Große Blackout-Praxis in Moosburg – Freising | ABC-Z

Ohne Strom geht im Alltag nicht viel. Schon kurzfristige Störungen verursachen Probleme, wenn Lichtquellen und Heizungen nicht funktionieren oder Ladentüren nicht mehr aufgehen. Was aber kann man tun, wenn die Versorgung längere Zeit und flächendeckend ausfällt? Dieses Szenario erprobt die Stadt Moosburg am Sonntag, 16. November, von 13 bis 17 Uhr in und vor der Schäfflerhalle am Viehmarktplatz gemeinsam mit den Hilfsorganisationen. Die Bürgerinnen und Bürger sind ausdrücklich zu dieser Großübung eingeladen. Denn auch sie sollten wissen, wohin sie sich im Notfall wenden können und wie sie sich selbst vorbereiten können.
Moosburg hat als erste Kommune in einem weiten Umkreis früh damit begonnen, sich auf einen möglichen Blackout vorzubereiten. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Probleme, die dabei entstehen, erlebten die Moosburger am 20. Juni 2022, als ein schwerer Sturm über die Stadt hinwegfegte, der auch ein Todesopfer forderte. Die Stromversorgung war mehrere Stunden lang unterbrochen, weil umgefallene Bäume die Leitungen gekappt hatten. Anlaufstelle in Notsituationen sind in solchen Fällen die drei Feuerwehrhäuser in Moosburg, Thonstetten und Pfrombach-Aich, „Leuchttürme“, in denen man Notrufe absetzen kann, wenn Handys kein Netz mehr haben.
Bei der Großübung geht es aber um mehr, einen tagelangen Stromausfall in weiten Teilen Bayerns oder Deutschlands. Als sehr wahrscheinlich gilt dies nach Expertenmeinungen nicht, ausschließen aber kann das niemand. In Spanien und Portugal gab es in diesem Jahr bereits einen Blackout. „Für solche Fälle wollen wir gerüstet sein“, sagt Bürgermeister Josef Dollinger. „Wir sind hier Vorreiter und wollen das durchspielen.“ Es ist die bisher erste Übung dieser Art im Landkreis Freising und somit ein Pilotprojekt. Das Landratsamt unterstützt die Aktion.
Die Hilfsorganisation Navis
Ein Glücksfall ist für Dollinger, dass die Hilfsorganisation Navis, die weltweit in Katastrophengebieten im Einsatz war und ist, ihren Sitz in Moosburg hat. Sie wird bei der Übung, wie dies für den Ernstfall geplant ist, in der Schäfflerhalle ein medizinisches Versorgungszentrum mit Notfallstation, zwei Untersuchungszimmern, Ultraschall, Notlabor und EKG aufbauen. Denn auch Arztpraxen können ohne Strom nicht betrieben werden. Hausärzte können Patienten dann dort versorgen. Die Ausrüstung sei durch Spenden angeschafft worden, sagt Navis-Vorsitzender Thomas Geiner. Die Schäfflerhalle ist so ausgestattet worden, dass sie per Notstromaggregat versorgt werden kann. Der Bauhof verfügt über einen mobilen Tank.
Das Bayerische Rote Kreuz baut vor der Halle ihre Feldküche auf und kocht dort. Diesmal werden auch die Besucherinnen und Besucher versorgt, wie Einsatzleiter Benedikt Kehlringer sagt, im Ernstfall werden nur Einsatzkräfte verpflegt. Einen Duschcontainer zeigt das BRK ebenfalls, außerdem stehen zwei Rettungswagen vor der Schäfflerhalle. Im Katastrophenfall übernehmen die Rettungskräfte die Erstversorgung und den Transport der Patienten. Die Zusammenarbeit zu proben, den Funkverkehr zu testen, das sei wichtig, sagt Kehlringer. Er kenne niemanden, der dies so intensiv plane wie die Stadt Moosburg.
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Polizei und Feuerwehren sind ebenfalls mit Einsatzwagen am Viehmarktplatz. Christian Gunesch von der Feuerwehr Moosburg interessiert vor allem, wie der Betriebsfunk der Stadt funktioniert. Nach dem Unwetter 2022 schaffte diese 14 Funkgeräte an, die im Notfall an die Hilfsorganisationen verteilt werden. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal habe selbst der Digitalfunk versagt, der eigentlich die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften in Deutschland sichern soll, erklärt Geiner. Moosburg setzt deshalb auf eigene Funkgeräte.
Ein Ziel der Übung ist, die Bevölkerung zu sensibilisieren
Nicht in die Übung einbezogen ist die Stadthalle, der im Notfall eine wichtige Aufgabe zukommt. Sie gilt als „Insel“, mit Warmwasserversorgung, beheizten Räumen zum Aufwärmen und Sanitäranlagen. Übernachtungen sind dort nicht vorgesehen. Großer Vorteil für die Versorgung von Patienten in Moosburg: Die Marienapotheke kann bei einem Blackout weiterarbeiten, sie verfügt über eine Notstromversorgung.
Mit dem Aktionstag sollen nicht nur die Abläufe durchgespielt werden. Es gehe zudem darum, die Bevölkerung zu sensibilisieren, sagt Dollinger. Bürgerinnen und Bürger können sich informieren, es liegen Flyer aus, sie erhalten Tipps, wie sie selbst vorsorgen können und was im Notfall zu tun ist. Auch der Landkreis Freising will von den Erkenntnissen profitieren.
Blackout-Übung am Sonntag, 16. November, von 13 bis 14 Uhr am Viehmarktplatz und in der Schäfflerhalle in Moosburg. Offizielle Begrüßung um 14 Uhr mit Staatsminister Florian Herrmann, Landrat Helmut Petz und Bürgermeister Josef Dollinger.





















