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Formel 1 in Katar: Max Verstappen lässt die Papaya-Party platzen – Sport | ABC-Z

Das Titelrennen der Formel 1 geht in die Verlängerung. Mit seinem siebten Erfolg in dieser Saison beim Großen Preis von Katar zieht Titelverteidiger Max Verstappen nicht nur nach Siegen mit seinen McLaren-Rivalen Lando Norris und Oscar Piastri gleich – er hat dem gegnerischen Duo auch kräftige Ohrfeigen verpasst. Wieder mit freundlicher Unterstützung vom McLaren-Kommandostand, der seine Fahrer taktisch ausgebremst hat. Piastri kam zwar als Zweiter ins Ziel, Favorit Norris aber nur auf dem vierten Rang. Bei noch 25 zu gewinnenden Punkten führt Norris jetzt lediglich mit 408 Zählern vor Verstappen (396) und Piastri (392). In Buchstaben: alles wieder offen.

Die Gratulationsbotschaft von Verstappens Renningenieur Gianpiero Lambiase über Boxenfunk ist zugleich eine Drohung an McLaren gewesen: „Fantastisch, Max. Wir kämpfen bis zum Ende!“ Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff stammelte ins SkyMikrofon: „Unfassbar! Der Traum geht weiter.“ Der überragende Verstappen lobte seine Truppe: „Das war clever – und smart. Jetzt ist alles drin.“ Und Piastri drückte die ganze McLaren-Stimmungslage aus: „Das ist schwer zu schlucken.“

Die Startreihe von Katar lieferte das perfekte Szenario für ein Ausscheidungsfahren um den Weltmeistertitel. Oscar Piastri und Lando Norris in der ersten Reihe, gemeinsam gegeneinander. Dahinter lauerte, seinem Rang in der Punktetabelle entsprechend, Weltmeister Max Verstappen. Ein Dreikampf der Superlative, mit zwei Verwegenen und einem Verwalter. Taktische Variablen gibt es genug, allein durch die Beschränkung der Reifen auf 25 Runden, was bei einer Gesamtdistanz automatisch zwei Stopps bedeutet. Hinzu kommt eine hohe Safety-Car-Wahrscheinlichkeit, dazu die wenigen Überholchancen auf dem als Motorrad-Rennstrecke konzipierten Lusail International Circuit.

Aber zunächst einmal entscheidet das Reaktionsvermögen, dann die Chuzpe vor der ersten Kurve, die gut 300 Meter nach der Startgeraden nach rechts abknickt. Verstappen, der am wenigsten zu verlieren hatte, wagte am meisten, er konnte sich im Windschatten von Oscar Piastri an Norris vorbeisaugen. Der Australier hat sich in der Wüste aus der Krise gefahren: Pole-Position und Sieg im Sprint-Rennen, dann auch Schnellster im Qualifying.

Während der Safety-Car-Phase holt McLaren nicht wenigstens einen Piloten herein – vielleicht eine Folge der krampfhaften Gleichstellungsregelung

Verstappen, von McLaren-Teamchef Zak Brown als „Darsteller aus einem Horror-Film“ geadelt („Du denkst, er ist draußen, dann steht er plötzlich wieder da“), maximierte seine minimale Chance. Für den Niederländer konnte es nur um den Sieg gehen, um seinen unruhig liegenden Red-Bull-Honda zu beruhigen, hatte er sogar noch einmal den Motor getauscht. Die good vibrations lagen jedoch bei Piastri, der scheinbar nach Belieben davon zog. Das aber nur sieben Runden lang, dann kam nach einem missglückten Überholmanöver von Nico Hülkenberg das Safety Car heraus. Von den Favoriten bog nur Verstappen sofort zum Reifenwechsel ab und reihte sich als Dritter wieder ein, ein riesiger Zeitvorteil.

Ein taktischer Fehler des mutlosen McLaren-Kommandostands, nicht wenigstens einen der beiden Piloten hereingewunken zu haben. Vielleicht auch eine Folge der krampfhaften Gleichstellungsregelung – um keinen zu bevorteilen und dadurch beide zu benachteiligen. Norris beschwerte sich auch sofort bei seinem Renningenieur: „Wir hätten Max folgen sollen, oder?“ Die beiden Papaya-Piloten waren gezwungen, den taktischen Fehler wiedergutzumachen, und möglichst viele Sekunden herauszuholen. Erhöhter Stress für Mensch und Material. Die Strategen redeten sich die Situation schön: „Damit haben die anderen alle Flexibilität verloren.“ So kam taktisch weitere Spannung in die Eintönigkeit der Kolonnenfahrt.

Nach dem verpassten Boxenstopp beschwerte sich Lando Norris sofort bei seinem Renningenieur: „Wir hätten Max folgen sollen, oder?“ Das erhöhte den Stress für Mensch und Material.
Nach dem verpassten Boxenstopp beschwerte sich Lando Norris sofort bei seinem Renningenieur: „Wir hätten Max folgen sollen, oder?“ Das erhöhte den Stress für Mensch und Material. (Foto: Mark Thompson/Getty Images)

Der Reifen-Schonungsregel für die aufreibende Piste in Katar folgend, mussten die McLaren spätestens in Runde 25 reinkommen und sich dann wieder im Verkehr einfädeln. Als Erster wurde Spitzenreiter Piastri reingewunken, Norris blieb für eine freie Runde draußen. Zurück ging es nach perfekten Boxenstopps auf den Rängen vier und fünf. Aber die McLaren kamen auf frischen Pneus besser zurecht als gedacht, Piastri schob sich aus eigener Kraft wieder auf Rang drei, bevor alle anderen in die Box fuhren. Norris hatte auf der Fahrt nach vorn etwas mehr Probleme. Red Bull täuschte einen Stopp an, ließ Verstappen aber noch eine Runde mehr drehen, um möglichst viel herauszuholen. Der Niederländer kam im 33. Umlauf dann knapp hinter dem McLaren-Duo raus.

Damit spitzte sich alles auf das Rennende zu: Verstappen konnte durchfahren, die beiden anderen mussten nochmals stoppen. Es sollte am Ende um Sekunden gehen. Die McLaren-Piloten wurden nervös, sie wussten um den Vorteil des Gegners, diskutierten heftig über den Boxenfunk. Norris leistete sich sogar einen Ausritt, auf der anschließend verzweifelten Zeitenjagd heizten sich die Pneus auf. Verstappen wurde angewiesen, einen Sicherheitsabstand zu halten, um zum Schluss durchzustarten.

Piastri konnte nicht mehr abwarten, er holte sich in der 43. Runde früher als gedacht neue Gummis. Und Norris wurde dazu benutzt, Verstappen aufzuhalten, der bis auf eine halbe Sekunde herangekommen war. Permanent ergaben sich neue Druckverhältnisse. Dann kam auch Norris, Verstappen hatte freie Fahrt und die sogenannte clean air. Die Box schob ihn verbal an: „Du kannst Vollgas geben!“ Bei zwölf Runden hatte er noch 15 Sekunden Vorsprung auf Piastri, über 25 auf Norris. McLaren-Boss Zak Brown hatte Recht behalten: Für sein Team ist das der blanke sportliche Horror. Oder, aus Verstappen-Sicht: die pure Freude. Seine Chance auf die Titelverteidigung ist größer denn je.

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