Röttgen und Stegner unterbrechen Forscherin mehrmals | ABC-Z

Auf hektische Verhandlungen in den letzten Tagen folgte eine ebenso hektisch geführte Diskussion bei Maybrit Illner darüber. Eingeladen waren mit Norbert Röttgen (CDU) und Ralf Stegner (SPD) zwei Vertreter der großen Koalition, die mit ihrer Uneinigkeit ein perfektes Sinnbild zur Lage der Regierung abgaben.
Ihnen wurde die renommierte Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff zur Seite gestellt, die direkt zu Beginn die Europäer für ihre Passivität im Ukraine-Friedensprozess kritisierte: „Die Europäer haben genügend Zeit gehabt, selber etwas auf den Tisch zu legen“, moniert sie. Jetzt müsse man sich nicht wundern, wenn die Amerikaner einen Plan entwerfen, der den europäischen Interessen entgegenläuft.
Ukrainischer Botschafter hat schweren Abend
Der Vertreter der ukrainischen Interessen war an diesem Abend Oleksii Makeiev, der ukrainische Botschafter in Deutschland. Er hat in der Sendung wahrlich keine leichte Aufgabe.
Er bemüht sich, die US-Regierung nicht zu sehr zu kritisieren, schließlich ist die Ukraine weiter auf Trumps Gewogenheit angewiesen. Doch an einer Stelle bricht die Enttäuschung aus ihm heraus: „Es tut weh, wenn ein Verbündeter zum Vermittler wird und dich nicht mehr schützt.“
Ukrainischer Botschafter muss Illners Fragen ausweichen
Zusätzlich muss er Illners Fragen ausweichen. Sie will von ihm zum Beispiel wissen, ob die Ukraine nicht bereit sein müsse, Gebiete abzutreten. Das muss er natürlich verneinen, indem er auf die „Millionen Ukrainer in den besetzten Gebieten“ verweist, die man nicht aufgeben wolle.
Mit seiner Maximalforderung, Russland müsse sofort 500 Milliarden Euro an die Ukraine zahlen, um Gräueltaten und Zerstörung wiedergutzumachen, macht Makeiev zwar seinen Job als ukrainischer Botschafter. Dies führt die Diskussion jedoch weg von einer realistischen Ebene, die die aktuellen Kräfteverhältnisse und die Position der USA miteinbezieht.
Von links: Nicole Deitelhoff, Direktorin Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Norbert Röttgen (CDU), Maybrit Illner, Ralf Stegner (SPD), Oleksii Makeiev, Botschafter der Ukraine in Deutschland, zugeschaltet: Armin Coerper, Leiter ZDF-Studio Moskau, und Elmar, Theveßen, Leiter ZDF-Studio Washington.
© ©Thomas Kierok/ZDF | ©Thomas Kierok/ZDF
Zwei Lager in der US-Regierung
Wie genau diese Position aussieht, legt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen dar, der aus Washington zugeschaltet ist. Er beschreibt die zwei Lager innerhalb der Trump-Regierung. Es sei entscheidend, wer sich durchsetzt und beim Präsident Gehör findet:
Die Gruppe um Vizepräsident J.D. Vance, die Russland sehr stark entgegenkommen will oder die um Außenminister Marco Rubio, der in diesen Tagen versucht, den russischen Einfluss auf den US-Präsidenten zu begrenzen.
ZDF-Journalist sieht günstigen Zeitpunkt für Russland
Zum Vance-Lager gehört unter anderem Steve Witkoff, der in den vergangenen Tagen mit einem geleakten Anruf für Schlagzeilen sorgte. In dem Anruf gibt Witkoff dem russischen Vertreter Juri Uschakow Tipps, wie die Russen Trump besser umgarnen können: „Ich würde einen Anruf tätigen und einfach noch einmal wiederholen, dass ihr dem Präsidenten zu dieser Leistung gratuliert (…) und ihn als Mann des Friedens respektiert.“
Illner zeigt den Anruf als Beleg dafür, wie russische Interessen im weißen Haus Gehör finden. Auch dank Witkoff hat sich der 28-Punkte-Plan stark an russischen Interessen orientiert. Der Russland-Korrespondent Armin Coerper weist jedoch darauf hin, dass auch Russland „Kröten schlucken“ musste.
Wie geht es nun weiter?
Seiner Einschätzung nach will der Kreml härteren Öl-Sanktionen durch die USA unbedingt entgehen. In Kombination mit der militärischen Lage könne das dazu führen, dass Putin gerade verhandlungsbereit sei: „Der 28-Punkte-Plan kommt für Russland zu einem sehr günstigen Zeitpunkt“, sagt der ZDF-Journalist aus Moskau zugeschaltet.
Wie es nun weitergeht – das weiß keiner so genau. Deitelhoff bringt es auf den Punkt, als sie klarstellt, dass übrigens keiner der Anwesenden den aktuellen Verhandlungsstand kenne.
Röttgen und Stegner unterbrechen Konfliktforscherin
Bei weiteren Ausführungen wird sie allerdings immer wieder von Röttgen und Stegner unterbrochen, die mehrmals über sie hinwegreden. Illner, deren Aufgabe es wäre, Deitelhoff zu Wort kommen zu lassen, greift nicht ein.
So zerfasert die Diskussion, was viel an Röttgen und Stegner liegt, die erkennbar immer wieder ihre Punkte machen wollen. Das zeigt ein grundlegendes Problem solcher Talkshows.
Wenn das Ziel der Erkenntnisgewinn beim Zuschauer ist, sind reine Expertenrunden manchmal die bessere Alternative. Bei dieser Sendung wäre das definitiv der Fall gewesen.





















