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Champions League: Der FC Bayern als Raupe Nimmersatt | ABC-Z

Mehr, mehr, mehr. Seit dem Start der Saison frisst sich die Fußballmannschaft des FC Bayern München wie die kleine Raupe Nimmersatt durch die Wettbewerbe. Sie läuft mehr Kilometer, sie schießt mehr Tore, sie gewinnt mehr Spiele. Und sie macht ihren Fans so immer mehr Hoffnung, dass sie es am Ende der Saison das erste Mal seit 2020 wieder in das größte Spiel des größten Wettbewerbs schaffen könnte: in das Finale der Champions League.

Am Dienstagabend, an dem für die Mannschaft des FC Bayern erst einmal das sechste Vorrundenspiel gegen Sporting Lissabon anstand, wurde in der Arena in München sichtbar, warum man sie – anders als in der Vorsaison – wirklich zum kleinen Kreis der Finalkandidaten zählen muss. Sie scheint in dieser Saison mehr Spieler zu haben, die solche Spiele entschieden können. Harry Kane, Michael Olise, Serge Gnabry, Luis Díaz. Doch der, der das an diesem Abend machte, hat den Bayern bisher den größten Mehrwert gebracht.

Ein Matchwinner, der keine Ablösesumme kostete

Aus der Sicht des Sportvorstandes dürfte es aber schon auch besonders sein, dass dieser Karl, der aus dem Campus kam, anders als die anderen Spielentscheider keine Ablösesumme gekostet hat. Und dass er, der in seinem vierten Champions-League-Spiel schon das dritte Champions-League-Tor geschossen hat, der Grund ist, warum in München seit Wochen eher wenig darüber gesprochen wird, dass Jamal Musiala wegen eines Wadenbeinbruchs in dieser Saison noch nicht ein Spiel gemacht hat.

Mit Lennart Karl in der Musiala-Rolle frisst sich der FC Raupe Nimmersatt durch die Champions League. Der Vergleich mit der Vorsaison sagt: Die Mannschaft hat mehr Tore geschossen und mehr Spiele gewonnen. Und das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Ende mehr erreichen wird: weil sie auf dem weiteren Weg wohl zwei Spiele weniger haben wird.

Vergangene Saison mussten die Bayern noch in die Play-offs

Seit dem Sieg über Lissabon – Endergebnis: 3:1 – ist es sehr wahrscheinlich, dass der FC Bayern unter den besten Acht der Vorrunde landen wird und damit direkt ins Achtelfinale vorrücken darf. Dafür sollte in den Spielen gegen die Mannschaften aus Saint-Gilles (21. Januar, 21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) und aus Eindhoven (28. Januar) schon ein Unentschieden genügen.

In der vergangenen Saison, in der es diesen Modus das erste Mal gab, waren die Bayern nach der Vorrunde nur Zwölfter und mussten sich in zwei anstrengenden Play-off-Spielen gegen Celtic Glasgow (das entscheidende Tor fiel im Rückspiel erst in der Nachspielzeit) fürs Achtelfinale qualifizieren. Und wenn man Harry Kane glaubt, waren diese Spiele ein Grund, warum seine Mannschaft im Viertelfinale ausgeschieden ist.

Als Kane vor dem ersten Spieltag der neuen Champions-League-Saison vorausblickte, sagte er, dass es „wichtig“ sei, unter den besten Acht der Vorrunde zu landen. Er sagte, dass die Spiele gegen Glasgow in der „stressigsten Phase“ der Saison gewesen seien. Und er sagte: „Es hat einen großen Unterschied gemacht.“

In dieser Saison könnte der Unterschied noch ein bisschen größer sein. Warum? Weil der Spielstil von Trainer Vincent Kompany, den das Team so konsequent umsetzt, viel Kraft kostet. Und weil die Kraft in einem Kader, der im Vergleich mit den internationalen Konkurrenten eher klein ist, schneller ausgehen kann. In diesem Kontext sind zwei K.o.-Spiele weniger mehr als man denkt.

Das Risiko von Vincent Kompanys Spielsystem bleibt

So gut die Bayern gerade sind, so viele Tore sie schießen und so viele Spiele sie gewinnen, so gut konnte man am Dienstagabend aber auch sehen, warum sie es ab dem Achtelfinale schwer haben könnten.

Es lief die 53. Minute, als der Verteidiger Dayot Upamecano den Angreifer Alisson Santos in die Spielfeldhälfte von Sporting Lissabon verfolgte. So sieht die Manndeckung von Kompany das vor. Als Santos den Ball dort mit Blickrichtung eigenes Tor – keine akute Gefahr! – annahm, war Upamecano nah dran, aber nicht nah genug. Und als Santos sich dann schnell mit dem Ball drehte, konnte Upamecano ihn weder stoppen noch stören und so musste der Verteidiger mitansehen, wie der Angreifer mit Blickrichtung gegnerisches Tor – Gefahr! – davonrannte und den Ball in die Lücke passte, die durch sein Vorrücken entstanden war. Ein paar Sekunden später war der Ball im Tor der Bayern.

Das ist und bleibt das Risiko von Vincent Kompanys Spielsystem: Wenn einer seiner Verteidiger in der gegnerischen Spielfeldhälfte einmal nicht nah genug dran ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit anders als in anderen Spielsystemen deutlich, dass daraus ein Gegentor entsteht.

An den meisten Abenden produziert dieses System für den FC Bayern aber so regelmäßig Torchancen und Tore, dass das Risiko aufgeht. So auch an diesem Dienstag, an dem die Tore von Gnabry (65. Minute), Karl (69.) und Jonathan Tah (77.) aus einem 0:1 ein 3:1 machten.

Und doch erinnerte dieser Sieg auch an die beiden Fragen, die mit Blick auf die K.o.-Runde der Champions League am interessantesten sein werden. Sollte die Verteidigung in manchen Momenten angepasst werden? Und muss der Angriff angepasst werden, wenn Jamal Musiala voraussichtlich ab Januar wieder mitspielen wird? Wenn der FC Bayern die richtigen Antworten auf diese Fragen findet, kann aus der Raupe ein Schmetterling werden.

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