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Unterschleißheim: AfD-Bürgermeisterkandidat gibt auf – Landkreis München | ABC-Z

Viele haben es gar nicht mitbekommen, doch die AfD hatte in Unterschleißheim für ein paar Tage einen Bürgermeisterkandidaten. Die Mitglieder im Ortsverband haben am 1. November bei einer Versammlung eine Stadtratsliste für die Kommunalwahl im März 2026 aufgestellt und der Partei zufolge Peter Kremer einstimmig als Herausforderer von SPD-Bürgermeister Christoph Böck nominiert. Doch jetzt hat der Kandidat hingeworfen. Seinen Rückzug erklärt der 72-Jährige mit „familiären Gründen“. Er habe die Entscheidung „in Abstimmung mit meiner Familie und zu deren Schutz getroffen“, sagt er.

Peter Kremer ist ein bekanntes Gesicht der AfD in Unterschleißheim. Er ist dort seit bald sechs Jahren Stadtrat, zudem gehört er dem Kreistag an und ist stellvertretender Kreisvorsitzender der zumindest in Teilen rechtsextremen Partei. 2023 kandidierte er auch für den Landtag, damals hingen Plakate mit seinem Konterfei am Straßenrand.

Öffentlich tritt der AfD-Kommunalpolitiker stets demonstrativ ruhig auf, im Stadtrat beschränkt er sich weitgehend auf lokale Sachthemen. Im Gespräch erweist sich Kremer jedoch als linientreues Parteimitglied, das die „etablierten Parteien“ attackiert. Seinen Rückzug erklärt Kremer nicht groß. „Zu den näheren Umständen möchte ich mich nicht äußern“, sagt er auf Nachfrage. Die AfD-Kreisvorsitzende Christina Specht erklärt dagegen: „Die Familie hatte unter Repressalien zu leiden und ihn daher inständig gebeten, seine Kandidatur zurückzuziehen.“

Gab es also persönliche Anfeindungen oder gar Drohungen? Oder spielen der Kandidat und seine AfD-Freunde mal wieder die Opferrolle als angeblich ausgegrenzte Partei?

Die Meinungen und Beobachtungen gehen auseinander. Öffentlich stand Peter Kremer jedenfalls vor seiner Entscheidung nicht am Pranger. Das dürfte auch daran liegen, dass die AfD seine Nominierung zurückhaltend kommuniziert hatte. Von der Aufstellung des AfD-Bürgermeisterkandidaten erfuhr man in Unterschleißheim erst eine Woche später, am 8. November, im örtlichen Anzeigenblatt. Abgesehen davon war die Kandidatur weder in anderen Medien noch im Netz Thema, schlug folglich auch keine Wellen – bis Kremer jetzt seinen Schritt erklärte.

Der AfD-Landtagsabgeordnete Andreas Winhart, der mit Kremer in Unterschleißheim einmal bei einer Parteiveranstaltung aufgetreten ist, erklärt auf Facebook: „Tja, das sind die Folgen für die Demokratie, wenn es Linke im Kampf gegen Rechts übertreiben.“ In der Stadt sehen das viele anders. Das Bündnis für Demokratie und Vielfalt in Unterschleißheim etwa betont, man kritisiere die Politik der extremen Rechten, die Menschen diffamiere, nur weil sie anders aussähen oder von anderswo herkämen. Man stehe für eine „offene, demokratische Gesellschaft ein, in der alle Menschen geschützt und gehört würden“. Diese Gesellschaft werde von der AfD bekämpft.

Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) sagt über die offenkundigen Motive Kremers für seinen Rückzug, das sei „grundsätzlich nicht gut“. So etwas dürfe es in einer Demokratie nicht geben. Er selbst habe allerdings nichts von Anfeindungen des AfD-Stadtrats mitbekommen. Was die Polarisierung der Gesellschaft betrifft, findet Böck, „ist es aber sicherlich so, dass die AfD mit dazu beiträgt“. Grünen-Stadträtin Lissy Meyer wiederum verweist im Gegenzug auf bundesweite, massive Anfeindungen aus rechten Kreisen gegen Mitglieder ihrer Partei. Und SPD-Stadträtin Katharina Bednarek (SPD) zeigt sich schlicht verwundert über den Rückzug. Wer sich in der Politik vorne hinstelle, der wisse, dass er leider viel aushalten müsse.

Einen Ersatzkandidaten fürs Bürgermeisteramt gibt es Kremer zufolge noch nicht.

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