zum 1. FC Union nach Berlin wechselte. „Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um ein Jahr lang auf der Bank zu sitzen“, sagte er damals. Nach anfänglichen Schwierigkeiten spielte er sich in die Mannschaft und blieb dort. Dabei halfen ihm neben vielen gewonnenen Zweikämpfen auch mutige Offensivaktionen. Sein Schuss beim wilden 4:4 gegen Stuttgart in den Winkel wurde zum „Tor des Monats“ im April gewählt. In dieser Saison ist er in der Bundesliga noch ohne Torerfolg, traf aber im DFB-Pokal schon dreimal.
Als Kind hatte er bei Union Mauer als Angreifer begonnen, einem kleinen Stadtteilklub in Wien. Später ging es in die Akademie zu Rapid. Dort spielte er eine Zeit lang im Mittelfeld, als Sechser oder Achter. „Das war sehr gut, weil ich da mit neuen Situationen konfrontiert wurde und Lösungen finden musste. Der Druck ist im Mittelfeld ein größerer als in der Verteidigung, alles geht schneller“, sagt Querfeld.
„Ich kann sehr diszipliniert sein“
Bei Rapid lernte Querfeld nicht nur neue Perspektiven kennen, sondern auch neue Mitspieler. Die waren oftmals Kinder von ehemaligen Fußballprofis, die noch berühmter waren als seine Eltern. Dadurch stand Querfeld nicht so sehr im Fokus. „Am Ende geht es im Leistungssport darum, Leistung zu bringen, und ich hoffe, dass auch nur danach beurteilt wurde. Ich bin niemand, der damit prahlt, was seine Eltern in Wien aufgebaut haben, weil speziell ich dafür gar nichts erarbeitet habe“, sagt Querfeld.
Untätig war er im elterlichen Betrieb trotz des Leistungssports aber nie: Als Jugendlicher half er in den Cafés aus. Oder versorgte sich selbst, weil die Eltern arbeiten mussten. „Ich habe früh gelernt, etwas selbständiger zu leben“, sagt Querfeld. Dazu zählt auch das Kochen. Noch heute kocht er so oft es geht selbst. Einen Privatkoch, wie viele seiner Mitspieler, braucht er nicht. Eine gesunde Ernährung ist ihm aber wichtig. „Darauf lege ich definitiv einen großen Fokus, weil mir das viel hilft, wenn man abseits des Platzes professionell lebt. Ich fühle mich dadurch viel besser, der Verzicht fällt mir nicht schwer“, sagt er. „Disziplin liegt mir, ich kann sehr diszipliniert sein.“
Zu einem perfekten Sonntag gehört für ihn neben selbst gekochtem Essen der Gang in die Kirche. Querfeld ist gläubig und betet regelmäßig vor den Spielen. In Berlin ist er manchmal in der Hillsong Kirche anzutreffen – wenn gerade kein Spieltag ansteht. Da passt es gut, dass Union an diesem Spieltag schon am Freitagabend spielt (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky). Im Stadion an der Alten Försterei ist der Tabellenzweite RB Leipzig zu Gast.
Union will nach zuletzt zwei Niederlagen gegen Heidenheim (1:2) und Wolfsburg (1:3) wieder punkten, ehe es nach dem abschließenden Spiel beim 1. FC Köln in die Winterpause geht. Über Weihnachten möchte Leopold Querfeld zur Familie reisen. Gänzlich untätig wird er aber auch dort nicht sein. In der spielfreien Zeit pflegt er sich mit seiner Mutter fit zu halten, die passionierte Triathletin ist. Konditionstraining ist bei den Querfelds ebenfalls Familiensache.





















