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Neufahrn: Neue Flüchtlingsunterkunft ist fertig – Freising | ABC-Z

Mehrere Jahre lang hat das Landratsamt Freising nach einer passenden Immobilie in Neufahrn gesucht, nun ist es soweit: Ein leerstehendes Bürogebäude an der Zeppelinstraße 1a wurde zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut. Noch sind die Zimmer unbelegt und eine der zwei Etagen ist noch nicht bezugsfertig. Aber in nächster Zeit, wahrscheinlich Anfang 2026, sollen die ersten Menschen einziehen. Die Mitarbeiter des Landratsamtes sprechen von einer „schrittweisen“ Eröffnung, was bedeutet, dass nicht alle Zimmer sofort bezogen werden sollen.

Am Donnerstag fand in der Unterkunft ein „Tag der offenen Tür“ statt: Eingeladen waren alle, die einen Blick in die Räumlichkeiten werfen wollten. „Es ist unsere Aufgabe, die Menschen, die zu uns kommen, angemessen zu behandeln und unterzubringen“, sagte Landrat Helmut Petz (Freie Wähler). „Und zwar möglichst ruhig und geräuschlos, sozialverträglich und solidarisch.“ Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Neufahrn sei „sehr konstruktiv“ gewesen, so der Landrat weiter. Die Gemeinde teilt auf Anfrage mit, dass sie keine besorgten Meldungen vonseiten der Bürgerinnen und Bürger bekommen habe. Im Profil des Landratsamtes auf einem sozialen Netzwerk waren allerdings auch Hasskommentare hinterlassen worden.

Die Unterkunft bietet Platz für 275 Personen, die in zehn Einzel- und 70 Mehrbettzimmern untergebracht werden sollen. Zusätzlich sind für die Gemeinde Neufahrn 25 Plätze reserviert, die bei Katastrophen und Unglücksfällen wie Hochwasser oder Wohnungsbrand kurzfristig als Notunterkunft genutzt werden können. Das Gebäude ist rund um die Uhr von zwei Sicherheitsmitarbeitern betreut. Ein Sozialpädagoge ist ebenfalls regelmäßig vor Ort.

Die Ausstattung der Zimmer ist einfach: ein oder mehrere Betten, abschließbare Spinde, ein kleiner Kühlschrank, ein Tisch mit Stühlen. Alle Bewohner bekommen eine Erstausstattung, die unter anderem aus Decke, Bettwäschen, Handtüchern, Besteck, Tellern, Topf und Pfanne besteht. Duschen, Toiletten und Küche werden gemeinschaftlich genutzt. Den Bewohnern stehen außerdem Schulungs- und Gemeinschaftsräume zur Verfügung, für die Kinder wurden Spielzimmer eingerichtet.

Die Mehrheit der Bewohner wird in Mehrbettzimmern untergebracht. Auf jedem Bett steht schon ein Karton mit der Erstausstattung.
Die Mehrheit der Bewohner wird in Mehrbettzimmern untergebracht. Auf jedem Bett steht schon ein Karton mit der Erstausstattung. (Foto: Marco Einfeldt)
Die Ausstattung der Zimmer ist einfach: Bett, Tisch, Stühle, abschließbare Spinde, ein kleiner Kühlschrank.
Die Ausstattung der Zimmer ist einfach: Bett, Tisch, Stühle, abschließbare Spinde, ein kleiner Kühlschrank. (Foto: Marco Einfeldt)
Für die Kinder wurden mehrere Spielzimmer eingerichtet. Unter den Flüchtlingen im Landkreis Freising sind viele Minderjährige.
Für die Kinder wurden mehrere Spielzimmer eingerichtet. Unter den Flüchtlingen im Landkreis Freising sind viele Minderjährige. (Foto: Marco Einfeldt)

„Wir haben möglichst viele Einrichtungsgegenstände wiederverwendet“, erklärt Sandra Schulenberg, Sachgebietsleiterin für Asyl- und Flüchtlingsmanagement am Landratsamt. So habe man zum Beispiel Tafeln aus Schulen geholt, Spielsachen gespendet bekommen oder Stühle aus früheren Mietnutzungen genutzt.

Bezüglich der genauen Belegung der Unterkunft will sich das Landratsamt nicht äußern: Man arbeite noch daran, heißt es. Derzeit leben in den Unterkünften des Landkreises Freising knapp 2300 Personen, davon sind 600 minderjährig. Sie kommen aus rund 50 Ländern. Die meisten sind Geflüchtete aus der Ukraine, Afghanistan und Nigeria. Auch in die Neufahrner Unterkunft werden Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Lebensrealitäten einziehen.

Das Gebäude ist für zehn Jahre gemietet

Das Gebäude, das der Thelen-Gruppe mit Sitz in Essen gehört und vom Landratsamt zunächst für zehn Jahre gemietet wurde, befindet sich in einem Gewerbegebiet neben dem Umschlagterminal eines Logistikunternehmens. Von einer abgeschiedenen Gegend kann allerdings keine Rede sein: Um die Ecke befinden sich ein Supermarkt und eine Bushaltestelle, die Neufahrner Polizeiinspektion ist zu Fuß in fünf, die zentrale Bahnhofstraße in fünfzehn Minuten zu erreichen.

Ob große Flüchtlingsunterkünfte die bessere Option sind, darüber lässt sich diskutieren. Das Landratsamt argumentiert wirtschaftlich: Eine große Struktur koste weniger Geld und sei deutlich einfacher zu verwalten als viele kleinen Unterkünfte, heißt es. Auch „möchte man gerne“ kleinere Wohnungen, die aktuell als Unterkunft dienen, „dem allgemeinen Wohnungsmarkt zurückgeben“, wie Sachgebietsleiterin Schulenberg betont. Einige Studien, wie zum Beispiel eine Analyse der Robert Bosch Stiftung aus dem Jahr 2015, kommen hingegen zu dem Schluss, dass eine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten in kleineren Wohnungen die Akzeptanz in der ortsansässigen Bevölkerung erhöhe und die Integration erleichtere, wovon nicht nur die Betroffenen, sondern die ganze Gemeinschaft profitieren würde. Auch sei die Bereitstellung kommunaler Angebote einfacher, vor allem im Hinblick auf Kindergärten, Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen.

Die Studie kommt zudem zu dem Schluss, dass feststehende Gebäude vorzuziehen sind. Das sieht auch das Landratsamt so: Ziel sei es, „weiterhin keine Turnhallen oder Zelte“ zu belegen, wie es 2015 oder zu Beginn des Ukraine-Krieges notwendig war.

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