Unterschleißheim: Bau von um die 700 Wohnungen in Lohhof-Süd – Landkreis München | ABC-Z

Die Wohnungsnot ist groß. Gebaut wird im Raum München immer noch zu wenig. Vor diesem Hintergrund haben sich am Mittwoch an die 100 Leute in Unterschleißheim zu einem bemerkenswerten Termin eingefunden. Mit einem Spatenstich startet der Hamburger Investor Fortoon Development GmbH offiziell den Bau von 440 Wohnungen. Weitere Pläne der Stadt eingerechnet sollen in dem Quartier mit dem Namen „Mehrgenerationenwohnen Lohhof-Süd“ um die 700 Wohnungen entstehen. Ist jetzt der Knoten in der Baubranche geplatzt? Wird Bauen wieder leichter? Fortoon-Geschäftsführer Peter Zillmann beantwortet das hanseatisch nüchtern: „Nein.“
Schon seit Monaten läuft an der Kreuzstraße in Unterschleißheim eine Großbaustelle. Die Stadt hat Sportstätten verlegt, sie baut eine neue Umgehungsstraße, um das Viertel zu erschließen und bisher mit Durchgangsverkehr belastete Wohngebiete zu entlasten. Kanalrohre, Wasser- und Stromleitungen wurden im Boden versenkt. Für den Geothermieanschluss sind laut Rathaus-Geschäftsführer Thomas Stockerl die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Der Raum für einen zentralen Park und auch für eine Biotopfläche ist freigehalten. Jetzt soll der Wohnungsbau beginnen. „Am 8. Dezember kommen die Bagger“, sagt Zillmann. „Bis 2029 wollen wir komplett fertig sein.“ Und zwar inklusive Seniorenzentrum, seniorengerechten Wohnungen und Supermarkt mit Bäckerei und Café.
Der Bauträger hat zum feierlichen Start der Arbeiten auf dem schlammigen Baufeld bei nasskaltem Wetter ein Zelt aufgebaut. Es ist beheizt und eng, Häppchen stehen bereit. Am Eingang begrüßt Peter Zillmann jeden persönlich und erklärt auf Nachfrage, ob nach seiner Erfahrung das Bauen für Investoren nach Jahren der Krise wieder leichter wird. Immerhin wird hier in Lohhof-Süd richtig geklotzt und nicht gekleckert. Er dämpft die Hoffnungen: „Wir haben acht Monate gebraucht, das zu finanzieren.“ Mit der Stadtsparkasse München und der Sparkasse Karlsruhe sei man schließlich einig geworden.
Doch das sei vor allem geglückt, weil man als Unternehmen viel Geld mitbringe. Die Fortoon GmbH gehört zur Qcoon Invest GmbH, die von vermögenden Familien hohe Summen verwaltet und unter anderem in Bauprojekte quer durch Deutschland steckt. Man baut Wohnungen, Hotels, Einkaufscenter und Bürogebäude. Ein Investor ohne einen solchen Hintergrund, sagt Zillmann, tue sich weiter schwer. Die Banken hätten früher für ein Prozent Geld verliehen, heute sei man bei vier, fünf Prozent. Da lohne sich das Bauen für viele bis heute nicht.
Doch in Unterschleißheim geht jetzt dank der Hamburger wieder etwas. Die Stadt hat das Großprojekt auf einem ehemaligen Kiesgrubengelände vor mehr als zehn Jahren angestoßen. Ein erster Investor strich die Segel. 2023 übernahm die Fortoon das 16 000 Quadratmeter große Areal am Stadtrand, für das das Rathaus politisch das Ziel ausgab, mit Investoren als Partner Wohnraum für Familien sowie für Senioren zu schaffen. Die Stadt hält selbst ein Areal in dem Quartier angrenzend an die bestehende Siedlung und wird dort den Schwerpunkt auf familiengerechtes Wohnen legen, eine Kindertagesstätte schaffen und auch vergünstigten Wohnraum nach der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon). Im nördlichen Bereich hat man Bürgermeister Christoph Böck (SPD) zufolge mit der Instone Development GmbH aus Essen schon einen Bauträger zur Hand. Im Süden werde noch umgeplant, sagt Böck. Die Bebauung dort ist im Stadtrat hochumstritten.
Denn während SPD und Grüne vor allem auf verdichtetes Bauen in städtischen Mehrfamilienhäusern setzt, um günstig Wohnraum zu schaffen, pocht die CSU mit den Anliegern im Rücken auf Reihenhäuser. Auch beim Lärmschutz zur Kreuzstraße, einer viel befahrenen Staatsstraße, werde man noch umplanen, sagt Böck, und statt Glaselementen womöglich Bürobauten schaffen. Die dort einmal geplante neue Polizeiinspektion, die aus dem alten und zu klein gewordenen Gebäude in Oberschleißheim wegziehen soll, wird laut Rathaus andernorts umgesetzt.
Die Stadt gibt mit dem neuen Quartier als Abrundung der bestehenden Siedlung Lohhof-Süd nach Böcks Überzeugung eine Antwort auf kommende Herausforderungen. Er zitiert in seiner Rede in dem kleinen Zelt den „Unterschleißheimer Hendl-Index“, der für nichts anderes steht als die Zahl der Bürger jenseits der 65 Jahre, denen von der Stadt beim Lohhofer Volksfest eine Hendl-Marke zusteht. Im Jahr 2013 seien das noch weniger als 5000 Bürger gewesen, sagt Böck, und 2025 bereits 6147; ein Zuwachs von 1200 Menschen und 24 Prozent in zwölf Jahren. „Wenn jetzt noch die Boomergeneration hinzukommt“, sagt er, dann lasse sich der Bedarf an Wohnraum für ältere Bürger ermessen. „Wir schaffen Raum für Menschen, die wir sonst vielleicht hätten ziehen lassen müssen.“

Der Investor plant mit der eigens gegründeten Projektgesellschaft MGW Lohhof-Süd GmbH in dem ersten Bauabschnitt bis Mitte 2028 den Bau von 190 Mietwohnungen, in weiteren Bauabschnitten sollen auch 58 Eigentumswohnungen entstehen. Seniorenzentrum und weiteres sollen Schritt für Schritt folgen. Geschäftsführer Zillmann beteuert, dass man ein nachhaltiges Investment anstrebe und die Immobilien „die nächsten 100 Jahre bewirtschaften“ werde. Sein Kompagnon Frank Körmann kündigt ein Mobilitätskonzept mit Leih- und Lastenrädern fürs Viertel an, Gebäude nach KfW-40-Standard mit extensiv begrünten Dächern und überwiegend barrierefreie Wohnungen. Körmann hebt die Besonderheit des Münchner Immobilienmarkts heraus. Dieser erlaube ein werthaltiges Engagement. Der Immobilienmarkt funktioniere noch, sagt er und zögert kurz – „aus Vermietersicht“.





















