Café Carlotta im Glockenbachviertel: Frühstück mit Fremden – München | ABC-Z

Die Sonne scheint kräftig durch die Fenster des Café Carlotta im Glockenbachviertel. Das Lokal ist perfekt Richtung Osten gelegen, die gegenüberliegenden Gebäude am Holzplatz genau richtig hoch, sodass die Sonne zielgenau auf die „Sharing Tables“ am Fenster strahlt. Hier werden Personen platziert, die sich nicht kennen – oder besser: noch nicht kennen. Beim Solo Dining, also, wenn man alleine ins Restaurant geht, sind solche Tische teils schon etabliert. Aber beim Frühstück mit Fremden plaudern?
„Das ist recht neu“, sagt auch Betreiber Lino Leonhardt. Er hat das Café im September 2024 eröffnet, vorher war an dem Standort das Café Tabula Rasa. Natürlich, sagt Leonhardt, habe das Konzept auch pragmatische Gründe: Die Ladenfläche für Gäste ist nur zwölfeinhalb Quadratmeter groß. Damit bis zu 15 Gäste auf kleinem Raum Platz finden, müssen sie zwangsläufig nebeneinander platziert werden. „Es passt aber auch zur bayrischen Mentalität“, sagt Leonhardt. „In Wirtshäusern gibt es auch meist größere Tafeln, an denen viele Menschen gemeinsam sitzen.“
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Gezwungen werde natürlich niemand, Gäste werden nur in Absprache an den „Sharing Tables“ platziert. Das Servicepersonal ist ohnehin freundlich und aufmerksam. Einmal zugestimmt ist das erste Gesprächsthema am geteilten Tisch selbstverständlich gesetzt: die Speisekarte. Zum Brunch-Angebot gehören belegte Julius-Brantner-Brote, etwa mit Hummus, Avocado, oder Rührei auf Steinpilzcreme (zwölf bis 15 Euro). Außerdem gibt es Croissants (3,50 Euro) und Joghurt mit Granola, Obst und Kompott (zwölf Euro, auch vegan). Na dann, man wünscht sich einen guten Appetit!


Die Preise sind nicht unbedingt erschwinglich, aber die Qualität der Gerichte stimmt. Das Brot mit Hummus ist kross gebacken, und jede eingelegte Zwiebel und jede Cocktailtomate liebevoll drapiert. Man ist sich einig: Die Brote schmecken noch besser als sie aussehen, die Zutaten sind hochwertig. Kein Wunder, Leonhardt kennt sich mit Lebensmitteln aus. Seiner Mutter gehört mit „Marinas Feinkost“ ein italienisches Lebensmittelgeschäft auf dem Viktualienmarkt.
Leonhardts Liebe zum Detail ist auch an der Einrichtung erkennbar. Seine Inspiration ist das Parkhotel Mondschein in Bozen, in dem er geheiratet hat. Das italienische Design kombiniert er mit der Farbgebung des Holzplatzes, das Grün der Stühle im Außenbereich passt zu den Graffitis am Klohäuschen auf dem Holzplatz. Erneut wird am „Sharing Table“ unisono geschwärmt: Wirklich hübsch, oder? Außerdem: ein schöner Herbsttag, blauer Himmel und so weiter. Die Atmosphäre im Café ist familiär, aber mit Fremden plaudert man eben erst mal höflich über Banalitäten. Reicht ja auch.
Ob das bei einem Stück selbst gebackenem Kuchen (4,50 bis fünf Euro) oder einem Glas Wein (ab 3,90 Euro) am Nachmittag anders klänge? Vielleicht. Über die Lautsprecher läuft Britpop aus den 90ern, ein Aperitivo auf dem sonnigen Platz ist gut vorstellbar. Aktuell ist das Café nur bis 16 Uhr geöffnet, für längere Öffnungszeiten fehlt das Personal. Der leckere Brunch in schöner Atmosphäre lohnt sich aber schon allemal. Okay, tschüss dann, schönen Tag noch!
„Café Carlotta“, Holzstraße 18, 80469 München,Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montag, 10 bis 16 Uhr





















