Bayern: Die CSU und der Streit um die Rente – Bayern | ABC-Z

Die Frage gefällt Markus Söder gar nicht. Zum Auftakt der Klausur des CSU-Vorstands am Wochenende will eine Journalistin wissen, ob Söder in der Rentenfrage zu einem Rückzieher bei der Mütterrente bereit wäre, einem Wahlversprechen der CSU. „Wer will die Mütterrente denn jetzt nicht?“, fragt Söder zurück. Als die Fragestellerin wieder ansetzt, unterbricht er erneut. „Zwischen wem, glauben Sie, in dieser Koalition ist die Mütterrente jetzt umstritten?“
Die Frage, wer in der Berliner Regierungskoalition gerade worüber streitet, ist ja manchmal tatsächlich nicht einfach zu beantworten. Söder hilft deshalb nach: Die Vollendung der Mütterrente, also die nachträgliche Erhöhung der Kindererziehungszeiten nun auch für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren sind, steht im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Sie ist bereits auf dem Weg, es geht um fünf Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr. Selbst die Junge Union (JU), die gerade gegen ausufernde Rentenkosten in der Zukunft rebelliert, habe das Projekt inzwischen geschluckt, betont Söder. „Also bei der Mütterrente seh’ ich jetzt keine Gefahr.“
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CDU, CSU und SPD ringen dieser Tage um eine Lösung des Rentenkonflikts. Die Junge Gruppe im Bundestag, 18 Abgeordnete von CDU und CSU, droht damit, das Rentenpaket der Bundesregierung im Parlament scheitern zu lassen. Sie sehen im Gesetzentwurf von Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) hohe Folgekosten auf die jungen Generationen zukommen, die über das Jahr 2031 hinausreichen. Die SPD und Kanzler Friedrich Merz (CDU) wollen das Gesetz nicht mehr aufschnüren, das Rentensystem werde bis 2031 ohnehin reformiert, argumentieren sie. Eine Kommission soll im nächsten Jahr Vorschläge machen.
Am Freitagabend ist Jens Spahn (CDU) bei der Schwesterpartei in München zu Gast, wenigstens in der Union will man in der Streitfrage gemeinsam vorankommen. Doch so richtig scheint das nicht zu gelingen, wie aus Teilnehmerkreisen zu hören ist. Auf einer Pressekonferenz nach der CSU-Klausur äußert sich Söder am Samstag eher verhalten zum Fortschritt in der Rentenfrage: Er habe das Gefühl, „dass wir da einer Lösung eher näher sind als weiter entfernt“. Der öffentliche Streit um das Thema schade der Koalition, er wolle Kanzler Merz den Rücken stärken. „Daran darf eine Koalition niemals scheitern“, sagt Söder. Richtung der Sozialdemokraten schickt der CSU-Chef folgende Bemerkung: „Das einfache Basta der SPD geht nicht.“ Ansonsten bleibt nach Söders Auftritt vieles vage. Jemand aus dem Vorstand sagt, dass man bei dem Rententhema nicht so richtig schlau aus Söder werde.
„Wir versuchen, bei jedem Gespräch zu helfen“, sagt Parteichef Söder
Welche Rolle will seine CSU in dem Konflikt spielen, der inzwischen sogar zum Endspiel der schwarz-roten Koalition aufgeblasen wird? „Wir versuchen, bei jedem Gespräch zu helfen“, sagt der Parteichef. Das Thema werde ja nun in der Bundestagsfraktion diskutiert. Söder fordert eine Einigung bis zum Koalitionsausschuss am Donnerstag in Berlin, die am Ende kein „Placebo“ für die Jungen sein dürfte. Eine „knifflige und keine leichte Aufgabe“, sagt Söder. Eine übermäßig aktive Rolle scheint er sich dabei nicht vorzunehmen, wenn man ihn nicht falsch versteht.
Das könnte auch an einer Umfrage liegen, die Söder am Wochenende mehrmals zitiert. Laut dem aktuellen Politbarometer des ZDF bleibt der regelmäßige Streit zwischen den Regierungspartnern vor allem an CDU und SPD negativ hängen: Während CDU und SPD von 61 beziehungsweise 54 Prozent der Befragten als „überwiegend zerstritten“ wahrgenommen werden, nehmen die CSU nur 28 Prozent so wahr. Die Mehrheit der Befragten bewertet Söders Partei als „eher einig“. Die CSU sei eine „sehr geschlossene Partei“, betont Söder. Sogar die geschlossenste „von allen Parteien in Deutschland“. Der Union, aber vermutlich vor allem der Schwesterpartei CDU, empfiehlt Söder: „mehr Mannschaftsgeist“.
„Haben Sie den Deutschlandtag gesehen?“, fragt Söder
Die eigene Geschlossenheit hat Bayerns Ministerpräsident kürzlich mit dem ausgeglichenen Haushalt im Freistaat wiederhergestellt. Denn auch im CSU-Nachwuchs hatte es in der Rentenfrage zuletzt hörbar rumort. Anfang Oktober forderte die JU Bayern in Söders Anwesenheit den Stopp der Mütterrente: „Schluss mit Wahlgeschenken für die Boomer-Generation zulasten der kommenden Generationen“, hatte der JU-Landeschef Manuel Knoll gefordert. Seit Söder dem JU-Wunsch nach einer schwarzen Null nachgekommen ist, herrscht wieder Frieden. Die Angriffe auf die Mütterrente wurden eingestellt. Fragen nach der JU-Kritik wischt Söder am Samstag mit einer rhetorischen Gegenfrage vom Tisch: „Haben Sie den Deutschlandtag gesehen?“ Auf der JU-Veranstaltung wurde Söder vor einer Woche bejubelt, während Bundeskanzler Merz im Rentenstreit auf wenig Gegenliebe traf.

:Wie Söder sich im Rentenstreit aus der Affäre zieht
Während sich der Konflikt um die Rente zuspitzt, gibt der CSU-Chef den Vermittler. Den Unmut über die Mütterrente in der eigenen Parteijugend hat er unterbunden.
„Wir als CSU sind im Power-Modus“, betont Söder also nach der Vorstandsklausur, als beträfen die Krisen der Bundesregierung die Regierungspartei CSU nur peripher. Stattdessen richtet die Partei ihren Blick nun auf die Kommunalwahlen, die am 8. März in Bayern stattfinden. Allein für Januar und Februar habe er bereits 60 Termine für den Wahlkampf, sagt Söder. Mit der AfD, die sich bei der Wahl auch in den bayerischen Kommunalgremien festsetzen dürfte, werde es keine Zusammenarbeit geben. Eine „strukturelle Mehrheit“ mit der AfD, „das schließen wir definitiv aus“.
Mit Blick auf die finanzielle Krise der Städte und Gemeinden drängt die CSU auf Entlastungen. „Insbesondere im Sozialbereich bedarf es umfassender bundesrechtlicher Reformen“, heißt es in einem Papier, das der CSU-Vorstand auf seiner Klausur beschlossen hat. Abstriche soll es demnach geben beim Bundesteilhabegesetz zur Stärkung von Menschen mit Behinderung, bei der Jugendhilfe oder beim Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder.
„Keiner von uns will den Sozialstaat schreddern“, betont Söder, doch die steigenden Sozialkosten „fressen diesen Staat auf“. Dass man sich damit nicht nur Freunde macht, erlebt Söder gerade in Bayern. Gegen den abrupten Stopp des geplanten Kinderstartgelds für junge Eltern hat sich großer Protest formiert, Petitionen gegen die Abschaffung haben mittlerweile mehr als 210 000 Unterschriften. Am Montag soll eine Übergabe an den Landtag und die Staatsregierung stattfinden. Dass das Geld statt an die Eltern in Zukunft in die Kita-Finanzierung fließen soll, sei dennoch richtig, sagt Söder. Gerade aus den Städten, die um die Finanzierung der Kinderbetreuung ringen, habe er viel Lob erhalten. „Deswegen bleiben wir da auch beim Kurs.“





















