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3:3 im Topspiel: Undav bringt den BVB zum Verzweifeln | ABC-Z

Viel fehlte nicht, und die bizarre Karim-Adeyemi-Geschichte der vergangenen Tage hätte am Samstagnachmittag ein ziemlich spektakuläres Fortsetzungskapitel erhalten.

Der Nationalspieler, der wegen illegalem Waffenbesitz und sehr merkwürdiger Begleitumstände in die Schlagzeilen geraten war, hatte am Ende eines wilden Duells gegen den VfB Stuttgart als Einwechselspieler in der 89. Minute zum 3:2 für Borussia Dortmund getroffen.

Für zwei Minuten herrschten ekstatische Zustände im Stadion, das Tor, der Schütze, die Wendung – die Situation hatte etwas Unwirkliches. Doch dann kam Deniz Undav, der die Lage in der Nachspielzeit doch noch ins Gegenteil verkehrte.

„Deniz ist ein abgezockter Hund“

Der Stuttgarter Stürmer schoss das 3:3 und ist damit selbst der Held des Spieltages. Anstelle des Beinahe-Siegtorschützen Adeyemi durfte sich nun Undav feiern lassen, als Schütze aller drei VfB-Treffer. „Der Deniz ist ein abgezockter Hund“, sagte Dortmunds Flügelspieler Maximilian Beier anerkennend und erklärte: „Bei uns ist die Stimmung jetzt gerade am Boden.“

Wie schon zum Saisonauftakt beim FC St. Pauli und am vorigen Spieltag beim HSV hat der BVB abermals einen Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit zugelassen. „Wir haben wieder zwei Punkte verschenkt“, sagte der Dortmunder Trainer Niko Kovac, der sich vor dem Hintergrund des Ereignisreichtums fragte: „Was bringt mir Spektakel, wenn du nur einen Punkt hast?“

Womöglich beginnt gerade etwas zu kippen beim BVB, wo die Stabilität des ersten Saisondrittels auf Kosten von Offensivkraft erkauft wurde. Aber leistungsgerecht war dieser Punkt allemal, denn der VfB wirkte insgesamt stabiler und war in mehreren Phasen klar überlegen. Zum Beispiel zu Beginn.

Hans-Joachim Watzke hatte unter der Woche im Rahmen eines Rückblicks auf seine am Sonntag auf der Mitgliederversammlung endende Zeit als Geschäftsführer an einen seiner persönlichen Erfolge erinnert. Der Funktionär, der für das Präsidentenamt seines Klubs kandidiert, hatte 2022 beim Kontinentalverband UEFA durchgesetzt, dass im Europapokal Stehplätze erlaubt sind, und von den Widerständen einiger anderer Klubvertreter erzählt, die Watzkes Eigeninteresse erkannten. Die Wucht der berühmten Südtribüne ist ein Erfolgsfaktor und zu Beginn der Partie gegen den VfB ließ sich gut beobachten, warum.

VfB beginnt dominant

Aus Protest gegen die auf der Innenministerkonferenz zur Debatte stehenden Repressalien gegen die Fanszenen wurde in Dortmund wie in allen anderen Stadien zwölf Minuten lang geschwiegen. Das tat der Mannschaft nicht gut. Der VfB entwickele eine bemerkenswerte Dominanz, tauchte mehrfach gefährlich im Strafraum des BVB auf, während die Mannschaft von Niko Kovac geradezu hilflos im eigenen Ballbesitz wirkte. „Bis zum 1:0 waren wir eindeutig besser“, sagte der Stuttgarter Angelos Stiller.

Das änderte sich erstaunlicherweise schlagartig, als der Support dann einsetzte. Besonders gut war der BVB auch dann nicht, aber die Intensität nahm zu, für die Führung brauchten sie aber eine Menge Glück. Nach einer Flanke von Julian Ryerson in den Strafraum stolperte Nico Schlotterbeck irgendwie unglücklich über die Beine von Undav, den folgenden Foulelfmeter verwandelte Emre Can zum 1:0 (34.).

Als Beier etwas später den vielleicht besten Dortmunder Angriff der ersten Halbzeit mit einem Tor aus kurzer Distanz zum 2:0 abschloss (41.), schien die Partie eine klare Richtung zu nehmen. Begünstigt wurde der Treffer im Übrigen von einem Fehler von Alexander Nübel, der den vorausgegangenen Schuss des abermals blassen Serhou Guirassy fangen wollte und vor die Füße von Beier springen ließ.

„Das war viel zu billig“

Zum stark auf Stabilität angelegten Niko-Kovac-Fußball gehört eigentlich der Plan, dass so ein Vorsprung nicht mehr ernsthaft in Gefahr gerät, doch diesem Grundsatz konnten die Dortmunder an diesem Tag nicht folgen. Stattdessen tat sich in der zweiten Halbzeit wieder einmal der alte Mentalitätsdebatten-Abgrund beim BVB auf.

Vor Undavs 2:1 verlor Julian Brandt tief in der eigenen Hälfte durch einen überflüssigen Risikopass den Ball, bevor Emre Can wenige Sekunden später viel zu unentschlossen im eigenen Strafraum gegen Undav verteidigte. „Das war viel zu billig, das nehme ich auf meine Kappe“, sagte Can selbstkritisch. Nach einer Ecke gelang Undav dann das 2:2 (71.), bevor er schließlich auch noch Adeyemis 3:2 ausglich (90.+1).

„Das war Weltklasse, wie ich meinen Körper reinhalte“, sagte Undav ganz unbescheiden über sein geschicktes Verhalten gegen Schlottereck vor dem dritten Treffer. „Wir sind dreimal zurückgekommen, besser hätte es hier nicht laufen können.“

Damit war Adeyemi als Thema erstmal abgeräumt. Die Stuttgarter konnten Undav feiern und der BVB befindet sich in einer schwierigen Situation: Nach der Mitgliederversammlung am Sonntag und dem Champions-League-Duell gegen Villarreal stehen zwei Spiele gegen die aufblühenden Leverkusener in der Bundesliga und im DFB-Pokal bevor. Die Gefahr, dass dieser instabile BVB doch wieder in die übliche Herbstkrise hineingerät, ist akut.

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